Morning Briefing Plus: Die Suche nach dem Phantom
Liebe Leserinnen und Leser,
bevor wir heute zu den wichtigsten Ereignissen der Woche kommen, möchte ich Ihnen die Geschichte einer E-Mail erzählen, mit der eine der spannendsten Handelsblatt-Recherchen dieses Jahres begann.
Es ist der 17. Mai 2024, als ein Hörer unseres Investigativ-Podcasts Handelsblatt Crime an die Redaktion schrieb. Betreff: „Massiver Anlagebetrug“. Der krebskranke Mann aus Hamburg habe, so wie Hunderte andere auch, viel Geld bei einer Firma angelegt, die nun nicht mehr erreichbar sei. Ob das für das Handelsblatt von Interesse wäre?
Meine Kollegen Lars-Marten Nagel und Michael Verfürden hatten schon viele solcher Fälle recherchiert. Aber dieser hier war anders. Das LKA ermittelte zwar schon – wusste aber nicht einmal, nach wem es suchen sollte. Auf dem Deckel der Ermittlungsakte stand: Christopherus de Borbon. Der angebliche Adlige soll Investoren Millionen abgenommen haben. Das Problem ist nur: Es gab ihn nicht.
Dann der Durchbruch: Während das BKA immer noch im Dunkeln tappte, wurde Lars und Michael ein Foto von „de Borbon“ zugespielt. Mithilfe einer speziellen Software fanden sie heraus, wer wirklich hinter dem Namen steckte: ein Hochstapler, der seit 20 Jahren Menschen täuscht, mal als Adliger, mal als Selfmade-Millionär, mal als professioneller Polospieler. Und jedes Mal entwischt er.