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Kommentar Eine bessere Pflege kostet mehr als nur die Erhöhung des Mindestlohns

Mit der Erhöhung des Pflegemindestlohns alleine ist es nicht getan. In einer der reichsten Volkswirtschaften der Welt darf menschliche Pflege nicht am Geld scheitern.
29.01.2020 - 16:18 Uhr Kommentieren
Eine schöne neue Pflegewelt, in der zu Pflegende und Pfleger sich gleichermaßen wohlfühlen, kostet. Quelle: dpa
Pflege

Eine schöne neue Pflegewelt, in der zu Pflegende und Pfleger sich gleichermaßen wohlfühlen, kostet.

(Foto: dpa)

Stundenlöhne um die 13 Euro sind für Müllwerker keine Seltenheit. Tonnen aus Kellern wuchten, leeren, ab zum nächsten Haus – harte Arbeit, die wehtut und stinkt. Auch die Pflege ist ein Knochenjob. Menschen waschen, umbetten, füttern – sieben Tage die Woche, Tag und Nacht. Und anders als Mülltonnen dürfen Pflegebedürftige zu Recht noch Empathie von den Beschäftigten verlangen, die sich um sie kümmern.

Deshalb ist es überfällig und richtig, dass der Pflegemindestlohn jetzt in Schritten deutlich angehoben und nach Qualifikation gestaffelt werden soll. Nur eine alternde Gesellschaft, die den Pflegenotstand riskieren will, kann es sich leisten, die Arbeit mit Menschen auf Dauer deutlich schlechter zu bezahlen als die Arbeit mit Mülltonnen und Maschinen.

Doch mit Geld allein ist es nicht getan. Solange Pflege nach Stoppuhr, Unterbesetzung, ständige Wechselschichten oder kurzfristig gestrichene freie Wochenenden zum Alltag des Pflegepersonals gehören, wird es kaum gelingen, ausreichend Berufsnachwuchs für die Branche zu finden. Viele Pflegerinnen und Pfleger geben nicht nur deshalb auf, weil sie ausgebrannt sind. Sondern auch, weil sie sich nicht so intensiv um die Pflegebedürftigen kümmern können, wie ihr eigenes Berufsethos es verlangt.

Eine schöne neue Pflegewelt, in der zu Pflegende und Pfleger sich gleichermaßen wohlfühlen, kostet aber – und zwar deutlich mehr als jetzt nur die Erhöhung des Mindestlohns. Gewinnmargen, auf die private Heimanbieter angewiesen sind, lassen sich heute oft nur noch auf Kosten des Personals erzielen. Es bringt aber auch nichts, die Privaten zu verteufeln. Denn wer, wenn nicht sie, sollen in überschuldeten Kommunen die gewaltigen Investitionen in neue Heime stemmen, die angesichts des demografischen Wandels schon bald gebraucht werden.

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    Auch wenn die Mindestlohnkommission jetzt höhere Lohnuntergrenzen empfohlen hat, streiten Politik und Sozialpartner weiter über die Frage, ob die Pflege für bessere Arbeitsbedingungen nicht auch einen flächendeckenden Tarifvertrag braucht. Vergessen wird dabei oft, den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen auch das Preisschild zu zeigen.

    Schon heute schießen die Zuzahlungen durch die Decke, weil die Pflegeversicherung nur eine Teilkaskoversicherung ist – die Debatte über eine Deckelung ist längst eröffnet. So wie sich die Rentenkommission Gedanken über die Zukunftsfestigkeit der Alterssicherung macht, muss auch für die Pflege ein Finanzierungskonzept her, das über die Legislaturperiode hinausweist. Denn es wäre ein Armutszeugnis, sollte menschliche Pflege in einer der reichsten Volkswirtschaften der Welt am Geld scheitern.

    Mehr: Fachkräfte wollen nach Deutschland – scheitern aber häufig an bürokratischen Hürden.

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