Kommentar: Top-Kanzleien – Die letzte Männerbastion muss fallen

Die 20 führenden Kanzleien in Deutschland scheinen so etwas wie die letzte Männerbastion zu sein. Nur 16 Prozent ihrer Partnerpositionen sind mit Frauen besetzt. Das ist sogar im Vergleich mit dem nach wie vor geringen 26-prozentigen-Frauenanteil in Dax-Vorständen bemerkenswert wenig.
Doch damit nicht genug. Es ist auch vor allem angesichts der Tatsache, dass sich seit einigen Jahren zunehmend Juristinnen in Spitzenpositionen in Unternehmen, in Behörden und an Gerichten durchsetzen, ein Malus.
Die Sozietäten täten deshalb gut daran, diese letzte männliche Bastion selbst zu schleifen.
Warum gibt es keine anderen Arbeitsmodelle?
Nun mag man einwenden, dass es die berühmte gläserne Decke in den Kanzleien gar nicht mehr gibt. Also, dass männliche Vorgesetzte und Seilschaften systematisch verhindern, dass Frauen aufsteigen. Ja, dass inzwischen sogar fast jede Kanzlei ein eigenes Frauennetzwerk pflegt.
Doch das scheint anscheinend nicht zu reichen. Frauen verlassen – und das zeigt die aktuelle Studie der Allbright-Stiftung, die sich für mehr Diversität in den Führungsetagen einsetzt, glasklar – die Sozietäten nach einigen Jahren. Sie nutzen sie nur als Startrampe.
Sie wechseln in Rechtsabteilungen von Unternehmen und in Behörden oder werden Richterinnen oder Staatsanwältinnen. Sie akzeptieren für weniger Wochenstunden und weniger Vertriebsdruck weniger Gehalt. Häufig tun sie das im Sinne ihrer Familie.
Das typische deutsche Frauenproblem zeigt sich sogar innerhalb von internationalen Kanzleien. So ist der Partnerinnenanteil an den britischen Standorten mit 31 Prozent fast doppelt so hoch wie an den deutschen. Dieselbe Firma, dieselben Aufgaben, dieselbe Arbeitskultur – und doch wollen und schaffen es dort mehr Frauen nach oben als hier.
Warum gibt es entsprechend andere Arbeitsmodelle nicht auch in den deutschen Kanzleien? Warum muss dort Partner gleich Partner sein? Würde es im Sinne von mehr Diversität nicht absolut Sinn machen, andere Arbeitsmodelle zu ermöglichen? Dann müssten die Kanzleien nicht auf weibliche Exzellenz verzichten beziehungsweise würde sich die weiblich Exzellenz die Kanzleien leisten.