Kommentar: Dommermuths 5G-Deal kennt nur einen Sieger

1&1 sichert seinen Kunden Zugriff auf das Netz des Telekommunikationsriesen.
Foto: dpaDie Vorstände und Geschäftsführer von Deutschlands Telekommunikationskonzernen sind sich selten einig. Doch gibt es einen Mann, der in ihren Kreisen zuverlässig für Eintracht wie Empörung sorgt: Ralph Dommermuth.
Sein Unternehmen 1&1 ist zwar weitaus kleiner als Vodafone, Telefónica Deutschland (O2) oder gar die Deutsche Telekom. Doch in Sachen Weitblick und Elan ist er den Konkurrenten mitunter überlegen – was zusätzlich deren Zorn treibt.
Denn der Selfmade-Milliardär hat einen Vorteil: In seinem Reich kann er frei entscheiden und, wenn es sein muss, immense Risiken eingehen. Für den starren deutschen Mobilfunkmarkt ist das ein Segen.
Am Mittwoch wurde es mal wieder emotional, nachdem 1&1 einen neuen National-Roaming-Vertrag mit Vodafone präsentiert hatte. Ab 2024 werden Dommermuths knapp zwölf Millionen Kunden nun von seinem bisherigen Partner O2 auf die Infrastruktur der Briten wechseln.
1&1-Chef Ralph Dommermuth befreit sich mit Deal aus einer Falle
Die Folge: Während Vodafone sein schwächelndes Netz aufrüsten muss, dürfte O2 mit besseren Angeboten gegenhalten, um den drohenden Umsatzeinbruch wenigstens zu bremsen. Für die Kunden sind das gute Nachrichten.
Gleichzeitig hat sich Dommermuth mit dem Deal aus einer Falle befreit und die Zukunft seines Geschäftsmodells gesichert.
1&1 baut derzeit ein eigenes 5G-Netz auf. Von den Großen, deren Infrastruktur es bislang bloß weiterverkauft, will sich das Unternehmen damit emanzipieren. Doch Dommermuth brauchte währenddessen Zugang zum Netz eines Konkurrenten. Sonst würden seine Kunden jahrelang durch ein großes Funkloch laufen.
Telefónica hatte Dommermuth dieses Roaming nur eingeräumt, da die Münchener dazu verpflichtet waren. Sein schnelles 5G-Netz wollte O2-Chef Markus Haas ihm jedoch nicht öffnen.
Dommermuth schien gefangen. Ohne flächendeckendes 5G drohte 1&1 Millionen Kunden zu verlieren – parallel zum kostspieligen Netzaufbau.
Nun haben sich die Vorzeichen gedreht. Haas bekam vorgeführt, wie abhängig er von Dommermuth ist. Telefónicas Aktienkurs brach infolge des Roaming-Deals so stark ein wie noch nie. Haas' Glückssträhne ist vorerst beendet.
Und Vodafone kann nur scheinbar jubeln. Die Briten, weichgekocht von einer schwelenden Krise, können mit dem 1&1-Vertrag zwar kurzfristig ihr Ergebnis verbessern. Auf lange Sicht bauen sie einen Konkurrenten auf, der sie bald schon nicht mehr brauchen wird.
Strategisch bitter ist auch der Joker, den sie Dommermuth in die Hand geben: Wird ihm der Netzaufbau zu schwierig oder teuer, kann 1&1 ihn nun abbrechen und trotzdem 5G verkaufen. Dommermuth hätte 18 Jahre Zeit, um einen neuen Plan zu schmieden. Er dürfte schon Ideen haben.