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Kommentar Söder macht in der Coronakrise vor allem Alarm

Der bayerische Ministerpräsident verwirrt selbst seine Anhänger mit immer neuen Vorschlägen zur Bekämpfung der Pandemie. Als Vorbild taugt Bayern derzeit nicht. 
07.12.2020 - 13:06 Uhr 9 Kommentare
Quelle: Burkhard Mohr
Karikatur
(Foto: Burkhard Mohr)

Markus Söder hat zum wiederholten Mal den Katastrophenfall ausgerufen. Durchaus medienwirksam gab der bayerische Ministerpräsident am Nikolaustag den Krampus. Für Nicht-Bayern: Es handelt sich dabei um Knecht Ruprecht.

In einem Zehn-Punkte-Plan holte Söder dann auch die Corona-Rute raus. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Der CSU-Chef hat damit angesichts des bedrohlichen Infektionsgeschehens nicht unrecht. Die Menschen hatten sich jedoch darauf eingestellt, dass es ein bisschen weihnachtliches Christkindl geben würde. Das stellt Söder jetzt infrage und schafft damit erneut Verwirrung.

Söder präsentiert sich als der Macher und setzt regelmäßig mit Unterstützung aus dem Kanzleramt seine Länderkollegen unter Druck. Gleichzeitig bleiben jedoch die Bürger immer öfter verwirrt und ratlos zurück.  Der Bayer will die Maßnahmen in einem atemberaubenden Tempo verschärfen, dass kaum einer mehr sagen kann, was nun wo gilt.

Ob Ausgangsbeschränkungen, Kontaktverbote, Regeln für Weihnachten und Silvester oder die wechselnden Unterrichtsmodelle an den Schulen. Die Bürger lassen das oftmals nur noch stoisch über sich ergehen. Seine immer dramatischeren Appelle – „alle vier Minuten stirbt ein Mensch an Corona“ – verfehlen damit ihre Wirkung.

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    Die martialischen Bilder erreichen oft die Menschen nicht mehr. Der Schock im Frühjahr war in der Bevölkerung so groß, weil es die Bilder aus Bergamo gab. Eine Großzahl hat diese Eindrücke wieder verdrängt, und die steigende Belegung der Intensivbetten ist für einige nur eine abstrakte Zahl. 

    Pannen bei Massentests

    Hinzu kommen Söders Pannen bei den Massentests, die einigen noch in Erinnerung sind. Da hieß es nicht Laptop und Lederhose, sondern Bleistift und Lederhose bei der Übertragung der Testdaten. Seine glücklose Gesundheitsministerin ist übrigens noch genauso im Amt wie der bayerische Mautminister Andreas Scheuer.

    In Worten ist Söder oftmals stark. Die Taten lassen dann auf sich warten. Der Stop-and-go-Lockdown zeigt eines: Es gibt immer noch keine langfristige Strategie.

    Es drängt sich der Eindruck auf, die Politik wartet wie die Bevölkerung sehnsüchtig auf die Impfstoffe. Im Sommer wurde viel Zeit verschenkt. Man muss den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach nicht mögen. Aber er wies frühzeitig etwa auf fehlende Schulkonzepte und den Mangel an mobilen Luftfiltern hin sowie darauf, dass es zu wenig Schnelltests gibt.

    Da mag auch Lauterbachs ungezügelter Mitteilungsdrang eine Rolle spielen, aber vor allem die Exekutive in den Ländern hat offensichtlich in den Sommerferien geistigen Urlaub gemacht. Jetzt jagt eine Krisensitzung die andere, um die zweite Welle doch noch zu brechen. 

    Politische Ambitionen spielen beim CSU-Chef immer mit 

    Bei Söder hat man jedenfalls auch den Eindruck, dass es nicht nur um Corona, sondern ein Stück weit auch um seine politischen Ambitionen geht. Eine Kanzlerkandidatur auf Unions-Ticket schließt er nicht aus. Sein Mantra, sein Platz sei in Bayern, wird mit jedem Auftritt immer wieder infrage gestellt.

    Die Herzen der Wähler fliegen laut Umfragen Söder noch zu. Nach der Kanzlerin ist er der beliebteste Politiker im Land. Ob sein Krisenmanagement wirklich besser ist als das von Ministerpräsident Armin Laschet in Nordrhein-Westfalen, ist damit nicht gesagt.

    Söder präsentiert sich als der Macher und setzt regelmäßig seine Länderkollegen unter Druck Quelle: dpa
    Markus Söder bei der Sondersitzung vom Kabinett in München

    Söder präsentiert sich als der Macher und setzt regelmäßig seine Länderkollegen unter Druck

    (Foto: dpa)

    Es gibt zwar bayerische Landstriche wie Amberg in der Oberpfalz, wo die Inzidenzzahlen noch sehr niedrig sind. Aber Bayern stellt auch häufig den traurigen Spitzenreiter beim Landkreisranking unter den Top-Hotspots. Söder steht nicht besser da als andere.

    Wenn er dann Schleswig-Holstein ungebetene Ratschläge erteilt, mag das bei ihm im Süden ankommen. Aber die Nordlichter haben weit bessere Zahlen. Selbst seinen Satz, die Situation in Berlin mache ihm Sorgen, kann er so nicht wiederholen. Der frühere Radiojournalist hat aber einen Grundsatz der Politik verinnerlicht: Man muss als Macher erscheinen. Ob man tatsächlich damit erfolgreicher ist als andere, steht auf einem anderen Blatt. 

    Hoffnung liegt auf den Impfstoffen

    Wenn man den Blick nach vorn richtet, kann man nur hoffen, dass bei den Impfungen alles etwas geordneter zugeht. Die Länder errichten unter Hochdruck die Impfzentren. Es muss aber auch sichergestellt sein, dass die Kühlketten funktionieren und es genügend Impfpersonal gibt.

    Das mag sich banal anhören, aber es ist eine riesige logistische Aufgabe. Deutschland hat sicherlich nicht die schlechtesten Strukturen mit dem Roten Kreuz, dem Technischen Hilfswerk und nicht zuletzt der Bundeswehr. Sie sind auch krisenerprobt, wenn man nur an die Einsätze bei den verschiedenen Hochwasserkatastrophen denkt.

    Das stimmt einen optimistisch. Ehren- und Hauptamtliche liefern ihre Leistung ab. Bei der Politik kann man sich da leider nicht immer so sicher sein. Als zu Beginn der Pandemie im Frühjahr Masken und Schutzausrüstung fehlten, endete die Beschaffung in einem peinlichen Chaos. Das sollte sich nicht wiederholen. 

    Es darf in der Politik am Ende nicht darum gehen, wer bei der Eröffnung eines Impfzentrums die schönsten Bilder produziert, sondern es geht um die Gesundheit von Millionen Deutschen. Söder, der wie kein Zweiter in der Spitzenpolitik um die Wirkung der Bilder weiß, muss zeigen, dass es ihm um die Sache geht. Bislang ist nur Asien weitaus besser durch die Krise gekommen als Deutschland. Daran soll sich auch nichts ändern. 

    Mehr: Söder kämpft mit dem Bleistift gegen Corona 

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    9 Kommentare zu "Kommentar: Söder macht in der Coronakrise vor allem Alarm "

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wenn die Menschen den Virus und die Pandemie vollständig verstehen würden wären Verschärfungen zwecks Kontaktverhinderung nicht nötig.
      Man kann es ihnen nicht oft genug aufs Brot schmieren.
      Der Virus lebt nur vom Kontakt von Mensch zu Mensch.
      400 - 500 Tote pro Tag an Corona oder mit Corona sind nicht hinnehmbar.
      Ich gehe mit Söder völlig konform.
      Das ewige Mahnen wäre nicht nötig, wenn unsere Landespolitiker mal cochones zeigen würden und uns das ewige "gelaber" und vor und zurück ersparen würden, wenn sei einmal einen klaren Lockdown machen würden.
      Wäre unter dem Strich auch günstiger für die Wirtschaft.
      Meine Meinung.

    • @Herr Michael Megerle:
      "Söder ist ein Blindflieger" Hört sich nach Beleidigung an - wollen Sie das wirklich?
      Sie verlassen damit die gewöhnliche Ebene des Bayern - Bashings. Das ist inzwischen ein nationaler Volkssport: Im Erfolg wird gerne neidisch auf die Bayern gesehen - schließlich haben sie in wenigen Jahren einen wunderschönen Flughafen geschaffen! Berlin nicht. Und in der Krise tritt man gerne auf sie ein. Bayern ist schwer getroffen von Corona - da sind viele sinnvolle Maßnahmen zu treffen.
      Aus meiner Sicht gehören Massentests, wie Herr Söder sie einführte, dazu -
      FFP2 Masken an die Bevölkerung verteilen ebenso.
      Wenn Sie also schimpfen mögen, lieber Herr Michael Megerle, dann bitte auf die Herrscharen der Politiker insgesamt, die zuwenig mit zuviel Geld zustande bringen (Schulnote 5).
      Die bayrische Politik ist erträglich (Schulnote 3).

    • Söder ist ein Blindflieger, wie viele anderen politischen Akteure, die sich weit von rationalem und zielorientierten Handeln entfernt haben. Internationale wissenschaftliche Erkenntnis spielt keine Rolle mehr, nur der Bullshit den das RKI erzählt spielt wohl eine Rolle. Das ganze Spiel ist im höchsten Maß verantwortungslos und auch langfristig gesehen nicht zielführend! Wollen wir ab heute jedes Jahr wieder denselben Sermon aufführen, wenn irgendein Virus, der Gefährlichkeit einer Influenza ums Eck kommt ? Die Frage die sich derzeit keiner stellt, sind die Schäden, auch für Leib und Leben von Menschen, durch die Maßnahmen nicht größer wie das was man meint damit zu erreichen? Da habe ich doch große Zweifel ob das nicht der Fall ist.

    • Kann mich nur anschließen, sehr treffender Kommentar! Dieses "Immer noch einen drauf Legen" kann man sicher immer schwerer folgen.

    • Ob Sie nun Sigmund oder Rickens oder Jakobs heißen.Sie alle drei fühlen sich berufen, die Arbeit von Herrn Söder mit entsprechend negativ gefärbter Kritik bis hin zur Häme zu überziehen. Wenn Sie so weitermachen, entwickelt sich das Handelsblatt von einem früher anerkannten Wirtschaftsblatt nun hin zu einem Politblatt; aber zweiter Klasse. FAZ und Süddeutsche sind ihm dann um Längen voraus und überlegen, weil fundierte und auch durchaus kritische journalistische Arbeit allemal besser ist, als gewollter Politjournalismus.

      Frank Salomon., Seeheim-Jugenheim

    • Treffender Kommentar!

      Der Begründung des Söders kann man nicht widersprechen. Seinen Anordnungen allerdings sehr wohl, denn deren Wirkung passt überhaupt nicht zum ausgerufenen Ziel.

      Welche Wirkung welche Maßnahmen hat, ist der Politik monatelang völlig egal gewesen. Noch Ende September hat Söder auf dem Parteitag die Masken als nobelpreisverdächtiges Wundermittel dargestellt. Nur zwei Wochen später war klar, dass die immer stärker ausufernde Maskenpflicht keinen messbaren Effekt hat und nur brachiale Verbote helfen.

      Bei Söder spielt ganz offensichtlich die Selbstinszenierung eine zentrale Rolle: Seine Bayernmaske ist sein Erkennungszeichen. Zwei Verschärfungen sind für ihn besser als eine (denn er hat sich zweimal die Schlagzeilen gesichert). Und ganz wichtig ist für ihn, immer mit dem Finger auf andere zu zeigen (Ischgl, Schweden, Urlauber, Ramelow, Berlin, ...) und sich selbst als Moralapostel darzustellen.

    • Danke Herr Sigmund für die klugen und vernünftige Worte.

      Erschwerend kommt hinzu, dass er der Bayerischen Polizei natürlich genauso sein Hardliner-Image beauftragt.

      Die von vielen Querdenkern befürchtete Installation eines totalitären, übergriffigen Staats-Regimes wird dort in Ansätzen jetzt bereits sichtbar - Tendenz klar steigend. Mit der zuletzt verabschiedeten gesetzlichen Regelung sind solche entwürdigen Machtausübungen Tür und Tor geöffnet - ohne verbleibende juristische Handhabungen, eben weil es GRUNDRECHTE sind, die nunmehr fehlen.

      In den Händen eines profilierungs- und machtsüchtigen M. Söders ist ein Missbrauch dieses Instrumentariums leider ein drohendes Ungemach.

    • @Thomas Sigmund:
      Bayern - bashing ist wohl immer noch in Mode.

    • Die kostenlosen Test an den Autobahnen in Bayern waren absolut sinnvoll.
      Dass es eine Panne gab, kann operativ passieren, da sind dann auch die entsprechenden Verantwortlichen zu tadeln, die Strategie ist richtig: Testen was das Zeug hält
      Jeder sollte einen kostenlosen Antigentest bekommen wie in Österreich.
      Jeder sollte kostenlose FFP2 bekommen.
      Lockdown wäre an sich gut über die Weihnachtsferien 24.12.-10.1. da geschieht eh kaum etwas - und Unternehmen mit ausreichenden Schutzmethoden könnten auch weiterarbeiten - homeoffice?
      Auch das von der Ärztekammer ausgearbeitete Schutzkonzept sollte umgesetzt werden.
      Leider gibt man zig Milliarden aus ohne entsprechende Wirkung.

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