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Kommentar Die Sorglosigkeit der Deutschen könnte einen zweiten Lockdown provozieren

Mit der Ferienzeit geraten Corona-Sicherheitsregeln mehr und mehr in Vergessenheit. Doch damit kehrt Deutschland nicht zur Normalität zurück.
26.07.2020 - 15:15 Uhr 2 Kommentare
Corona-Krise: Sorglosigkeit der Deutschen könnte zweiten Lockdown provozieren Quelle: dpa
Timmendorfer Strand

Die deutschen Strände sind voll.

(Foto: dpa)

Deutschland hatte sich in der ersten Welle der Corona-Pandemie den Ruf einer vorbildlich pflichtbewussten Bürgerschaft erarbeitet. Neue Hygieneregeln wurden von den meisten Menschen ebenso akzeptiert wie die strengen Abstandsvorschriften und die Einführung der Maskenpflicht.

Mit der Ferienzeit geraten diese Sicherheitsregeln mehr und mehr in Vergessenheit. Nach den Bildern von überfüllten Stränden an Ost- und Nordsee und ausgelassen feiernden Menschen auf Mallorca war es nur eine Frage der Zeit, bis die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland wieder in kritische Regionen vordringt. Zuletzt hat die neue Sorglosigkeit für rund 800 Neuinfektionen am Tag gesorgt.

Die Zahl ist noch weit entfernt von den Höchstständen während des Lockdown, aber der Trend ist beunruhigend. Seit ein paar Wochen gehen die Werte kontinuierlich nach oben. Nach Ansicht des Robert Koch-Instituts ist diese Entwicklung „sehr beunruhigend“.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer spricht sogar davon, dass „die zweite Welle schon da ist“. Die Einschätzung wirkt übertrieben, aber es ist nicht ausgeschlossen, dass Deutschland nicht zur Normalität zurückkehrt, sondern leichtsinnig den nächsten Lockdown provoziert.

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    Umso erstaunlicher ist die zögerliche Haltung der Politik. Der Beschluss von Bund und Ländern, dass sich Rückkehrer aus Risikogebieten unentgeltlich testen lassen können, ist richtig, er reicht aber womöglich nicht. Man muss sicher nicht so weit gehen wie die britische Regierung, die ab sofort alle Spanien-Urlauber nach ihrer Rückkehr zwei Wochen in Zwangsquarantäne stellt.

    Einführung der Testpflicht

    Aber die Einführung einer Testpflicht für manche Urlaubsrückkehrer scheint ein sinnvolles und legitimes Instrument zu sein. Erstens wird die maximale Testkapazität von rund 1,2 Millionen Tests am Tag nicht einmal zur Hälfte genutzt.

    Es ist folglich rein technisch kein Problem, mehr Menschen zu testen. Zweitens lassen sich Infektionsketten durch eine höhere Zahl an Tests besser nachverfolgen. Aktuell gibt es in Deutschland viele kleinere Ausbrüche, bei denen die Infektionsketten wenig bis gar nicht klar sind.

    Die Einführung einer Testpflicht für Urlaubsrückkehrer ist ein schwerer Eingriff in die Freiheit des Einzelnen. Das Mittel wirkt aber verhältnismäßig, wenn dadurch eine zweite Welle mit Corona-Infektionen verhindert werden kann.

    Die Wirtschaft leidet schon jetzt schwer genug an den Folgen der Corona-Pandemie, einen erneuten Lockdown werden noch mehr Unternehmen nicht überleben. Die Politik sollte deshalb alles unternehmen, um einen weiteren Anstieg der Infektionszahlen zu verhindern. Jeder Tag der Untätigkeit verschärft die Krise.
    Mehr: Hohe Infektionszahlen überschatten die Hochsaison in dem Urlaubsland. Vor allem in Katalonien häufen sich die Fälle. Frankreich erwägt, seine Grenze zu Spanien zu schließen.

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    2 Kommentare zu "Kommentar: Die Sorglosigkeit der Deutschen könnte einen zweiten Lockdown provozieren"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Moin,
      Bayern 50.501 Infizierte - 2.619 Tote, die Ferienorte sind überfüllt und Herr Söder fordert Urlaub in Deutschland.
      Wer ist gemeint mit " die Sorglosigkeit der Deutschen... " ? Wir Bürger ?
      Vergleich: Griechenland hat etwas mehr als 4.000 Infizierte und knapp 160 Tote !
      Politik ist ein schmutziges Geschäft.
      Ich wünsche mir, dass die Medien wieder die ihr zugedachte Rolle in der Gesellschaft übernehmen ! Der Artikel zielt auf die Falschen !

    • Moin, nie geflogen? Was passiert, wenn 1000 Menschen (und mehr) gleichzeitig in Frankfurt ankommen? Rückflug von Spanien dauert dann 12 Stunden. Bin gespannt wie das gehen soll. Sagt sich leicht, fordert sich noch leichter, macht sich aber sicher sehr schwer. Und - volle Strände gibt es nicht nur in Malle (gab es für ein paar Stunden), es gibt sie auch entlang des Rheins und anderer Flüsse, an Seen und Baggerseen. Seit Wochen wird dort an Wochenenden ausgelassen gefeiert. Sollte nachdenklich machen.

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