Kommentar: Erfolgreiche Reparatur in der Brexit-Werkstatt

Großbritannien kehrt in das EU-Forschungsprogramm als assoziiertes Mitglied zurück.
Foto: © No10 Crown Copyright / eyevine / laifAuf den ersten Blick ist die Einigung zwischen London und Brüssel über die assoziierte Mitgliedschaft Großbritanniens im EU-Forschungsprogramm Horizon ein Grund zum Feiern. Jahrelang wurde der Streit über den Handel mit Nordirland auf dem Rücken der Wissenschaft ausgetragen. In einer Zeit, da Wissen zum entscheidenden Vorteil im geoökonomischen Wettbewerb geworden ist, erscheint das absurd.
Die jetzige Einigung ist deshalb ein „Win-Win“ für beide Seiten. Der wissenschaftliche Fortschritt hält sich nicht an geografische Grenzen und an den Brexit schon gar nicht. Wenn Europa künftig eine führende Rolle im Wettbewerb mit Amerika und Asien bei der Entwicklung neuer Medikamente, Technologien und Energien spielen will, müssen die EU-Länder und Großbritannien zusammenarbeiten.
Dass es nach der Einigung über Nordirland noch einmal sieben Monate gedauert hat, bis man sich auch bei Horizon einig war, lag – wie könnte es anders sein – am Geld. Die Briten haben bis zuletzt um eine Rückerstattung ihrer Mitgliedsbeiträge gefeilscht, sollten sie deutlich weniger aus dem Programm herausbekommen als sie einzahlen. Zum Glück muss darüber nicht jedes Jahr neu gerungen werden. Die legendäre Handtasche, mit der Margaret Thatcher den britischen Beitragsrabatt in Brüssel durchzusetzen pflegte, wird durch einen Automatismus ersetzt.
Politisch ist der Horizon-Deal ein weiterer Beleg für die vorsichtige Wiederannäherung zwischen London und Brüssel. Der neue Nordirland-Vertrag, die vorläufige Beibehaltung vieler Gesetze aus Zeiten der EU-Mitgliedschaft und die dauerhafte Übernahme des europäischen CE-Siegels für Produktsicherheit – all das zeugt davon, dass man in London weniger ideologisch und mehr pragmatisch mit dem Brexit umgeht. Dieser neue Pragmatismus kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Großbritannien sieben Jahre nach dem folgenschweren Referendum schlechter dasteht als zu EU-Zeiten.