Morning Briefing: Pauschalreise in die Insolvenz – Die FTI-Pleite und ihre Folgen
Pauschalreise in die Insolvenz: Die FTI-Pleite und ihre Folgen
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
eine Woche Lanzarote für nur 548 Euro? Oder doch lieber nach Tunesien für unter 300 Euro? Oder wie wäre es mal mit der Dom. Rep., wie die Dominikanische Republik unter Pauschaltouristen gerne genannt wird, für nur 1098 Euro? Der Reiseanbieter FTI gab sich stets Mühe, verlockend günstige Traumurlaube anzubieten. Doch jetzt scheint diese Strategie das Münchener Unternehmen in die Pleite geführt zu haben.
Gestern stellte Europas drittgrößter Reisekonzern einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens – auch wegen seines Geschäftsmodells. Denn die Preispolitik brachte Urlaubern zwar Schnäppchen unter Palmen, dem Unternehmen selbst aber kaum noch Gewinne. Was jetzt mit Urlaubern passiert, die mit FTI im Ausland unterwegs sind und wieso die Pleite Auswirkungen auf die gesamte Branche haben könnte, lesen Sie in der heutigen Handelsblatt-Titelgeschichte.
Urlauber, die mit FTI gebucht haben, stellen sich jetzt viele drängende Fragen. Reisen, die noch nicht begonnen haben, können voraussichtlich vom heutigen Dienstag an nicht mehr oder nur in wenigen Fällen angetreten werden. Viele Kundinnen und Kunden fragen sich jetzt außerdem, ob ihre schon gebuchte und bezahlte Reise trotzdem stattfindet, oder ob sie wenigstens ihr Geld zurückbekommen. Die Gemengelage ist kompliziert. Wenn auch Sie eine Reise bei FTI gebucht haben, finden Sie die Antworten auf Ihre dringendsten Fragen in einem Ratgeberartikel meines Kollegen Jens Koenen.
Mit der FTI-Pleite ist auch klar, dass der Bund keine gute Investition tätigte, als er dem Reisekonzern während der Corona-Pandemie 600 Millionen Euro Unterstützung zukommen ließ. Vertreter des Bundesfinanz- und Bundeswirtschaftsministeriums hatten sich am Wochenende dagegen entschieden, diese Hilfen aufzustocken und das Unternehmen weiterhin künstlich am Leben zu erhalten. Zurecht, findet Handelsblatt-Unternehmensressortleiter Jürgen Flauger und analysiert:
Wirtschaftsakteure hätten sich daran gewöhnt, dass der Staat zu Hilfe eilt, wenn man nur laut genug ruft, meint der Kollege. Das sei ein „paternalistisches Verständnis der Rolle des Staates“, kritisiert er und fügt hinzu: „Die Intervention des Staats ist begründungspflichtig, nicht die Unterlassung des Eingriffs“.
Während die Pegelstände in den Hochwassergebieten langsam zurückgehen, stehen viele Hauseigentümer vor den durchnässten Trümmern ihrer Existenz. Glücklich können sich diejenigen schätzen, die eine Elementarschadenversicherung abgeschlossen haben. Doch deutschlandweit ist gerade einmal etwas über die Hälfte der Häuser durch eine solche Versicherung geschützt. Vor allem in Zeiten des Klimawandels, in denen Naturkatastrophen wie Fluten tendenziell zunehmen, ein geringer Anteil.
Handelsblatt Geldanlage-Experte Markus Hinterberger fordert deshalb, das Baurecht am Wasser anzupassen und die Elementarversicherung zu einer Pflichtversicherung zu machen. Es handle sich dabei nicht um Gleichmacherei, sondern einen „Akt der Solidarität“. Extremwetterereignisse gingen uns mehr und mehr alle an.
Heute soll verkündet werden, was schon lange so gut wie feststand: Premierminister Narendra Modi hat sich bei den Parlamentswahlen in Indien aller Voraussicht nach eine dritte Amtszeit sichern können. Eine Milliarde Menschen waren in den vergangenen sechs Wochen zur Wahl aufgerufen. Die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler scheint zufrieden mit dem Kurs ihres bisherigen Regierungschefs.
Ein Kurs, der tiefgreifende Veränderungen in der bevölkerungsreichsten Demokratie der Erde hervorgerufen hat – im positiven wie im negativen Sinne. Südostasien-Korrespondent Mathias Peer hat sich diesen Wandel genau angeschaut und mithilfe von neun Grafiken Schlussfolgerungen gezogen, die scheinbar widersprüchlich und doch alle gleichzeitig wahr sind.
Dazu zählen unter anderem:
- Indiens Wirtschaft ist im vergangenen Jahrzehnt bemerkenswert gewachsen.
- Die wirtschaftliche Transformation kommt jedoch nur langsam voran.
- Indiens Armut geht zurück.
- Besonders jungen Inderinnen und Indern fällt es allerdings schwer, Arbeit zu finden.
Angesichts dieser Beobachtungen scheint es kaum verwunderlich, dass selbst Expertinnen und Analysten am indischen Megastaat immer wieder verzweifeln, wenn es darum geht, eine Entwicklungsprognose abzugeben. Indien ist widersprüchlich und kaum zu greifen – gerade deshalb aber auch so faszinierend.
Wenn Sie die ökonomische Entwicklung des Landes ein wenig besser nachvollziehen wollen, empfehle ich Ihnen die Analyse von Mathias Peer.
Von Indien reisen wir jetzt in ein weiteres Land, über das in Deutschland viel Unwissen herrscht. Seit der Staatsschuldenkrise 2010 sind die Griechen hierzulande als „Pleite-Griechen“ verschrien. Wir Deutschen erzählen uns immer noch gerne die Geschichte, wie wir fleißiges Volk die faulen Griechen damals aus dem Schlamassel retteten.
Doch eine spannende Grafik zeigt jetzt noch einmal eindrucksvoll, dass man sich bei der Zuschreibung eines Landes nicht auf die Überschriften der Bild-Zeitung verlassen sollte. Denn wir Deutschen müssen uns eingestehen: Die Griechen sind sehr viel fleißiger als wir. Sie arbeiten pro Woche im Schnitt sechs Stunden mehr.
Und damit nicht genug. Während wir Deutschen über die Vier-Tage-Woche diskutieren, führen die Hellenen ab Juli die Möglichkeit einer Sechs-Tage-Woche ein, um dem Arbeitskräftemangel zu begegnen. Beschäftigte, die einen zusätzlichen Tag pro Woche arbeiten, werden dafür mit üppigen Zuschlägen belohnt. Die Mehrarbeit ist freiwillig und kann vom Arbeitgeber nicht angeordnet werden.
Ihr großer Fleiß bringt den Griechen bisher allerdings nicht viel. Der durchschnittliche Bruttolohn betrug im vergangenen Jahr gerade einmal 1251 Euro.
Zum Abschluss noch ein kurzer Tipp für Ihren nächsten Urlaub mit dem eigenen Auto – es muss ja nicht immer die Dom. Rep. sein. Sollten Sie sich das nächste Mal auf der Autobahn in einem langen Stau befinden, empfehle ich Ihnen, schnell Staffelei und Pinsel zu zücken und die Blechkolonne als Kunstwerk zu verewigen. So wie der niederländische Maler Cedric Visser, der mit Autobahnmalerei mittlerweile eine ganze Ausstellung füllt.
Ich erkläre mich gerne bereit, Ihre Tipps für die schönsten Asphaltlandschaften entgegenzunehmen. Ich persönlich kann die A45 durch das Sauerland sehr empfehlen. „Marode Talbrücke im Dämmerlicht“ hätte selbst Caspar David Friedrich entzückt.
Ich wünsche Ihnen einen guten Tag voller pittoresker Ansichten.
Es grüßt Sie herzlich
Ihre
Teresa Stiens
Redakteurin Handelsblatt
PS: Rheinmetall ist neuer Sponsor beim Dortmunder Fußballclub BVB: In den kommenden drei Jahren gehört der Rüstungskonzern als „Champion Partner“ nun zu den wichtigsten Sponsoren des Vereins. Doch BVB-Fans lehnen den Deal entschieden ab. Ihre Kritik: Der Rüstungskonzern benutze den Fußballverein, um sein Image aufzupolieren. Uns interessiert: Was halten Sie von der Partnerschaft? Ist ein Rüstungskonzern ein Sponsor wie jeder andere? Hat die Kooperation Auswirkungen auf den Ruf des Vereins? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in fünf Sätzen an forum@handelsblatt.com. Ausgewählte Beiträge veröffentlichen wir mit Namensnennung am Donnerstag gedruckt und online.