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Morning BriefingDie Quittung für das Chaos beim Heizungsgesetz

Christian Rickens 19.07.2023 - 06:18 Uhr
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Christian Rickens Foto: Handelsblatt
Morning Briefing vom 19.07.2023

Ewig Hoffnungsträger: Die Risiken des Indien-Hypes / Ewig auf der Flucht: Ein Lebenszeichen von Jan Marsalek

19.07.2023
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Guten Morgen, sehr geehrte Leserinnen und Leser, 

die indische Regierung sieht ihr Land als aufstrebende Wirtschaftsgroßmacht, und tatsächlich sind die Wachstumszahlen dort beeindruckend. Noch stärker ist allerdings der westliche Wunsch, mit Indien als Investitionsstandort und Absatzmarkt endlich eine Alternative zu China zu besitzen.

All diese Hoffnungen fliegen mit, wenn Wirtschaftsminister Robert Habeck heute nach Indien aufbricht. Umso wichtiger daher, sich auch mit dem Alternativszenario zum Indien-Hype zu befassen. Niemand vertritt es so vehement wie der indischstämmige Princeton-Ökonom Ashoka Mody.

„Die Behauptung, dass Indien boomt, ist völlig falsch“, sagt er im Interview mit dem Handelsblatt. Was angesichts einer prognostizierten Wachstumsrate von sechs Prozent im laufenden Jahr nach einer mutigen These klingt.

Modys Begründung: „Das Konsumwachstum hat sich verlangsamt, genauso wie das der privaten Investitionen. Was gestiegen ist, sind die öffentlichen Ausgaben. Das hat zwar eine vorübergehende Steigerung der Wachstumsrate zur Folge. Aber die Schwäche der privaten Investitionen zeigt uns, dass die Unternehmen nicht sehr optimistisch in die Zukunft blicken.

Der Ökonom prognostiziert, dass es Indien nicht gelingen werde, von der Verlagerung von Lieferketten aus China in großem Stil zu profitieren: „Indien kann mit Chinas Produktivität nicht mithalten.“ Die Lücke sei riesig und werde stetig größer.

Tatsächlich fiel das Volumen der neuen ausländischen Direktinvestitionen im vergangenen indischen Fiskaljahr um 16 Prozent auf 71 Milliarden Dollar – der erste Rückgang seit einem Jahrzehnt.

Für Deutschland ist Indien ohnehin nur ein Partner unter vielen. Das Handelsvolumen beträgt mit rund 30 Milliarden Euro etwa ein Zehntel des Handels mit China.

Die Debatte über das Heizungsgesetz verunsichert offenbar die Verbraucherinnen und Verbraucher – und hält sie davon ab, energetisch zu sanieren. Laut aktuellen Zahlen des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) sank im Juni die Zahl der Anträge auf Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) im Vergleich zum Vorjahresmonat von 53.000 auf knapp 26.000.

„Das Politikchaos der letzten Wochen und Monate hat, gepaart mit der aktuellen allgemeinen Investitionszurückhaltung, viel Verwirrung gestiftet“, sagt Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff). „Infolge ausbleibender Aufträge drohen sogar Fachkräfte die Branche zu verlassen, die dann später fehlen.

Das hätte uns jetzt gerade noch gefehlt, dass die wenigen Wärmepumpeninstallateure und Dämmungsspezialistinnen alle auf Tik-Tok-Influencer umschulen. Also, bitte bleibt in Eurem Beruf!

Vor etwa drei Jahren ist Jan Marsalek untergetaucht.

Foto: dpa

Der flüchtige Wirecard-Vorstand Jan Marsalek hat sich über seinen Anwalt beim Münchner Landgericht gemeldet. Sprecher von Staatsanwaltschaft und Gericht bestätigten am Dienstag den Eingang eines Schreibens von Marsaleks Rechtsanwalt bei der 4. Großen Strafkammer, die über den mutmaßlichen Milliardenbetrug bei Wirecard verhandelt.

Einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ zufolge hat der Österreicher sich darin zum Drittpartnergeschäft in Asien geäußert, das im Mittelpunkt des Prozesses gegen den ehemaligen Vorstandschef Markus Braun und zwei weitere ehemalige Manager steht: „Er soll zu verstehen gegeben haben, dass dieses – anders als von der Staatsanwaltschaft behauptet – doch existierte.“

Die Staatsanwaltschaft hält die angeblichen Drittpartnergeschäfte für eine Fälschung und die daraus erzielten Gewinne für erfunden. Der ebenfalls angeklagte ehemalige Wirecard-Statthalter in Dubai, Oliver Bellenhaus, hat den milliardenschweren Betrug als Kronzeuge eingeräumt. Auch Insolvenzverwalter Michael Jaffe hat keine Spuren der Transaktionen gefunden und hält es für erwiesen, dass diese Geschäfte erfunden waren.

Gegen den russischen Präsidenten liegt ein internationaler Haftbefehl vor.

Foto: AP

Einem internationalen Haftbefehl entzieht sich derzeit auch der russische Präsident – was Südafrika in eine Zwickmühle bringt. Wladimir Putin ist zu einem Schwellenländer-Gipfel vom 22. bis 24. August nach Johannesburg eingeladen. Südafrika hat die Statuten des Internationalen Strafgerichtshofs unterzeichnet. Das Land steht deshalb unter internationalem Druck, zu bestätigen, dass es Putin wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen in der Ukraine verhaften werde, sollte er anreisen.

Nun hat sich Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa zu dem Fall geäußert und schrieb in einer Erklärung: „Russland hat deutlich gemacht, dass die Festnahme seines amtierenden Präsidenten einer Kriegserklärung gleichkäme.“

Er könnte dem südafrikanischen Volk gegenüber nicht verantworten, „das Risiko eines Krieges mit Russland einzugehen“. Südafrika habe deshalb beim Internationalen Strafgerichtshof eine Ausnahmeregelung beantragt.

Die teuerste Art der Dummheit in Finanzfragen besteht darin, zu glauben etwas zu wissen, das man in Wahrheit nicht weiß. Rumänien scheint in dieser Hinsicht besonders gefährdet zu sein. Laut einer repräsentativen Eurobarometer-Umfrage im Auftrag der EU-Kommission gaben mehr als die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger in Rumänien an, über ein hohes oder sehr hohes Finanzwissen zu verfügen.

In der Umfrage wurden dann allerdings fünf Wissensfragen zu Themen wie Inflation oder Zinseszins gestellt. Hier belegt Rumänien EU-weit den letzten Platz, nur 13 Prozent der Befragten beantworteten vier oder fünf Fragen richtig. In Deutschland waren es 32 Prozent. Damit landet Deutschland beim Finanzwissen auf Platz 8 unter den EU-Ländern.

Doch nur eine Minderheit von 27 Prozent der Bundesbürger schätzt ihr Finanzwissen als hoch oder sehr hoch ein. Was erklären könnte, warum wir aus lauter Furcht vor undurchschaubaren Finanzprodukten unser Geld am liebsten auf dem Sparbuch aufbewahren.

Falls Sie sich jetzt fragen, wie Sie selbst bei den fünf Testfragen abgeschnitten hätten, hier die aus meiner Sicht kniffeligste:

Wenn Zinsen steigen, was passiert in der Regel mit Anleihekursen?

A) Sie werden steigen.
B) Sie werden sinken.
C) Sie bleiben gleich, da es keine Verbindung gibt.
D) Weiß ich nicht

Ich wünsche Ihnen einen Tag, an dem Sie wissen, dass Sie alles wissen.

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Herzliche Grüße

Ihr Christian Rickens
Textchef Handelsblatt

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