Kommentar: Europa ist Trumps handelspolitischer Willkür hoffnungslos ausgeliefert

Donald Trump gibt, Donald Trump nimmt – dieses Mal zeigt sich der US-Präsident gnädig und verschiebt die Frist seines Moratoriums für die „reziproken“ Strafzölle auf Anfang August. Was auf den ersten Blick wie eine Erleichterung erscheint, erweist sich auf den zweiten Blick nicht zwingend als gute Nachricht.
Denn der Aufschub bedeutet drei weitere Wochen der Unsicherheit, die Unternehmen lähmen, Investitionen hemmen und Finanzmarktakteure verunsichern.
Und was die anstehenden Verhandlungen angeht, wird es für die Europäer nicht einfacher. Im Gegenteil: Die Europäische Union befindet sich auf ziemlich verlorenem Posten. Einerseits kann Trump seit dem Big-Bill-Coup – jenem Mega-Haushaltsgesetz, das einer präsidialen Selbstermächtigung der Exekutive gleicht – vor Kraft kaum laufen. Andererseits sind die Europäer zerstritten wie eh und je, was die Verhandlungsstrategie und sogar das Verhandlungsziel betrifft.
Deutschland strebt einen schnellen Deal an, der vor allem die Schlüsselbranchen Automobil und Pharma schont. Frankreich warnt vor einem „schmutzigen Deal“, der europäische Interessen verraten würde, und will vor allem die heimische Landwirtschaft schützen.