Kommentar: Für Lufthansa ist jetzt die richtige Zeit für Teilverkäufe
Lufthansa prüft derzeit Optionen für die Wartungstochter wie zum Beispiel den Verkauf eines Minderheitsanteils oder einen Teilbörsengang.
Foto: Bloomberg/Getty Images„Keine Notverkäufe, wir warten, bis die Rahmenbedingungen passen“ – das ist seit Monaten die Standardantwort des Lufthansa-Managements, wenn das Thema Teilverkäufe zur Sprache kommt. Potenzielle Kandidaten gibt es schon: das weltweite Geschäft der Catering-Tochter LSG Skychefs, der Geschäftsreisedienstleister Airplus und vielleicht auch Lufthansa Technik, zumindest Teile davon. Doch der Prozess zieht sich – länger als dem einen oder anderen Aktionär recht ist.
Nun ist es absolut richtig, dass die Lufthansa-Spitze sogenannte Fire-Sales tunlichst vermeidet. Das drückt nicht nur den Preis. Es wäre auch ein verheerendes Zeichen an die Finanzmärkte. Welcher Anleihegläubiger gibt einem Unternehmen frisches Geld, wenn dieses seine Schätze hektisch verscherbeln muss?
Gut ein Jahr nach dem Ausbruch der Pandemie kann allerdings nicht mehr von hektischen Verkäufen die Rede sein. Auch stellt sich die Frage, ob die Rahmenbedingungen tatsächlich immer noch untauglich für Teilverkäufe sind.
Erstens verbessert sich die Lage für die Luftfahrtbranche: Die Impfkampagnen kommen voran. Es wird wieder mehr geflogen werden. Entsprechend zuversichtlich ist auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr.
Zweitens ist die Stimmung an den Finanzmärkten derzeit alles andere als mies. In den zurückliegenden zwölf Monaten hat der Deutsche Aktienindex Dax um 42 Prozent zugelegt. Auch der Kurs der Lufthansa-Aktie stieg binnen Jahresfrist um rund 40 Prozent.
Lufthansa-Management muss beim Thema Verkäufe liefern
Es ist jede Menge Liquidität vorhanden und Investoren suchen händeringend nach attraktiven Anlagemöglichkeiten. Das sollten gerade die Lufthansa-Verantwortlichen wissen. Sonst hätten sie nicht zuletzt mehrere Anleihen begeben können, die überzeichnet waren.
Das zeigt, dass Teilverkäufe möglich sind. Erst recht, wenn das, was verkauft werden soll, attraktiv ist.
Das mag vielleicht nicht für alles gelten, was die Lufthansa ins Schaufenster gestellt hat. Das künftige globale Potenzial des Cateringgeschäfts von LSG etwa mag aktuell noch etwas schwer darstellbar sein.
Doch ein Dienstleister wie Airplus sollte ein attraktives Ziel für potenzielle Investoren sein, ebenso Lufthansa Technik. Der Rivale MTU Aero Engines konnte seinen Aktienkurs in den zurückliegenden zwölf Monaten um 85 Prozent steigern.
Das Lufthansa-Management muss beim Thema Verkäufe liefern. Zumindest sollte der offizielle Verkaufsprozess gestartet werden. Wer den Aktionären eine Fokussierung auf das Kerngeschäft verspricht, muss das auch realisieren. Erst recht, wenn die Anteilseigner gleichzeitig einer gewaltigen Kapitalmaßnahme zustimmen sollen.