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KommentarÜber die Kraft der (glaubwürdigen) Hoffnung

2024 hat wie ein Jahr begonnen, das man jetzt schon am liebsten abhaken würde. Doch das wäre fatal. Besser wir schaffen selbst Fakten, die Zuversicht geben.Kirsten Ludowig 05.01.2024 - 09:03 Uhr
Kirsten Ludowig ist Vize-Chefredakteurin des Handelsblatts. Foto: Marc-Steffen Unger

Das neue Jahr war noch jung, da kamen schon die ersten Nachrichten, die uns nach den ruhigen Tagen schonungslos an die Verwerfungen in der Welt erinnerten.

Da war zunächst Xi Jinping. Chinas Staatspräsident drohte Taiwan, der aus Pekings Sicht abtrünnigen ostasiatischen Insel, in seiner Neujahrsrede so deutlich wie selten zuvor: „Die Wiedervereinigung des Mutterlandes ist historisch unvermeidlich.“ Schon lange gibt es Befürchtungen, dass China Taiwan notfalls mit militärischer Gewalt erobern könnte.

Dann war und ist da Israels Armee, die sich im Gazastreifen auch zwischen den Jahren heftige Kämpfe mit der islamistischen Hamas lieferte und die Welt direkt am 1. Januar wissen ließ, dass sie davon ausgehe, „während dieses ganzen Jahres (...) weiterkämpfen“ zu müssen.

Und dann war da der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski, der in einem Interview den Westen mit Gänsehaut-Worten mahnte: „Putin erkennt Schwäche wie ein Tier, denn er ist ein Tier“, sagte er dem „Economist“. Wenn Putin Blut wittere, werde er stark. 

Zwar wären wir in Deutschland gut beraten, das neue Jahr angesichts der menschlichen Tragödien in anderen Teilen der Erde mit Dankbarkeit und Zuversicht zu begrüßen. Aber das fällt vielen schwer, und ich kann es verstehen. Zwar sind die Probleme in Deutschland gänzlich anders gelagert, aber sie treiben viele um. Auch mich.

AfD, Wirtschaft, Infrastruktur: Trübe Aussichten

Beispiel AfD: Im September wird in Thüringen, Sachsen und Brandenburg gewählt. Und die Mehrheit der Deutschen rechnet laut einer aktuellen Yougov-Umfrage damit, dass die AfD bei mindestens einer der Landtagswahlen in Ostdeutschland die absolute Mehrheit erreicht und damit den Ministerpräsidenten stellen kann.

Beispiel Wirtschaft: Für dieses Jahr und 2025 rechnet das Handelsblatt Research Institute (HRI) in seiner neuen Konjunkturprognose nur mit einem geringen Wachstum, wie die Grafik zeigt. Die Hoffnung auf einen merklichen Aufschwung schwindet. Das hören wir nahezu in jedem Gespräch, ob mit Managerinnen, Unternehmern oder Ökonomen.

Beispiel Infrastruktur: Selbst Olaf Scholz gab in seiner Neujahrsansprache zu, dass, „wer in diesen Tagen mit der Bahn unterwegs ist oder vor einer maroden Brücke im Stau steht, (...) merkt: Unser Land wurde zu lange auf Verschleiß gefahren.“ Ich spüre das als Pendlerin, die aus dem Ruhrgebiet ins Rheinland fährt, täglich – egal ob im Regionalexpress oder Auto.

Es seien die „Hoffnungsschwachen“, die zu ihm in die Gemeinde und die Kirche kämen, sagt Frank Michael Scheele, früher Manager und heute Pfarrer in Berlin, in der neuen Folge meines Podcasts Rethink Work. Und: „Das betrifft alle Kreise.“

Leaders are leaders because they give hope. (...) Hope is a big thing, but it has to be credible.
Sucheta Govil
Covestro-Vorständin

Doch selbst die „Hoffnungsschwachen“ haben noch immer Hoffnung – und darauf lässt sich aufbauen. Getreu dem Motto von Dax-Vorständin Sucheta Govil, das sie mir letztens verriet (hier im Original): „Leaders are leaders because they give hope. (...) Hope is a big thing, but it has to be credible.“ 

Hoffnung geben, die glaubwürdig ist – das klingt einfach, ist aber oft schwierig. 

Trotzdem sollte es jeder und jede versuchen. Denn egal in welchem Kontext: Es gibt immer andere, die auf uns schauen – und nach wie vor viele Menschen in Deutschland, die diese Verantwortung jeden Tag, ohne zu zögern, annehmen. Oder um es mit dem hoffnungsvoll-grünen Schriftzug in meinem Regal zu sagen: Yes you can.

Ich weiß natürlich, dass viele Tatsachen gegen ein schnelles Ende der Kriege und des Leids sprechen, gegen ein Eindämmen der Rechten, gegen ein baldiges Wirtschaftswachstum, gegen eine pünktliche Bahn und solide Brücken, gegen genügend Wohnraum.

Aber es spricht nichts gegen die Tatsache, dass alle im Rahmen ihrer Möglichkeiten kleine und große Lösungen anbieten – und damit Fakten schaffen, die Hoffnung geben.

Ich wünsche Ihnen für das neue Jahr Gesundheit, Glück, die nötige Portion Gelassenheit – und (glaubwürdige) Hoffnung, die Sie anderen geben und von anderen bekommen!

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