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Kommentar Gegen Kleinstaaterei ist sogar ein deutscher Quantencomputer machtlos

Europa muss seine Kräfte bei der Förderung von Zukunftstechnologien bündeln. Wer jetzt Investitionen versäumt, verspielt seine Souveränität.
24.08.2020 - 19:54 Uhr 1 Kommentar
Quelle: Burkhard Mohr
Karikatur
(Foto: Burkhard Mohr)

Zukunftsdebatten werden in Deutschland unter dem Schlagwort der Digitalisierung geführt, obwohl sich längst abzeichnet, dass die Zukunft in der Überwindung des Digitalen liegt. Quantencomputer werden von einer technologischen Träumerei zur Realität. 

Sie lassen die Limitation des digitalen Rechnens mit Nullen und Einsen hinter sich, indem sie die bizarren Gesetze der Quantenphysik nutzen. Aufgaben, mit denen selbst heutige Supercomputer Jahrtausende beschäftigt wären, erledigt ein Quantencomputer in wenigen Sekunden. 

Die Technologie weckt enorme Erwartungen – und birgt nicht minder große Risiken. Die präzise Simulation von Molekülen könnte die Erforschung neuer Impfstoffe beschleunigen und leistungsfähigere Batterien auf den Markt bringen. Da Quantencomputer eine Vielzahl von Berechnungen gleichzeitig anstellen, könnten sie die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz vorantreiben und dem autonomen Fahren zum Durchbruch verhelfen. 

Deutschland dürfe sich bei diesem Innovationssprung nicht von importiertem Know-how abhängig machen, mahnt das Bundeswirtschaftsministerium jetzt und will innerhalb der nächsten fünf Jahre die Technologie für einen deutschen Quantencomputer entwickeln lassen. Industriepolitischer Größenwahn des für seine interventionistischen Neigungen berüchtigten Ressortchefs Peter Altmaier? Nein, in diesem Fall kommt die Warnung völlig zu Recht. 

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    Quantencomputer stellen nicht nur einen Zukunftsmarkt, sondern auch ein Sicherheitsrisiko dar: Ihre überlegene Rechenkraft dürfte auf einen Schlag alle bisherigen Verschlüsselungstechniken hinfällig machen. „Hacker könnten bald in der Lage sein, die gesamte digitale Kommunikation mithilfe fortschrittlicher Quantencomputer aufzudecken“, schreibt die eng mit der US-Regierung verbundene Rand Corporation. 

    Grafik

    Kein digital gehütetes Geheimnis wäre mehr sicher; Konten, Kraftwerke, Krankenhäuser, selbst Militäreinrichtungen wären plötzlich ungeschützt. Es wäre darum ein verhängnisvoller Fehler, Quantentechnologie allein dem Markt zu überlassen.

    Kernaufgabe eines Staats ist es, die Sicherheit seiner Bürger vor inneren und äußeren Gefahren zu garantieren: Diese bald 400 Jahre alte Einsicht von Thomas Hobbes gilt noch heute, nur dass die Bedrohungslage um einiges komplexer ist als in Zeiten, in denen es Räuberbanden oder Reiterstaffeln in die Flucht zu schlagen galt. Der Staat braucht neue Instrumente, die Förderung von Zukunftstechnologien gehört dazu.

    Denn Technologie ist zum Spielfeld der Geopolitik geworden, weil sie die Macht verleiht, Regeln zu setzen und Gefolgschaft zu erzwingen. Wenn die Bundesrepublik sich bei der Entwicklung von Zukunftstechnologien abhängen lässt, wird sie weder ihren Wohlstand noch ihre Werte behaupten können. Staaten, die jetzt Investitionen versäumen, werden später nur noch vor der Wahl stehen, ob sie sich der technologischen Lehnsherrschaft Amerikas oder Chinas unterwerfen wollen.

    Daher ist es richtig, dass die Bundesregierung zwei Milliarden Euro für Quantentechnologien in die Hand nimmt. Allerdings stammt das Geld aus dem Konjunkturprogramm und sendet so ein falsches Signal. Es geht nicht um einen kurzfristigen Wachstumsimpuls, es geht um Souveränität. Die Forschungsförderung für strategisch bedeutsame Zukunftstechnologien muss dauerhaft erhöht werden, nicht nur, weil der Bundesfinanzminister gerade die Gelegenheit wittert, sich als Keynesianer zu profilieren.

    Ministerium bläst zur Quantenoffensive

    Noch wichtiger aber ist, dass es nicht bei einer nationalen Kraftanstrengung bleibt. „Es wäre naiv zu glauben, aus nationalen Regeln und Grundsätzen für soziale Netzwerke, für Massendatenauswertung, für autonome Systeme bis hin zu Kriegswaffen oder für die technischen Grundlagen des Internets würde schon irgendwie ein sinnvolles Ganzes entstehen“, hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vergangene Woche in einer klugen Rede gesagt, in der er sich für einen internationalen Ordnungsrahmen für Hochtechnologien aussprach.

    Auch die deutsche Quantenstrategie muss international gedacht werden, zumindest europäisch. Denn nur wenn Europa seine Kräfte bündelt, kann es sich in Amerika und China Gehör verschaffen. Bisher hat die EU den großen Tech-Mächten bloß das Gewicht des europäischen Binnenmarkts entgegenzusetzen. Doch Zukunftstechnologien nur regulieren zu können ist dauerhaft zu wenig. Die EU braucht auch im Sicherheitsbereich exekutive Kompetenzen, um Gestaltungsmacht zu sein.

    Das Wirtschaftsministerium, das jetzt zur Quantenoffensive bläst, verhält sich bei technologiepolitischen Weichenstellungen in Brüssel leider nicht sehr konstruktiv. Eine europäische Einigung über die Sicherheitskriterien für das 5G-Netz etwa gibt es auch deshalb nicht, weil sich Altmaier weigert, dem Beispiel der Franzosen und Polen zu folgen und chinesische Anbieter auszuschließen.

    Das zeigt, wie schwer sich Regierungen tun, sicherheitsrelevante Entscheidungen auf EU-Ebene abzustimmen. Gegen solche Kleinstaaterei wäre selbst ein deutscher Quantencomputer machtlos.

    MehrDie Gesetze der Quantenmechanik: Eine bizarre Materie.

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Gegen Kleinstaaterei ist sogar ein deutscher Quantencomputer machtlos"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ich bin mir nicht sicher, ob im Quantencomputer die Zukunft liegt: das Ganze erinnert mich zu sehr an den Großrechner-Rummel in den 60-70er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Der kostete Deutschland immerhin seine vorher beachtliche Stellung auf dem Markt der Tisch- und tragbaren Computer.
      Und wieso ist der Quantencomputer NICHT digital? Er ist bloß nicht binär, und das ist ein Riesen-Unterschied (und auch ein Grund für seine überlegene Schnelligkeit). Ganz im Gegenteil: er bringt eine (weitere) Chance für die auf Mustererkennung aufbauende Sprachorientierung bei neuen KI-Technologien wie dem "Digitalen Denken" und der "Linguistischen KI".
      Allerdings: das sind vor allem Technologien für Tisch- und Westentaschen-Rechner. Und wie die Quantencomputer vor allem mit ihrem Bedarf an tiefer Kühlung in meine Westentasche wandern sollen - warten wir es ab. Ich habe nichts dagegen, aber ich befürchte. da verläuft sich Deutschland wieder, wie vor über 50 Jahren ...

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