Kommentar: Es ist richtig, dass der Einzelhandel nicht wie die Gastronomie entschädigt wird
Die Händler, vor allem die großen Ketten, haben viel bessere Chancen als die Gastronomie, verlorene Umsätze wieder reinzuholen.
Foto: dpaDer harte Lockdown kommt – und mit ihm die Schließung der meisten Läden. Es ist der traurige Höhepunkt eines für viele Händler desaströsen Weihnachtsgeschäfts. Denn schon im Lockdown light waren die Einnahmen deutlich geringer, da weniger Menschen in die Innenstädte kamen. Aus Angst vor Infektionen, aber und auch weil die Weihnachtsmärkte fehlen und Restaurants, Cafés, Kneipen und Co. geschlossen haben.
Bis zuletzt hatte der Handelsverband mit Verweis auf „Gleichbehandlung“ für geschlossene Läden die Entschädigung gefordert, die bereits für die Gastronomie vereinbart wurde: 75 Prozent des Vorjahresumsatzes. Die wird es nicht geben, und das ist gut so.
Nicht nur, weil der Einzelhandel bereits milliardenschwere Unterstützung vom Bund bekommen hat und sie auch weiter bekommen wird über die Überbrückungshilfe III und zusätzliche Entlastungen. Sondern auch, weil mit einer solchen Erstattungsregelung die Staatshilfe für eine einzelne Branche eine Dimension angenommen hätte, die sich nicht rechtfertigen lässt.
Das Weihnachtsgeschäft, also die Monate November und Dezember, machte 2019 mit mehr als 100 Milliarden Euro knapp 19 Prozent des Jahresumsatzes im Einzelhandel aus.
Zudem wäre die gleiche Entschädigung wie für die Gastronomie – bei allem Verständnis für die Notlage gerade kleinerer Händler – ungerecht. Schließlich haben vor allem die großen Ketten viel bessere Chancen, die verlorenen Umsätze in Teilen wieder reinzuholen.
Internetverkäufe steigen seit Jahren
Sogar Wirtschaftsminister Peter Altmaier, der den Erhalt des stationären Handels als eine „patriotische Aufgabe“ sieht, plädierte unlängst für mehr verkaufsoffene Sonntage im nächsten Jahr, um Einnahmenausfälle wettzumachen. Das geht in der Gastronomie nicht. Die Menschen gehen nach dem Lockdown ja nicht öfter ins Restaurant, nur weil sie das in der letzten Zeit nicht konnten.
Und dann gibt es noch den Onlinehandel. Die Internetverkäufe steigen nicht erst seit Ausbruch des Coronavirus, sondern seit Jahren. Wer da als stationärer Händler bis heute kein E-Commerce-Konzept entwickelt hat, der ist ein Stück weit selbst schuld. Allerdings muss man auch hier unterscheiden zwischen den Ketten und dem Buchladen ums Eck, der von der Beratung und dem Stöbern vor Ort lebt.
Natürlich ist Amazon von Empfehlung über Bestellung bis Logistik eine auf Perfektion getrimmte Maschine. Aber auch hier läuft vor Weihnachten nicht alles glatt, es kommt zu Lieferproblemen. Und es gibt immer mehr Menschen, die bewusst nicht bei Amazon kaufen und gern woanders bestellen würden – wenn es ordentlich funktionieren würde.