Morning Briefing: Die Niederlagen des Joe Biden
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
gegen den wandelnden Wüterich Donald Trump, 75, ist Joe Biden, 79, natürlich eine erfreulich zivilisierte Persönlichkeit. Ein Jahr nach der Inauguration zeigt sich leider sein größter Nachteil: Er setzt nichts durch. Nun erleidet der US-Präsident auf einen Schlag gleich zwei Niederlagen.
- Zum einen droht er mit dem Plan zu scheitern, im Senat die alte Filibuster-Regel zu ändern, wonach für die Verabschiedung eines Gesetzes 60 von 100 Stimmen nötig sind. Doch die für Arizona agierende Senatorin Kyrsten Sinema aus der eigenen demokratischen Partei versagt die Unterstützung. Damit löst sich Bidens hauchdünne Mehrheit im Senat auf.
- Die vom Präsidenten verfügte Impf- und Testpflicht für größere Firmen wird vom Supreme Court, dem höchsten Gericht des Landes, vorerst gestoppt. 80 Millionen Arbeitnehmer wären betroffen gewesen – doch mit der administrativen Regelung würden Bidens Behörden wahrscheinlich ihre Kompetenzen überschreiten, so die Richter. Auch die vom Weißen Haus geplante Maskenpflicht ist nun „on hold“.
- Wirtschaftspolitisch sind sieben Prozent Inflation Bidens Bürde, was den Ökonomie-Nobelpreisträger Robert Shiller im Handelsblatt-Interview besorgt: „Die Menschen reden viel über Inflation – und allein das ist schon eine große Gefahr.“ Aktien hält er für extrem überbewertet und glaubt, „dass die Märkte zwischen einem Drittel und 50 Prozent absacken könnten.“ Und schließlich ist sich Shiller sicher, dass Biden ein viel zu schwaches Mandat habe, um eine Idee eines Wohlfahrtsstaates umzusetzen.
USA 2022: Das „Biden-Bashing“ wird populär, und im Florida-Resort Mar-a-Lago gibt Trump eine Audienz nach der anderen.
Kritische Geister fragen, wo denn wohl die nächste Blase platzen wird. Von der „Einhornblase“ handelt unser Wochenendreport – vom Hype rund um Start-ups, die mindestens eine Milliarde Dollar wert sind, von der Hoffnung auf neue Stars wie Celonis, von der Gier der Investoren und der Angst der Älteren, der Boom könnte so enden wie 2000 im Dotcom-Crash.
Allein 2021 wurden 17,4 Milliarden Euro Wagniskapital in deutsche Neu-Firmen gesteckt, mehr als in den drei vorherigen Jahren zusammen. Die Bewertungen steigen, weil es woanders an Rendite fehlt, beschreibt meine Kollegin Larissa Holzki. Sie erzählt von einer Risikomanagerin, die ein Fintech erst plant und doch bereits von einem halben Dutzend Geldgeber „kalt“ angeschrieben wurde. Bei so viel Märchenwelt wenden wir uns gleich der Fantasyliteratur und beliebten Sprüchen über die Fabelgestalten zu: „Mein Einhorn sagt: Die Realität lügt.“ Und manchmal kneift es mich auch.