Kommentar: Was andere Branchen vom Boom der Luft- und Raumfahrt lernen können

Bei den Luft- und Raumfahrtunternehmen laufen die Geschäfte derzeit rund. Natürlich wird diese Industrie mit ihren 120.000 Beschäftigten die Volkswirtschaft nicht allein retten können. Aber immerhin: Mit ihrer weit verzweigten Lieferkette strahlt der Erfolg in andere Industrien ab.
Wichtiger ist allerdings etwas anderes. Zwar boomt besonders der Bau ziviler Verkehrsflugzeuge. Aber hier gibt es auch die größten Herausforderungen. Die sollten sich andere Branchen genau anschauen.
Punkt eins: keine zu große Abhängigkeit von nur einem Kunden, einem Markt oder einem Produkt. Die deutsche Luftfahrtindustrie hängt an Airbus und am Kurz- und Mittelstreckenflugzeug A320. Die Folgen zeigten sich in der Pandemie, als Airbus die Produktion herunterfuhr und Zulieferer in Bedrängnis brachte. Diversifizierung ist wichtiger denn je, zumal fast täglich neue Krisen entstehen.
Punkt zwei: Lieferketten breiter gestalten. Airbus und Boeing sind bei vielen Komponenten von nur einem Zulieferer abhängig – in einigen Fällen sogar beide von demselben. Dass die Rivalen nun den angeschlagenen US-Hersteller von Rumpfelementen, Spirit Aerosystems, unter sich aufteilen, zeigt die ganze Dramatik. Ähnliches zeichnet sich in der Autoindustrie ab. Auch dort werden Hersteller in irgendeiner Form wichtige Zulieferer stützen müssen, weil sie nur diesen einen haben.
Punkt drei: eine global verteilte Produktion statt konzentrierter Fertigung. In Zeiten von immer neuen Zollauseinandersetzungen wird das zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor. Airbus ist mit seinen Standorten in Europa, den USA und Asien deutlich besser gegen Handelskriege gewappnet als Boeing, das seine Flugzeuge ausschließlich in den USA baut.
Bei aller Freude über den Erfolg der Luftfahrtbranche: Er sollte auch eine Mahnung an andere Industrien sein.