Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Liebe CEOs, Auftritt bitte!

Vor allem die Vorstandschefs großer Konzerne sollten sich in Corona-Zeiten mehr zeigen und die Wirtschaft erklären. VW-Chef Diess geht mit gutem Beispiel voran.
28.04.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Der Automanager war in der Krise bereits in mehreren Talkshows Gast. Quelle: action press
VW-Chef Herbert Diess

Der Automanager war in der Krise bereits in mehreren Talkshows Gast.

(Foto: action press)

Mal ehrlich: Wer kannte vor ein paar Wochen Christian Drosten, Alexander Kekulé oder Hendrik Streeck? Sicher, alle drei sind namhafte Virologen, traten auch schon einmal in der Öffentlichkeit auf.

Ihre Namen waren aber bis Anfang des Jahres eher einem kleineren Expertenkreis ein Begriff. Dann brach das Coronavirus aus – und Deutschland fuhr das öffentliche Leben und damit die Wirtschaft weitgehend auf null.

Im „Shutdown“ werden die Professoren mit jedem Tag populärer, und sie tun auch selber einiges dafür. Sie nehmen an TV-Talkshows teil, geben Interviews, produzieren Podcasts – kurz: Sie sind omnipräsent.

Lothar Wieler hat einen Bekanntheitsgrad erlangt, der dem eines Superstars gleichkommt. Der Präsident des Robert Koch-Instituts sitzt regelmäßig vor den Kameras, um Deutschland über den aktuellen Stand der Pandemie zu informieren.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Das Wort der Wissenschaftler hat Gewicht, auch als Berater der Politik bei der (Nicht-)Lockerung der zum Teil auch Grundrechte einschränkenden Corona-Maßnahmen. Das kann man durchaus kritisch sehen. Es gibt sogar schon vereinzelt den Vorwurf, die Deutschen lebten gerade in einer Expertokratie, also in einer „Herrschaft der Sachverständigen“.

    Andererseits: Es gibt auch wenige andere Persönlichkeiten, zum Beispiel aus der Wirtschaft, die ihnen die Sendezeit auf welchem Kanal auch immer streitig machten. Vor allem die CEOs der 30 Dax- Konzerne, deren Namen und Gesichter vielen Deutschen schon in der Vor-Corona-Zeit geläufig waren, machten sich in den letzten Wochen rar.

    Das ist in gewisser Weise verständlich, weil sie in diesen Tagen wie viele andere in erster Linie als (interne) Krisenmanager gefragt sind. Es ist aber auch gefährlich. Fast allen Unternehmen, groß oder klein, an der Börse gelistet oder im Privateigentum, sind die Geschäfte weggebrochen.

    Jedes Wort abwägen

    Doch solange nur verallgemeinernd von „der Wirtschaft“ als anonymem Konstrukt gesprochen wird, bleiben die gewaltigen Dimensionen des Shutdowns und die Appelle zum Wiederanlauf ohne Charakter und Stimme – und damit weniger wirksam. Dazu kommt: Über öffentliche Auftritte erreichen die Vorstandschefs auch die eigenen Mitarbeiter. Die Hälfte der Belegschaft sitzt bestimmt vor dem Fernseher und will sehen, wie „ihr“ Chef wirkt und welche Botschaften er hat.

    Keine Frage, gerade die Vorstandschefs von Aktiengesellschaften müssen in diesen Zeiten mehr denn je jedes Wort in der Öffentlichkeit abwägen. Schließlich hören ihre Investoren – und gern auch Banken – noch genauer hin, was sie sagen. Ganz abgesehen von Kunden, Lieferanten und den anderen Stakeholdern.

    Die Vorstandschefs der führenden börsennotierten Konzerne haben jedoch einen großen Vorteil: Die meisten von ihnen finden in Politik und Gesellschaft Gehör, und diesen Vorteil sollten sie auch jetzt in der Krise nutzen.

    Neben dem, was gesagt wird, sind aber auch Zeitpunkt und Tonalität wichtig. Vor allem jetzt, wo die Wirtschaft wieder hochfährt – Bänder anlaufen, Geschäfte öffnen, Mitarbeiter aus dem Homeoffice zurückkehren –, ist es wichtiger denn je, dass Deutschlands Topmanager Vertrauen und Zuversicht durch Offenheit und Öffentlichkeit schaffen. Selbst wenn sie noch nicht genau einschätzen können, wie ihr Konzern die Coronakrise bewältigen wird.

    Insofern ist Volkswagen-Chef Herbert Diess ein gutes Beispiel. Zwar mag sich mancher fragen, ob der Lenker des weltgrößten Autobauers nichts Besseres zu tun hat, als bei „Markus Lanz“ oder „Maybrit Illner“ zu sitzen. Schließlich gibt es im großen Reich des VW-Konzerns trotz Produktionspause genug zu tun. Auch geht es bei solchen Diskussionsrunden meist um Politik und nur am Rande um Wirtschaft.

    Öffentliche Auftritte sind eine Gratwanderung

    Aber Diess nutzt die Auftritte für sich und den Konzern. Bei Lanz machte er Ende März die Kosten des staatlich verordneten Stillstands in einem großen Unternehmen deutlich. Und zwar mithilfe einer imposanten Zahl. Bis zu zwei Milliarden Euro koste VW der Shutdown pro Woche, sagte Diess.

    Zugleich zeigte sich der VW-Chef optimistisch, die Krise dank hoher Liquidität zu überstehen. Bei Illner vergangene Woche ließ er wissen, man könne „die Wirtschaft guten Gewissens wieder in Gang bringen“. Wohl wissend, dass die VW-Produktion in Deutschland in diesen Tagen wieder startet.

    Ohne Zweifel sind öffentliche Auftritte für CEOs in dieser Krise, in der gefühlt jede Minute etwas Unvorhergesehenes passieren kann, eine Gratwanderung. Transparenz und Klarheit sind wichtig, sie schaffen Verständnis dafür, wie abstrakte Wirtschaft in der Realität funktioniert.

    Und was geschehen muss, damit Arbeitsplätze gehalten werden können. Schließlich sind Millionen derzeit in Kurzarbeit. Viele Arbeitnehmer fürchten langfristig um ihren Job.

    Da sind die Einschätzungen von führenden Managern gefragt. Die nötige Parkettsicherheit sollten sie haben. Dax-CEOs sind die große Bühne gewohnt und lassen sich oft kommunikativ für viel Geld beraten. Also, liebe CEOs: Auftritt bitte!

    Mehr: Produktionsstart nach der Zwangspause: So will VW die Coronakrise bewältigen.

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Liebe CEOs, Auftritt bitte!
    0 Kommentare zu "Kommentar: Liebe CEOs, Auftritt bitte!"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%