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KommentarDie schwächsten Start-ups müssen am längsten auf die Förderung warten

Die Coronahilfen für Gründer begünstigen die Lobby der Risikokapitalgeber. Weniger konkret sind die Hilfen für die kleineren Start-ups.Christoph Kapalschinski 11.05.2020 - 16:43 Uhr

Die Schwächsten müssen am längsten warten.

Foto: ddp/Andreas Berheide

Bund und Länder stellen derzeit Milliardensummen an Coronahilfen für fast alle Wirtschaftsbereiche in Aussicht. Nicht immer erreichen die Hilfen diejenigen zuerst, die sie am dringendsten brauchen. Exemplarisch dafür steht der Bereich Start-ups.

Anders als in früheren Krisen verfügen die Gründer in Deutschland inzwischen über eine starke Lobby. Allerdings sind die lautesten Fürsprecher nicht die Unternehmer selbst, sondern ihre Finanziers. Die Wagniskapitalgeber haben beispielsweise im Start-up-Verband eine starke Stellung, Präsident Christian Miele ist selbst Partner beim Investor eVentures.

Die Szene hat einen guten Draht zur Politik. Zwei Milliarden Euro Hilfen hat Finanzminister Olaf Scholz (SPD) schon vor sechs Wochen für Gründer in Aussicht gestellt. Der größere Teil – 1,2 Milliarden Euro – steht für Start-ups bereit, die einen der Risikokapitalfonds hinter sich stehen haben. Die KfW soll mit dem Geld neue Finanzierungsrunden aufstocken können, falls die Geldgeber das wünschen.

Dabei ist Geld eigentlich vorhanden. Vor der Krise haben viele Geldgeber den Start-up-Boom genutzt, um große Fonds zu schließen. Sie haben daher zwar Puffer, um ihren Portfolio-Unternehmen durch die Krise zu helfen. Die neuen KfW-Mittel können sie aber nutzen, um ihr Risiko zu reduzieren. Als weiteres Sicherheitspolster springt die KfW sogar ein, falls einer der Investoren der Risikokapitalgesellschaften abspringt.

Immerhin hat der Bund aus der Bankenkrise gelernt. Er erfüllt bei Weitem nicht alle Forderungen der Start-up-Lobby. Er behält sich etwa vor, die zwei Milliarden Euro auf bereits angekündigte Förderprogramme anzurechnen. Und er zwingt Investoren, die Förderung wollen, den Staat auch bei weiteren Investments an Bord zu nehmen, um so selbst Renditen abzugreifen. Allerdings: Der sowieso schon stark steuerfinanzierte Start-up-Sektor wird so noch staatslastiger.

Weniger konkret sind die Hilfen für die meist kleineren Start-ups, die ohne die Beteiligung von Risikokapitalgebern auskommen. Diese selbst finanzierten Gründer sollen 800 Millionen Euro aus dem Bundespaket bekommen – allerdings vermittelt über die Förderbanken der Länder. Deren Programme variieren stark. Einige Länder wie NRW und Hamburg haben bereits breitere konkrete Coronahilfen für Start-ups auf den Weg gebracht, andere stützen nur sehr junge Gründungen.

Derzeit arbeiten die Förderbanken in Workshops mit der KfW an der Umsetzung, denn sie müssen dann die Eigenkapitalhilfen je nach Land spezifisch auf die bestehenden Förderprogramme abstimmen. Das dauert. Ausgerechnet diejenigen Gründer mit der dünnsten Kapitaldecke müssen also am längsten warten.

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