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Morning BriefingMachen wir uns selbst überflüssig, wenn wir die KI trainieren?

Teresa Stiens 02.01.2026 - 06:16 Uhr
Handelsblatt Morning Briefing

Führung: Wie sich Stress vermeiden lässt / Konjunktur: Neuer Ausblick für die Wirtschaft

vor 58 Min.
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Liebe Leserinnen und Leser,

tue was du liebst, der Rest kommt von allein – das Geheimnis von Eon-Chef Leonhard Birnbaum für mehr Gelassenheit in einem Spitzenjob klingt denkbar einfach. Von einer 70-Stunden-Woche lässt er sich laut eigener Aussage kaum stressen, viel mehr Angst hat Birnbaum vor Langeweile. „Es gibt tausend Wege, Stress zu bewältigen. Und jeder muss für sich selbst herausfinden, was funktioniert“, sagt er.

Dabei ist es gar nicht so einfach, den Königsweg der Gelassenheit für sich zu finden, wenn man als CEO das Unternehmen von einer Krise durch die nächste navigieren muss. Da kann es helfen, sich die Tricks der Top-Entscheiderinnen und -Entscheider der deutschen Wirtschaft einmal genauer anzuschauen.

Genau das hat ein Team von Handelsblatt-Reporterinnen und ‑Reportern getan. Ihre erstaunliche Erkenntnis: Die deutsche Wirtschaft ist überraschend gelassen. Eine Erklärung dafür lautet: Wenn Krise zum Dauerzustand wird, wird Feuerlöschen zum Alltag. Der Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hilft dabei auch ihre langjährige Erfahrung als Managerin. Sie sagt schlicht: „Ich weiß, dass die Welt am nächsten Tag immer noch dastehen wird.“ Bei uns im Rheinland würde man wohl sagen: „Et hätt noch emmer joot jejange.“

„Okay“-Zeichen eines Managers: Ruhe bewahren auch in kritischen Situationen. Foto: Lennart Gäbel

Doch neben dem richtigen „Mindset“ schützen auch noch andere konkrete Tipps vor Überarbeitung. Christina Puello, Chefin der Deutschen Dienstrad, hat sich zum Beispiel selbst mit der „Tina-KI“ eine Art digitalen Zwilling mit künstlicher Intelligenz angelegt, den sie zu Briefings und inhaltlicher Terminvorbereitung befragt. Damit nutzt sie ein Potenzial, das viele andere Managerinnen und Manager bisher noch liegen lassen.

Kann die Maschine den Menschen ersetzen?

Roboterhand in Aktion: Was macht der Mensch, was die Maschine? Foto: Gemini, ChatGPT [M] Handelsblatt

Macht sich Christina Puello mit der KI, die ihren eigenen Spitznamen trägt, nicht selbst überflüssig? So weit dürfte es vermutlich noch nicht sein, und doch stellt sich die Frage, wie viel Mensch noch benötigt wird, wenn die Maschine immer mächtiger wird. Eine Frage, der sich mehrere meiner Kolleginnen und Kollegen in einem großen Essay angenähert haben.

Es geht um die Frage, ob die KI eine Generation junger Menschen kreiere, die „nicht denken könne“, wie es das „Wall Street Journal“ jüngst formulierte. Und um die Frage, was mit einer Demokratie passiert, wenn die KI Wahrheit und Lüge verschwimmen lässt. Am Ende geht es aber vor allem um die Angst, dass die Maschine den Menschen ersetzen könnte.

Wendet sich Trump nun doch gegen Putin?

Dieses vom Pressedienst der ukrainischen Armee zur Verfügung gestellte Foto zeigt einen Soldaten an der Frontlinie in der Nähe von Kostjantyniwka in der Region Donezk, der nach ferngesteuerten Drohnen Ausschau hält. Foto: Iryna Rybakova/Ukrainian 93rd Me

Es war nur ein Klick, doch wenn er vom Zeigefinger des mächtigsten Mannes der Welt stammt, bekommt er weltweit Beachtung. US-Präsident Donald Trump hat auf seiner Plattform Truth Social einen russlandkritischen Kommentar der Boulevardzeitung „New York Post“ geteilt. Darin heißt es, jeder Angriff auf den russischen Präsidenten sei „mehr als gerechtfertigt“. Putin sei die eigentliche Hürde auf dem Weg zum Frieden. Es wird in dem Kommentar dafür plädiert, keine weiteren Zugeständnisse an Russland zu machen. Vielmehr sei ein härteres Vorgehen nötig.

War Trump an seinem Smartphone kurzzeitig eingenickt und mit dem Finger abgerutscht, oder teilt er diese Meinung tatsächlich? Für Letzteres spricht, dass ihn CIA-Chef John Ratcliffe kurz zuvor darüber informiert hatte, dass es entgegen russischer Darstellung keinen Drohnenangriff der Ukraine auf ein Anwesen von Wladimir Putin gegeben habe.

Wie sehr kränkelt die deutsche Wirtschaft?

Containerschiffe im Hamburger Hafen: Marktanteilsverluste der deutschen Exportwirtschaft. Foto: Christian Charisius/dpa

Leidet die deutsche Wirtschaft unter Long Covid? Bald sechs Jahre nach Ausbruch der Pandemie haben es die meisten Volkswirtschaften geschafft, sich weit über das Vor-Corona-Niveau hochzuarbeiten. Doch Deutschland bleibt ökonomisch weiter angeschlagen. Die Dynamik des einstigen Wachstumstreibers der Euro-Zone ist zum Erliegen gekommen.

Wenn so lange nach Ausbruch der akuten Krise noch immer keine deutliche Besserung in Sicht ist, bleibt zu befürchten, dass die Wachstumsschwäche chronisch geworden ist. Eine neue Prognose des Handelsblatt Research Institutes (HRI) geht zwar davon aus, dass die deutsche Wirtschaft 2026 und 2027 zwei Jahre in Folge zulegen dürfte. Doch die prognostizierten Zuwachsraten von 0,7 und 0,9 Prozent deuten nicht auf eine vollkommene Spontanheilung hin.

Lohnen sich chinesische Aktien?

Chinas Wirtschaft hingegen wächst noch immer – wenn auch längst nicht mehr so schnell wie früher. Doch ist Chinas Finanzmarkt auch eine gute Anlageoption? James Wang, Leiter der China-Strategieabteilung bei UBS ist optimistisch und sagt: „Wir erwarten ein weiteres positives Jahr für chinesische Aktien.“

Im vergangenen Jahr legten die Aktienindizes in Fernost traumhafte Werte auf das Parkett. Der MSCI China Index stieg um gut 31 Prozent, der Hongkonger Leitindex Hang Seng um etwa 29 Prozent. Mehrere Chancen, die China-Korrespondent Martin Benninghoff identifiziert hat, sprechen dafür, dass sich dieser Trend noch weiter fortsetzt.

Die slowenische Vielflieger-Familie

Zum Abschluss werfen wir noch einen Blick auf ein besonderes Familienunternehmen aus Slowenien. „Prevc“ heißt es und tätig ist es im Skispringen, wo es derzeit ganz besondere Erfolge feiert. Domen Prevc gewann gestern das Neujahrsspringen der Vierschanzentournee, seine Schwester Nika holte den Gesamtsieg bei den Frauen. Ihr älterer Bruder Peter hat bereits die Vierschanzentournee und einen Gesamtweltcup gewonnen, der mittlere Bruder Cene gewann in derselben Disziplin mit der Mannschaft olympisches Silber.

Ich frage mich, wie ein Weihnachtsfest in der Familie Prevc wohl aussieht. Geht es dort nur um das Skispringen, oder nimmt man sich dort vor, auch einmal nicht über die Arbeit zu sprechen?

Ich persönlich gebe meine Arbeit an dieser Stelle wieder zurück an meinen Kollegen Christian Rickens, der frisch erholt aus dem Weihnachtsurlaub zurückgekehrt ist.

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Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Start in das neue Jahr.

Es grüßt Sie herzlich Ihre

Teresa Stiens

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