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KommentarEine Abkopplung von den USA ist für die Chinesen keine Option

Die Volksrepublik macht Schluss mit moderaten Tönen in Richtung Trump. Doch verscherzen will man es sich auch nicht mit dem aggressiven US-Präsidenten. Kann das gut gehen?Martin Benninghoff 08.04.2025 - 15:19 Uhr
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Donald Trump und Xi Jinping 2019 in Japan: In Trumps zweiter Amtszeit könnten die Wege der Kontrahenten noch schneller auseinandergehen. Foto: REUTERS

Chinas Führung gibt sich kämpferisch. „Der Himmel wird nicht einstürzen“, schrieb die Parteizeitung „People’s Daily“ zu Trumps neuen Zöllen, die China besonders hart treffen. Mit anderen Worten: China hält den Zollkrieg mit den USA durch, koste es, was es wolle. Alles wird gut, lautet die Devise.

Doch die Beruhigungspille wirkt nicht. Chinas Führung mag zwar den Eindruck erwecken, alles im Griff zu haben – indem sie sich wirtschaftlich auf die eigenen Stärken besinnt, neue Partner umwirbt und den Yuan schwach hält, um die Exporte anzukurbeln. Doch der eskalierende Zollkrieg trifft die zweitgrößte Volkswirtschaft in einem fragilen Moment, in dem das Wirtschaftswachstum leicht anzieht und das lang ersehnte Vertrauen in die wirtschaftliche Zukunft zurückkehrt.

China versucht, diesen Rückschlag mit Kampfansagen und Durchhalteparolen zu überwinden. Es ist eine Verteidigungsstrategie, die auf Angriff setzt, weil man dies für die Sprache Donald Trumps hält und den US-Präsidenten so doch noch zu Verhandlungen im Zollstreit bewegen will. Die Volksrepublik wähnt sich dafür gewappnet, doch die Realität sieht aus mehreren Gründen weniger rosig aus.

Die Chinesen sollen chinesische Produkte kaufen

Zum Beispiel die eigene Widerstandsfähigkeit. China will seine Wirtschaft widerstandsfähiger gegen den externen Schock der Trump-Zölle machen, indem es den Binnenkonsum stärkt. Nicht nur Amerikaner und Europäer sollen chinesische Smartphones und Laptops kaufen, sondern vor allem die Chinesen selbst. Tatsächlich tut Trump derzeit viel, um den chinesischen Antiamerikanismus zu reaktivieren und möglicherweise den patriotischen Konsum der Chinesen anzukurbeln.

Das Problem: Solange die Chinesen nicht spürbar mehr Geld in der Tasche haben, geht der Plan nicht wirklich auf. Mit weiteren Konjunkturstimuli ist man in Peking noch zurückhaltend.

Handelskonflikt

„Peking stellt sich auf Wirtschaftskrieg der Zermürbung ein“: Zollstreit zwischen China und den USA eskaliert

Selbst wenn eine Art Abkopplung von den USA in der Luft läge, wäre dies angesichts des enormen Handelsbilanzüberschusses Chinas gegenüber den USA ein unwahrscheinliches Szenario. Auch die Umlenkung von Exporten nach Europa ist ein schwieriges Unterfangen, zumal die Europäer – und nicht nur sie – ihre Märkte vor den möglicherweise billigeren chinesischen Produkten schützen würden.

Vor diesem Hintergrund ist es nur allzu verständlich, dass China in den vergangenen Wochen viel unternommen hat, um mit den Amerikanern ins Gespräch zu kommen. Zuletzt trafen sich am Sonntag Vertreter des Handelsministeriums mit US-Unternehmen, um sie zum Widerstand gegen Trumps Pläne zu bewegen. Doch das hält den erratischen US-Präsidenten nicht von einer weiteren Eskalation ab.

In Peking ist man frustriert, dass – anders als in Trumps erster Amtszeit – die Kommunikationskanäle zur US-Regierung verstopft sind. Die Hoffnung, mit Elon Musk einen heißen Draht nach Washington zu haben, hat sich nicht erfüllt.

China umwirbt neue Partner

Was bleibt, ist die Chance, US-Verbündete wie die Europäische Union, Südkorea oder Japan enger an China zu binden. China ist in einer ungewohnten Position – und erscheint plötzlich als der stabilere und verlässlichere Partner als die USA. Das mag in wirtschaftlichen Fragen zutreffen, nicht aber in sicherheits- und geopolitischen.

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Die Meinungsverschiedenheiten zwischen der EU und China im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine oder zwischen Japan und China im Pazifik sind nicht zu übersehen. Gleichwohl liegt darin ein Momentum für China, neue Beziehungen einzugehen, die noch vor Kurzem undenkbar schienen. Zusammengenommen erklären diese Aspekte, warum China nicht so resilient ist, wie es scheint.

Und so wird verständlich, warum die Volksrepublik als Replik auf Trumps aggressive Rhetorik lautstark zurückschlägt – und doch auf einen Deal mit Trump hofft. Eine Liste mit möglichen weiteren Vergeltungsmaßnahmen gegen die USA, die am Dienstag auf regierungsnahen Portalen die Runde machte, fällt dann auch, wenn sie denn stimmt, eher milde aus – mit Importverboten für Geflügel und einem Bann für Hollywood-Filme.

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