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KommentarZustände in den Flüchtlingscamps sind eine Schande für Europa

Allein kann Griechenland den anschwellenden Flüchtlingsstrom nicht bewältigen. Drei Dinge müssen jetzt passieren, um eine zweite Flüchtlingskrise abzuwenden.Gerd Höhler 27.02.2020 - 14:31 Uhr

Seit Jahresanfang kamen 50 Prozent mehr Asylsuchende aus der Türkei über die Ägäis als im Vorjahr.

Foto: dpa

Die Bilder von den griechischen Ägäisinseln sind alarmierend: Mit Steinwürfen, Molotowcocktails und Schrotflinten versuchen aufgebrachte Bürger, den Bau neuer Flüchtlingslager zu verhindern. Die Polizei antwortet mit Schlagstöcken, Tränengas und Pfefferspray. Auf den Inseln bahnt sich eine Revolte an. Die Flüchtlingszahlen steigen.

Seit Jahresanfang kamen 50 Prozent mehr Asylsuchende aus der Türkei über die Ägäis als im Vorjahr. In manchen Inselorten gibt es bereits mehr Migranten als Einwohner. Die Menschen sind nach fünf Jahren Dauerkrise erschöpft und verbittert. Auch in den überfüllten Elendslagern gärt es. Die Zustände in den Camps sind eine Schande für Europa. Viele Migranten sind dort seit Jahren unter primitivsten Bedingungen eingepfercht. Immer häufiger entlädt sich ihr Frust in Gewaltausbrüchen.

Eine Entspannung ist nicht in Sicht, im Gegenteil. In Syrien sind Hunderttausende auf der Flucht aus der umkämpften Provinz Idlib. Damit wächst der Migrationsdruck auf Europa. Griechenland kommt als Erstankunftsland unter Zugzwang. Die Flüchtlingspolitik wird für den neuen konservativen Premier Kyriakos Mitsotakis zur Schicksalsfrage.

Die zum 1. Januar in Kraft getretene Reform des Asylrechts, mit der die Verfahren beschleunigt werden sollen, und der Bau geschlossener Abschiebelager auf den Inseln gehen zwar in die richtige Richtung. Bis die Maßnahmen greifen, werden aber viele Monate vergehen.

Drei Dinge müssen jetzt passieren, um eine drohende neue Flüchtlingskrise abzuwenden: Die EU-Staaten müssen Griechenland anteilig bei der Bearbeitung der rund 93.000 anhängigen Asylanträge entlasten. Griechenland selbst muss abgelehnte Bewerber zeitnah in die Türkei zurückschicken, auch um künftige Wirtschaftsmigranten zu entmutigen.

Und die Regierung in Ankara muss die Seegrenze zu Griechenland endlich wirksamer sichern, um die irreguläre Migration zu unterbinden. Nur die Türkei kann den Schleusern an ihren Küsten das Handwerk legen.

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