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Kommentar Machtwechsel bei der Credit Suisse: Eine Affäre mit vielen Verlierern

Mit dem Abgang von Vorstandschef Thiam sind die Probleme der Credit Suisse nicht gelöst: Auch Verwaltungsratschef Rohner ist angezählt, weil er zu spät reagiert hat.
07.02.2020 - 09:54 Uhr Kommentieren
Vorstandschef Tidjane Thiam tritt zurück, aber beim Schweizer Bank-Riesen Credit Suisse gibt es nach der Spitzelaffäre viele Verlierer. Quelle: Bloomberg
Der scheidende Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam bei einem TV-Interview

Vorstandschef Tidjane Thiam tritt zurück, aber beim Schweizer Bank-Riesen Credit Suisse gibt es nach der Spitzelaffäre viele Verlierer.

(Foto: Bloomberg)

Bei aller Kritik kann man der Führungsriege der Credit Suisse dieser Tage wenigstens eines zugutehalten: Sie kann noch immer als schlechtes Beispiel dienen, weil sie zeigt, wie man sich in Krisen tunlichst nicht verhalten soll. 

Monatelang sorgte die zweitgrößte Bank der Schweiz mit ihrer Spitzelaffäre für Negativschlagzeilen. Nun zieht Bankchef Tidjane Thiam endlich Konsequenzen. Er geht, aber er geht zu spät. Der Machtkampf hinterlässt viele Verlierer – auch weil Verwaltungsratschef Urs Rohner zu lange gezögert hat.

Zwar inszeniert Thiam seinen Abgang bis zuletzt als selbstbestimmt. Er sei „mit dem Verwaltungsrat übereingekommen“, die Bank zu verlassen, so lässt sich der Manager zitieren. 

Aber tatsächlich blieb Thiam angesichts immer neuer Enthüllungen über fragwürdige Detektiveinsätze und die Überwachung von Managern keine andere Wahl. Auch wenn der langjährige CS-Chef zum Abschied vom Verwaltungsrat der Bank mit Lob überschüttet wird: Mit seinem Verhalten hat er nicht nur der Credit Suisse, sondern auch sich selbst geschadet.

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    Nur ein Beispiel: Als längst publik war, dass Rohner einen Nachfolger für Thiam sucht, posierte dieser wie zum Trotz auf dem sozialen Medium Instagram mit seiner fröhlich lächelnden Führungsmannschaft, als sei nichts passiert. 

    Solches Verhalten würde in jedem Land als anmaßend empfunden. Doch in der Schweiz, wo Bescheidenheit zu den Kerntugenden zählt, wirkte das Instagram-Selfie geradezu bizarr deplatziert – und das bei einem Institut, das die Schweiz im Namen trägt.

    Auch dass Thiam-treue Aktionäre ihrem Lieblingsmanager zur Hilfe eilten, zahlt nicht gerade auf dessen Ruf ein. Gleich mehrere Fondsmanager hatten sich mit dem Vorstandschef solidarisch erklärt – und Verwaltungsratschef Rohner aufs Korn genommen. Sie drohten Rohner bei einer Absetzung ihres Lieblings gar ein juristisches Nachspiel an. Aber mal ehrlich: Würden Sie sich einen Manager ins Haus holen, dessen Fans ihnen bei dessen Absetzung mit Klagen drohen?

    Doch auch Verwaltungsratschef Rohner geht beschädigt aus der Affäre. Zwar unterstreicht die Credit Suisse nun, dass der Verwaltungsrat geschlossen hinter Rohner steht. Aber mit Vertrauen ist es wie mit Geld: Wer es hat, muss nicht darüber sprechen.

    Dass Rohner nach dem Bekanntwerden des ersten Überwachungsfalls zu seinem Vorstandschef hielt, ist nachvollziehbar. Doch spätestens, als kurz vor Weihnachten eine weitere Bespitzelung publik wurde, hätte der Verwaltungsratschef seinen Vorstandschef zur Tür geleiten müssen. 

    Mit seinem Zögern hat Rohner der Credit Suisse zwei weitere Monate voller Negativschlagzeilen beschert – und einen peinlichen Machtkampf riskiert, der Verlierer auf allen Seiten hinterlässt. Die Credit Suisse darf nun nicht einfach zum Tagesgeschäft übergehen. Thiams Nachfolger Thomas Gottstein muss sich von seinem Ziehvater Thiam emanzipieren und die Vorgänge unter seinem Vorgänger aufarbeiten. Auch die Kultur der Bank gehört dabei auf den Prüfstand.

    Doch für einen glaubwürdigen Neuanfang bei der Credit Suisse bräuchte es nicht nur einen neuen Vorstandschef, sondern auch einen Wechsel im Verwaltungsrat: Urs Rohner sollte lieber früher als später gehen.

    Mehr: Die UBS gilt als Nummer eins unter den Schweizer Banken – doch Credit Suisse holt auf. Warum 2020 für beide Institute ein entscheidendes Jahr werden könnte.

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