Kommentar: Warum der Schenker-Verkauf mehr Milliarden einbringen könnte als gedacht

Die Umstände für den Verkauf der Logistiktochter der Deutschen Bahn waren denkbar schlecht, als die Deutsche Bahn am 19. Dezember das Bieterverfahren für ihre Logistiktochter Schenker startete. Der Eigentümer der Deutschen Bahn – der Bund – befand sich wegen eines Urteils des Verfassungsgerichts in einer schwierigen finanziellen Lage.
Die Milliardeninvestitionen in die marode Schieneninfrastruktur der Deutschen Bahn waren jedoch dringend notwendig. Eine denkbar schlechte Verhandlungsposition. Es drohte ein Verkauf unter Wert.
Doch Dank eines intelligenten Bieterverfahrens darf der Bund wieder hoffen. In einer ersten Runde bekundeten jetzt mehr als 20 Investoren ihr Interesse. Darunter waren nicht nur Strategen, sondern auch zahlreiche Finanzinvestoren. Gerade für diese schien es noch im vergangenen Jahr schwierig, auf den schwachen Finanzmärkten das nötige Geld aufzutreiben. Die Situation ist zwar immer noch nicht einfach, scheint sich aber etwas beruhigt zu haben.
Selbst wenn es einen besseren Zeitpunkt gegeben hätte, hat die Art des Bieterverfahrens den möglichen Verkaufserlös noch einmal in die Höhe getrieben. Trotz Bedenken hinsichtlich eines möglichen Verkaufs an außereuropäische Investoren, wie beispielsweise an arabische Interessenten, stimmte die Bundesregierung einem diskriminierungsfreien Bieterverfahren zu. So konnte sich zunächst jeder bewerben.
Erst im weiteren Verfahren wird nach dem Außenwirtschaftsgesetz ein potenzieller Bieter geprüft und gegebenenfalls ausgeschlossen. Doch allein dieser Schritt war – wenn auch wirtschaftlich sinnvoll – politisch umstritten.
Die Deutsche Bahn muss einen Teil des Schenker-Erlöses auch in die Schuldentilgung investieren, um ihre Bonität zu stabilisieren. Doch durch den großen Andrang von Interessenten sieht es so aus, als blieben ein paar Milliarden mehr für die Sanierung der maroden Schieneninfrastruktur übrig als gedacht. Das kann alle Bahnreisenden nur freuen.