Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Pflegereform: Die Nebenwirkungen sind unkalkulierbar

Die Pflegereform weist Tücken auf. Im schlimmsten Fall könnte der faktische Tarifzwang dazu führen, dass private Pflegeanbieter nicht mehr investieren.
03.06.2021 - 09:41 Uhr 1 Kommentar
Die Bundesregierung will für bessere Bezahlung in dem Beruf sorgen, doch der Weg ist umstritten. Quelle: imago images/photothek
Altenpflege

Die Bundesregierung will für bessere Bezahlung in dem Beruf sorgen, doch der Weg ist umstritten.

(Foto: imago images/photothek)

Berlin In einem funktionierenden Markt bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis. Dort, wo Arbeitskräfte knapp sind, steigen die Löhne. Fachkräfte in Altenheimen verdienen heute im Schnitt ein Drittel mehr als vor zehn Jahren, das Plus ist deutlich größer als in der Gesamtwirtschaft.

Und wer heute in der Pflege eine Stelle sucht, kann in der Regel aus mehreren Arbeitgebern wählen. Die Marktmechanismen scheinen also zu funktionieren. Dabei ist der Pflegearbeitsmarkt gar kein freier Markt.

Anbieter haben strenge Vorgaben für Qualität und Personaleinsatz und können ihren Beschäftigten nur so viel zahlen, wie der Kostendeckel der Pflegekassen zulässt. Auf der Angebotsseite steht Berufsethos oft über Gewinnstreben, das Geld spielt für die Berufswahl in der Altenpflege selten die entscheidende Rolle.

Das ist ein Grund dafür, warum die Gewerkschaften – und damit die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer – dort so schwach sind. Mit ihrer Pflegereform will die Bundesregierung nun an beiden Hebeln ansetzen. Auf der einen Seite hebt sie den Kostendeckel bei der Erstattung durch die Pflegekassen ein wenig an.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Auf der anderen Seite sollen diese nur noch Leistungen von Anbietern vergüten, die Tarifgehalt zahlen. Aus Sicht der Regierung steigt so der Anreiz für Arbeitgeber, Tarifverträge zu schließen, was wiederum die Rolle der Gewerkschaften stärkt.

    Springt die öffentliche Hand in die Bresche, wenn private Anbieter sich zurückziehen?

    Doch hat das Gesetz unkalkulierbare Nebenwirkungen. Der Steuerzuschuss und der höhere Beitrag für Kinderlose werden kaum ausreichen, um den Pflegern mehr Geld zu geben und zugleich die Eigenanteile der Pflegebedürftigen zu deckeln. Die höheren Löhne von heute werden also über ein steigendes Defizit der Pflegekassen erkauft, das künftige Generationen abzahlen müssen.

    Dass die Bezahlung der Pfleger sich an regionalen Durchschnittswerten orientieren soll, wird dazu führen, dass die Löhne dort hoch bleiben, wo sie heute schon hoch sind – und umgekehrt. Die schlimmste Folge aber wäre, wenn erzwungene höhere Löhne bei privaten Pflegeanbietern nun zulasten von Investitionen gingen.

    Denn die Alterung der Gesellschaft erfordert nicht nur zusätzliches Pflegepersonal, sondern auch zusätzliche Betreuungsplätze. Auch hier bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis. Die Nachfrage wird riesig sein, das Angebot wohl eher dürftig, wenn privaten Anbietern jede Renditeerwartung genommen wird. Ob dann irgendwann wieder die öffentliche Hand einspringt, die einst aus Rücksicht auf ihre Haushalte in großem Stil Pflegeeinrichtungen privatisiert hat?

    Mehr: Wer bekommt mehr Geld, wer zahlt? – Die wichtigsten Antworten zur Pflegereform

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Pflegereform: Die Nebenwirkungen sind unkalkulierbar
    1 Kommentar zu "Kommentar: Pflegereform: Die Nebenwirkungen sind unkalkulierbar"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • "Dass die Bezahlung der Pfleger sich an regionalen Durchschnittswerten orientieren soll, wird dazu führen, dass die Löhne dort hoch bleiben, wo sie heute schon hoch sind" - und das sind meist die Orte, wo die Lebenshaltungskosten auch hoch sind. Ein nominal gleicher Lohn hingegen wäre nicht nur ineffizient, sondern auch ungerecht, da er einen unterschiedlichen Reallohn implizieren würde.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%