Kommentar: Donald Trumps neue Weltordnung nimmt Gestalt an

Die EU hat am Montag klare Worte gefunden – aber noch keine glaubwürdige Antwort auf Trumps Handelskrieg. Sie droht nun mit Gegenzöllen auf US-Waren im Wert von 93 Milliarden Euro, sollte Donald Trump wie angekündigt am 1. August neue Handelsbarrieren verhängen. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber es ist noch nicht die volle Kraft, zu der Europa fähig wäre – oder fähig sein müsste.
Denn die USA drohen mit Zöllen gegen alle EU-Exporte: Das sind mehr als 530 Milliarden Euro. Schmerzhaftere EU-Gegenmaßnahmen, etwa asymmetrische Sanktionen gegen US-Digitalkonzerne, blieben erneut aus. Dabei wären es genau solche Hebel, die ökonomisch Wirkung zeigen und politisch ernst genommen würden. Doch Europa zögert – nicht aus ökonomischer Vernunft, sondern aus geopolitischer Abhängigkeit.
Die USA sind nicht nur der größte außenpolitische Partner der EU, sondern auch ihre sicherheitspolitische Lebensversicherung. Und genau das macht Trump sich zunutze.
Trump schwächt nicht nur die europäische exportbasierte Wirtschaft gezielt. Er bedroht den Zusammenhalt der westlichen Demokratien. Und er nutzt gezielt die sicherheitspolitische Schwäche Europas. Das Zollschreiben, das er am Wochenende verschickte, ging nicht nur an Brüssel. Auch Kanada, Japan, Mexiko, Südkorea und andere US-Partner erhielten nahezu identische Drohungen. Ein koordinierter Angriff auf gleich mehrere Demokratien.