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Kommentar Tech-Konzerne müssen den Aufstand der Anleger vorerst nicht fürchten

An der Börse ist die Revolution gegen die großen US-Tech-Konzerne 2019 ausgeblieben. Aus dem Schneider sind die Firmen aber noch lange nicht.
01.01.2020 - 16:00 Uhr Kommentieren
Die Kurse von Amazon, Facebook oder Apple sind in den vergangenen zwölf Monaten zwischen 16 und 70 Prozent gestiegen. Quelle: imago images/Alexander Pohl
Facebook an der Börse

Die Kurse von Amazon, Facebook oder Apple sind in den vergangenen zwölf Monaten zwischen 16 und 70 Prozent gestiegen.

(Foto: imago images/Alexander Pohl)

Erinnern Sie sich noch an das Kampfwort „Techlash“? Damit war die düstere Prophezeiung gemeint, mit der viele Tech-Gurus vor nicht allzu langer Zeit den amerikanischen Technologiegiganten eine digitale Gegenrevolution von Nutzern und Aufsichtsbehörden voraussagten: mehr Kontrolle durch den Staat, weniger Marktmacht für Google, Facebook und Co. Sogar von einer Aufspaltung der Internetgiganten war die Rede. Und davon ist noch immer die Rede.

Blickt man allein auf die Börsenkurse von Big Tech, so ist die Gegenrevolution im Keim erstickt. Die Kurse von Amazon, Alphabet, Facebook, Microsoft und Apple sind in den vergangenen zwölf Monaten zwischen 16 und 70 Prozent gestiegen. Insgesamt verzeichneten die Tech-Werte im Börsenindex S&P 500 ein sattes Plus von mehr als 40 Prozent.

Wenn es richtig ist, dass an den Börsen die Zukunft gehandelt wird, müssen die Giganten aus dem Silicon Valley den „Techlash“ vorerst nicht fürchten. Im Gegenteil, ihr Wachstum ist ungebrochen. Der Kern ihrer Macht, der Tausch unserer persönlichen Daten gegen die Befriedigung unserer digitalen Bedürfnisse, ist nach wie vor unangetastet.

Shoshana Zuboff von der Harvard Business School spricht in ihrem gleichnamigen, vor einem Jahr erschienenen Buch treffend von „Überwachungskapitalismus“. Ein Begriff, bei dem wir eher an Big Brother oder an China denken. Und das ist durchaus ein Fingerzeig in die Zukunft.

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    Nun ist es nicht so, dass die Rebellion gegen Big Tech gar nicht stattgefunden hätte. Amazon musste nach lokalen Protesten seine Pläne für ein zweites Hauptquartier in New York streichen, Google wurde in Toronto daran gehindert, seine Bürgersteige zu einer Datenautobahn auszubauen. Facebook-Chef Mark Zuckerberg wurde von US-Kongressabgeordneten für die auf seiner Plattform verbreiteten „Fake News“ und Wahlmanipulationen derart in die Mangel genommen, dass er hinterher blass wie eine Kalkwand war.

    Twitter verzichtete nach öffentlichem Druck auf politische Werbung, und EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager droht den Tech-Giganten mit der Keule des Kartellrechts – eine Waffe übrigens, die jetzt auch die amerikanische Aufsicht Federal Trade Commission (FTC) neu entdeckt hat.

    Normalerweise würden auch Investoren nach einem derartigen Tsunami aus öffentlichem Protest und verschärfter Regulierung Tech-Werte meiden wie die Pest. Dass es nicht zu einem Ausverkauf kam, sondern die Kurse von Big Tech im abgelaufenen Jahr zu den Überfliegern auf den Aktienmärkten gehörten, kann nicht nur an niedrigen Zinsen liegen.

    Facebook unter Druck

    Vielmehr ist es der Politik bislang nicht gelungen, das Geschäftsmodell der Superstars aus dem Silicon Valley grundlegend zu erschüttern. Auch wenn es dabei durchaus Fortschritte gibt. Sowohl in Europa als auch in den USA werden die großen Internetkonzerne für das, was auf ihren Plattformen geschieht, stärker in die Pflicht genommen – seien es Falschmeldungen oder Aufrufe zu Hass und Gewalt.

    Vor allem Facebook steht unter enormem Druck, vor den Präsidentschaftswahlen in den USA 2020 dafür zu sorgen, dass Wähler nicht mehr durch bewusste Fehlinformationen in politischen Werbespots beeinflusst werden können. Zudem denkt die Firma offenbar freiwillig darüber nach, das sogenannte „Microtargeting“ von Wählern zu erschweren.

    Voraussetzung für die individualisierte politische oder kommerzielle Werbung ist ebenjener Überwachungskapitalismus, der es den Internetplattformen erlaubt, das Verhalten ihrer Nutzer rund um die Uhr zu verfolgen, um es hinterher gezielt zu beeinflussen. Erst wenn es den Aufsehern gelingt, diese beiden Mechanismen des Überwachungskapitalismus einzuzäunen, lässt sich auch die Macht von Big Tech wirksam begrenzen. Die von der amerikanischen Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren geforderte Aufspaltung der Tech-Riesen hilft dabei kaum weiter.

    Eine neue Dimension hat die Debatte über die Macht von Big Tech durch den zuletzt eskalierten Technologiekrieg zwischen den USA und China bekommen. Als Zuckerberg für seine Pläne einer neuen Digitalwährung Libra ins Kreuzfeuer geriet, stellte der Facebook-Gründer die amerikanischen Kongressabgeordneten vor die diabolische Wahl, entweder Facebook oder China zu vertrauen – wohl wissend, dass der staatliche Überwachungskapitalismus in China weitaus bedrohlicher erscheint als der private von Facebook und Co.

    Damit hat der 35-Jährige die Machtverhältnisse in der digitalen Hightech-Welt ziemlich genau auf den Punkt gebracht. Geben doch entweder die meist libertären Tech-Titanen aus dem Silicon Valley oder die staatlichen Tech-Kader aus Peking inzwischen den Takt des technischen Fortschritts an. Europäer wie Amerikaner sehen das als eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Die Suche nach wirksamer Eingrenzung der Macht von Technologiekonzernen ist dadurch nicht einfacher geworden.

    Mehr: Die digitale Technik dient nicht mehr den Menschen, mahnt die Wissenschaftlerin Sarah Spiekermann. Sie fordert eine neue Ethik für IT-Systeme.

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