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Virologe Plötzlich ist Christian Drosten der Corona-Aufklärer der Nation

Der Chef-Virologe der Berliner Charité ist seit Wochen omnipräsent. Als Berater für die Bundesregierung – und die ganze Republik.
18.03.2020 - 10:21 Uhr Kommentieren
Der Direktor des Instituts für Virologie an der Charité Berlin ist zur Zeit sehr gefragt. Quelle: dpa
Christian Drosten

Der Direktor des Instituts für Virologie an der Charité Berlin ist zur Zeit sehr gefragt.

(Foto: dpa)

Berlin Vergangene Woche radelte Christian Drosten in Berlin von Behörde zu Behörde, um Minister und Senatoren zu beraten. Für die Schulkinder – wohl nicht nur in der Hauptstadt – konnte er eine Kehrtwende bewirken: Ursprünglich wollte man die, deren Eltern in Krisenberufen arbeiten oder keine Betreuung organisieren können, an wenigen Punkten sammeln.

Der Virologe warnte vehement: Zentrale Notbetreuung in einigen wenigen Schulen sei „kontraproduktiv“, denn die Infektion werde nur „befeuert“, wenn die Kinder in neuen Gruppen zusammengefasst würden.

Prompt hob der Berliner Senat den schon beschlossenen Zwang zur zentralen Unterbringung wieder auf. Die Betreuung soll nun „grundsätzlich in der vertrauten Kita stattfinden“, sagte Jugendsenatorin Sandra Scheeres.

Drosten, 47, leitet seit 2017 die Virologie der Berliner Charité – vorher die der Bonner Uniklinik. Der Bauernsohn aus dem Emsland gehörte schon 2003 zu den Mitentdeckern des Sars-assoziierten Coronavirus Sars-CoV. Für das erstmals im Dezember 2019 aufgetretene Coronavirus Sars-CoV-2 entwickelte sein Team einen Test, den es Mitte Januar 2020 weltweit zur Verfügung stellte.

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    Drosten ist omnipräsent, sitzt mit Jens Spahn auf Podien, versucht, die Debatte in der Talkshow „Maybrit Illner“ zu versachlichen. Doch zum Liebling besorgter Bürger wurde der Virologe endgültig mit dem Podcast „Coronavirus-Update“ auf NDR Info.

    „Schwer, das Richtige herauszufiltern"

    Seit dem 26. Februar beantwortet er darin von montags bis freitags ab 12.50 Uhr eine halbe Stunde lang Fragen zur Wissenschaft rund um Corona: Welche Spuren verfolgen Virologen, welche Studien bedeuten was, welche Sorgen sind begründet?

    „Es ist sehr schwer, im Moment aus all dem, was jetzt auch in der wissenschaftlichen Literatur auftaucht, noch das Wichtige herauszufiltern“, sagte er. Und dann versucht er doch, in diesem öffentlichen Stimmengewirr Botschaften zu übermitteln, die den Menschen im Ausnahmezustand helfen.

    Daran hingegen, dass ihn der politische Journalismus gerade nervt, lässt er keinen Zweifel: Die dauernden Fragen etwa, ob denn nun der CDU-Parteitag stattfinde, seien doch „nur Zeitverschwendung“, ärgerte er sich letzte Woche.

    Mythen zertrümmert

    Am Wochenende hatte der Virologe mit den dunklen Locken endlich wieder Zeit, Studien zu lesen, erzählt er. Und nahm sich zum Wochenbeginn die in den sozialen Medien weitverbreitete Horrornachricht vor, das Coronavirus könne auf Metall und Kunststoff, also auch auf Türklinken oder Handys, angeblich mehrere Tage überleben.

    Die „eher technische, simple Studie“ habe tatsächlich nach 48 Stunden noch Infektiosität nachweisen können, allerdings sei die sehr gering gewesen. „Man startet mit fast 10.000 infektiösen Einheiten, und am Ende sind das weniger als zehn.“

    Und die müssten ja noch an den Finger und in den Mund gelangen. Außerdem sei die Menge an Flüssigkeit, die jemand mit der Hand nach dem Hineinhusten an einer Klinke hinterlasse, „fast nicht mehr zu messen“. Schlechte Nachrichten, auch aus der Wissenschaft, verbreiten sich in diesen Zeiten besonders schnell, weiß Droste.

    Und so will er verhindern, dass Menschen aufgrund vereinfachter Meldungen falsche Prioritäten setzen – also etwa panische Angst vor Klinken entwickeln, statt sich regelmäßig die Hände einzuseifen und Abstand zu anderen Personen zu halten.

    Oder die Angst davor, sich über die Atemluft zu infizieren. Covid-19 bleibe im Gegensatz zu anderen Viren nach dem Aushusten maximal 20 Minuten in der Luft und falle dann zu Boden, erklärte Drosten in Folge 13 des Podcasts.

    Menschen dürften deshalb gefahrlos draußen spazieren gehen, solange sie anderen nicht zu nahe kämen. Aber eine schlechte Nachricht hatte er für die Freunde eines frisch gezapften Bieres mitgebracht: Biergläser würden in Kneipen meist nur „durchs Wasser gezogen, auf dem ein paar Spülmittelrest-Bläschen schwimmen“. Das töte keinen Virus. Persönlich trinkt der Virologe Bier „seit Jahren nur noch aus Flaschen“.

    Mehr: Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz hat sich mit dem Coronavirus angesteckt. Bundesaußenminister Maas will Tausende Deutsche aus dem Ausland zurückholen. Der Newsblog.

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