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Kommentar Unternehmen müssen beim Thema Rassismus jetzt Taten folgen lassen

Amerikas Konzerne wollen sich die „Black Lives Matter“-Bewegung zunutze machen. Doch die wohlklingenden Initiativen brauchen auch konkrete Ziele.
27.08.2020 - 17:23 Uhr Kommentieren
Unternehmen müssen beim Thema Rassismus jetzt Taten folgen lassen Quelle: AFP
Proteste in Kenosha, Wisconsin

Die „Black Lives Matter“-Bewegung, die gegen strukturellen Rassismus in den USA kämpft, ist sieben Jahre nach ihrer Gründung relevanter denn je.

(Foto: AFP)

Amerika kommt nicht zur Ruhe. Schon wieder haben weiße Polizisten auf einen schwarzen Mann geschossen, dieses Mal im Bundesstaat Wisconsin, was wieder zu friedlichen Demonstrationen und gewaltsamen Ausschreitungen geführt hat. Die „Black Lives Matter“-Bewegung, die gegen strukturellen Rassismus in den USA kämpft, ist sieben Jahre nach ihrer Gründung relevanter denn je.

Am Mittwoch verweigerte mit den Milwaukee Bucks zum ersten Mal eine Basketball-Mannschaft ein Spiel, um ein Zeichen zu setzten gegen die Gewalt gegen Schwarze. Die Profiliga NBA sagte daraufhin alle drei Spiele des Tages ab und löste damit eine ganze Welle an Spielausfällen in Amerikas Sportwelt aus.

„Spiele zu boykottieren ist ein Weg, um etwas mehr Initiative zu verlangen“, sagte der Trainer der Toronto Raptors, dessen Team ebenfalls über einen Boykott diskutiert hatte. „Das Thema hat ja schon viel Aufmerksamkeit, aber nun muss sich auch wirklich etwas verändern.“

Der Aufruf geht natürlich zuerst an die Polizeibehörden und an die Politik. Am Freitag werden 50.000 Demonstranten in Washington erwartet, wenn sich die legendäre „I have a dream“-Rede des Bürgerrechtlers Martin Luther King zum 57. Mal jährt. Doch auch Unternehmen sollten sich angesprochen fühlen. In einer Zeit, in der der Präsident der Vereinigten Staaten Rassismus und Waffengewalt auf seinem Nominierungsparteitag zelebriert, haben Unternehmen mehr denn je eine Vorbildfunktion. Auch beim Thema Diversität.

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    In den vergangenen Wochen haben sich Firmen mit ihrer Unterstützung für die „Black Lives Matter“-Bewegung geradezu überboten: Apple kündete eine 100 Millionen Dollar schwere Initiative an, die sich für „Bildung, wirtschaftliche Gleichheit und eine Reform des Strafrechts“ einsetzt. Nike machte den 19. Juni, an dem traditionell der Befreiung der letzten Sklaven gedacht wird, zum Feiertag, damit sie „die Geschichte und Kultur der Afroamerikaner feiern können“.

    Die neueste Aktion kam Anfang August: 27 Konzerne wollen in den kommenden zehn Jahren 75.000 Jobs und 25.000 Praktika für benachteiligte Berufsstarter in New York schaffen, um die vom Coronavirus hart getroffene Metropole zu unterstützen. Darunter sind JP Morgan Chase, Microsoft und Amazon.

    Der unternehmerische Aktivismus sorgte für positive Schlagzeilen und Zuspruch in den sozialen Netzwerken. Corporate America will profitieren von der „Black Lives Matter“-Bewegung, die nach dem Tod von George Floyd Ende Mai die vermutlich größte Protestbewegung in der Geschichte des Landes ausgelöst hat. Gutes Marketing zur richtigen Zeit war schon immer eine Stärke von amerikanischen Firmen.

    Problem betrifft auch deutsche Unternehmen

    Was den guten Absichten jedoch oft fehlt: Konkrete Ziele und klare Verantwortlichkeiten. „Wir können und müssen mehr tun, um Mitarbeiter von unterrepräsentierten Gruppen anzustellen und zu fördern und zu unterstützen“, heißt es in der Pressemitteilung von Apple-Chef Tim Cook. Um wie viel Prozent will er den Anteil dieser Mitarbeiter erhöhen? Bis wann? Und was passiert, wenn das nicht klappt? Das sind wichtige Eckpunkte, um den Erfolg auch tatsächlich messen zu können. Doch die lässt Apple offen.

    Die Schwammigkeit ist erst einmal bequem für die Unternehmenslenker. Schon jetzt sind die Projekte größtenteils in Vergessenheit geraten, und es gilt wieder „business as usual.“ Doch das ist zu kurz gedacht. Der Mangel an konkreten Zielen wird dazu führen, dass die vielen wohlklingenden Initiativen wieder einmal im Sande verlaufen werden. Langfristig schaden sich die Unternehmen dadurch mehr, als dass es ihnen nützt. Denn wenn sich wieder nichts ändert, verlieren sie ihre Glaubwürdigkeit. Und dann zieht es die Menschen – zu Recht – wieder auf die Straße.

    Das Thema beschränkt sich nicht nur auf amerikanische Unternehmen. Auch Adidas war im Zuge der „Black Lives Matter“-Proteste schwer unter Druck geraten und entließ daraufhin Personalvorständin Karen Parkin, weil sie Rassismus im eigenen Haus als unbedeutend abgetan haben soll. Der Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach hat sich nun ehrgeizige Diversity-Ziele gesetzt. So sollen künftig 30 Prozent der Neueinstellungen in den USA Schwarze und Latinos sein.

    In den USA ist es nicht das erste Mal, dass Unternehmen Besserung versprechen. Daher klingen schon jetzt viele Versprechen der Unternehmen hohl. „Amazon steht solidarisch mit der Black Community“ teilte der Onlinehändler gut sichtbar auf seiner Website mit. Gleichzeitig feuerte der Konzern den schwarzen Mitarbeiter, der in New York zum Protest gegen die riskanten Arbeitsbedingungen während der Coronakrise aufrief.

    Sich jetzt für benachteiligte New Yorker Berufseinsteiger einzusetzen ist löblich. Nun sollte man es nur noch messbar machen, damit es die Öffentlichkeit auch nachvollziehen kann.

    Goldman treibt Gleichstellung voran

    Positiv fällt in der Debatte Goldman Sachs auf, ausgerechnet jene Bank, die noch in der Finanzkrise 2008 als Inbegriff der überwiegend weißen, männlichen und gierigen Wall Street verschrien war. Bevor Konzernchef David Solomon vor zwei Jahren antrat, musste sein Vorgänger Lloyd Blankfein feststellen, dass es außer weißen Männern gar keine Kandidaten gab, die auch nur annähernd genug Qualifikationen gehabt hätten, um für einen der profiliertesten Jobs der Finanzwelt infrage zu kommen.

    Solomon hat sich gleich zu Beginn klare und ehrgeizige Ziele gesetzt und gab Anfang August einen Zwischenstand. Zum ersten Mal in der Geschichte der 151 Jahre alten Bank ist demnach mehr als die Hälfte der Analysten, die frisch von der Uni kommen, weiblich. Auch der Anteil der Afroamerikaner sei so hoch wie nie, allerdings veröffentlicht die Bank hier keine konkreten Daten.

    Das heißt nicht, dass Goldman das Diversity-Problem schon endgültig gelöst hat. Das kann vermutlich kaum ein Unternehmen von sich behaupten. Was zählt, ist die Bereitschaft, das Problem ernsthaft anzugehen und so lange daran zu arbeiten, bis sich Dinge bewegen. Mitarbeiter und Verbraucher werden mehr denn je darauf achten. Die Unternehmen sollten ihre Chance für Veränderung daher nicht verspielen.

    Mehr: Gerade in Krisen profitieren Unternehmen von Vielfalt

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