Kommentar: Staatshilfe für ein ausgabenfreudiges Genie?

Eine Billion Dollar: Ungefähr so viel sollen die Pläne von Sam Altman kosten. Der geniale Gründer von OpenAI und Entwickler von ChatGPT möchte das ganze große Rad im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) drehen. Privat finanziert er nebenbei noch Investitionen in typische, bis zu einem gewissen Grad versponnene „Zukunftsthemen“ wie Kernfusion oder die Verlängerung des menschlichen Lebens. Er ist ein Visionär, wie es viele in der Tech-Szene der USA gibt, nur noch erfolgreicher als die meisten anderen.
Jetzt fordert er laut der Nachrichtenagentur Bloomberg vom Staat Unterstützung, genauer: Garantien für die riesigen Kredite, die er für seine Pläne aufnehmen will. Und das, obwohl er mit Konzernen wie Microsoft und Nvidia eng zusammenarbeitet, denen die Börse zurzeit trotz einiger Bedenken wegen der hohen Bewertungen das Geld förmlich hinterherwirft. Was sagt uns das?
Erstens deutet sich so an, dass KI doch nicht endlos Investorengeld mobilisieren kann. Das nährt die Skepsis, dass der gewaltige, von KI getriebene Kursaufschwung an den Börsen übertrieben sein könnte. Die entscheidende Frage wird noch zu wenig gestellt: Wo genau schafft KI Mehrwert, der die Investitionen rechtfertigt? Sie klingt weniger visionär als Diskussionen darüber, wann eine technische Superintelligenz entsteht, die alle menschlichen Fähigkeiten überflügelt. Aber sie muss beantwortet werden, damit das Thema nicht ein riesiger kommerzieller Fehlschlag wird.
Zweitens zeigt sich, dass staatliche Unterstützung im Zweifel auch in einer Szene willkommen ist, die sonst eher Verachtung für Politik zeigt. Bekannt dafür ist vor allem der aus Deutschland stammende US-Unternehmer Peter Thiel, der von einer Art erleuchteter Technokraten-Herrschaft träumt, aber er ist nicht der Einzige.
Drittens würde ein Einstieg der US-Regierung in die Finanzierung von KI-Kapazitäten zwei Blasen verbinden: die Staatsschulden der USA und die Kursblase der Tech-Aktien.