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Morning BriefingWirtschaftsweise, aber kein bisschen leise: Krach des Sachverständigenrats um Grimm-Mandat

Christian Rickens 21.02.2024 - 06:15 Uhr
Handelsblatt Morning Briefing

Wirtschaftsweise, aber kein bisschen leise: Streit um Grimm-Mandat

21.02.2024
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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Krach bei den Wirtschaftsweisen: Vier der fünf Mitglieder des ökonomischen Sachverständigenrats der Bundesregierung fordern Veronika Grimm auf, das Gremium zu verlassen, sollte sie ein Aufsichtsratsmandat bei Siemens Energy (SEAG) annehmen. In einer dem Handelsblatt vorliegenden Mail legen Ratsvorsitzende Monika Schnitzer und die übrigen drei Mitglieder Grimm wegen „möglichen Interessenkonflikten“ den Rücktritt nahe: „Wir möchten Dich bitten, Dich im Falle einer Wahl in den SEAG-Aufsichtsrat für eines der beiden Mandate zu entscheiden.“

Die E-Mail an Grimm ist zugleich an Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt sowie die Minister Christian Lindner und Robert Habeck gerichtet. Zuerst hatte der Newsletter „Berlin.Table“ über den Streit berichtet.

In der ebenfalls dem Handelsblatt vorliegenden Antwortmail lehnt Grimm einen Verzicht kategorisch ab: „Wie Ihr wisst, ist eine Mitgliedschaft in einem Aufsichtsrat in einer deutschen Aktiengesellschaft rechtlich nicht zu beanstanden.“

Veronika Grimm wird der Rücktritt aus dem Sachverständigenrat nahegelegt. Foto: REUTERS

In der Vergangenheit hätten Mitglieder des Sachverständigenrats bereits Aufsichtsratsmandate wahrgenommen, was die Arbeit nicht negativ beeinträchtigt habe.

Zuletzt hatte die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro parallel bei Thyssen-Krupp im Kontrollgremium gesessen. Unterstützung erhält Grimm vom früheren Vorsitzenden des Sachverständigenrats, Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup: „Das Verfahren überrascht mich sehr. So eine Vorgehensweise kenne ich aus meiner Zeit als Vorsitzender des Sachverständigenrats nicht.“

An Staaten wie Indonesien wird sich zeigen, wie viel Anziehungskraft der politische Westen noch besitzt. Die Demokratie mit bald 280 Millionen Einwohnern wächst ökonomisch mit fünf Prozent pro Jahr und wird als Handels- und Bündnispartner vom Westen ebenso umworben wie von China.

Was wie eine diplomatische Fußnote klingt, gewinnt in diesem Umfeld geopolitische Bedeutung: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) will Beitrittsgespräche mit Indonesien aufnehmen. Das beschloss der OECD-Rat am Dienstag. Dessen Generalsekretär Mathias Cormann würdigte die Entscheidung als historisch: „Indonesiens Bewerbung ist die Erste aus Südostasien, einer der dynamischsten Wachstumsregionen der Welt.“

Die OECD vereint 38 Länder, die sich zu Demokratie und Marktwirtschaft bekennen. Mittlerweile sind dort neben großen Volkswirtschaften wie Deutschland, den USA und Japan auch Schwellenländer wie Mexiko und Chile Mitglied.

Wir bleiben in Asien: In Pakistan bildet sich eine Minderheitsregierung um den ehemaligen Ministerpräsidenten Shehbaz Sharif von der Partei Muslimliga. Nach zehntägigen Verhandlungen hat die Pakistanische Volkspartei eine Koalitionsvereinbarung mit der Muslimliga geschlossen.

Die von Gewalt überschattete Parlamentswahl am 8. Februar war ohne eindeutigen Sieger ausgegangen. Die vom inhaftierten Ex-Ministerpräsidenten Imran Khan unterstützten Kandidaten hatten die meisten Sitze erhalten. Sowohl Khan als auch der frühere Ministerpräsident Nawaz Sharif reklamierten den Sieg für sich. Nawaz ist der ältere Bruder von Shehbaz Sharif und hat ihn als Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten vorgeschlagen.

Die Co-Chefin der AfD, Alice Weidel, hat sich gestern mit Marine Le Pen von der französischen Rechts-Partei Rassemblement National, getroffen. Weidel bedankte sich auf der Plattform X für den „herzlichen Empfang“ in Paris und schrieb: „Wir haben viele politische Themenfelder besprochen und festgestellt, dass wir bei den großen Problemen der heutigen Zeit die gleichen Lösungsansätze verfolgen.“

Hintergrund des Treffens waren Verstimmungen zwischen beiden Parteien nach der Berichterstattung über die Konferenz in Potsdam, in der es auch um massenhafte Abschiebung von Migranten aus Deutschland gegangen sein soll.

Schon als Zehnjähriger hatte ich eine Schwäche, die sich bis heute erhalten hat: Ich drehe mich auf der Straße gerne nach Autos um, deren Design mir gefällt. Immer häufiger bleibt mein Blick dabei an Produkten des Stellantis-Konzerns hängen. Der Opel Mokka, als Kompakt-SUV eigentlich vorgemerkt für die automobile Schreckenskammer? Gar nicht mal so schlimm. Der Peugeot 208? Genauso schick wie sein Urahn 205 aus den 80er Jahren. Der Alfa Romeo Giulia? Gefällt sogar meinem Sohn, der in diesen Fragen sehr kritisch ist.

Hinter dem ansehnlichen Design steckt auch eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte. Stellantis ist im Wesentlichen ein Konglomerat aus zusammengekauften Brot-und-Butter-Automarken. Doch bei wesentlichen Erfolgskennzahlen liegt der Konzern inzwischen vor dem Konkurrenten Volkswagen, wie unsere Grafik zeigt.

Zwei Faktoren sind dafür ausschlaggebend:

  • Stellantis hat nie so richtig in China Fuß gefasst und ist dafür in Nordamerika stark. Das erweist sich jetzt, wo das Geschäft für westliche Autokonzerne in China schwieriger wird, als strategischer Vorteil.
  • Deutlich konsequenter als Volkswagen nutzt Stellantis gemeinsame Technik über alle Marken hinweg. Befindlichkeiten von Markenchefs walzt Konzernlenker Carlos Tavares konsequent nieder.

Spannend wird, wie Stellantis die Wende zur Elektromobilität meistert. Volkswagen investiert in diesem Bereich deutlich mehr. Doch bislang haben die Wolfsburger ihre Elektro-Anstrengungen nicht in entsprechende Absatzzahlen ummünzen können.

Dass es Volkswagen bisweilen schwer fällt, seine Entwicklungs-PS auf die Straße zu bringen, zeigt auch eine Personalie bei der Konzerntochter Audi. Dort übernimmt Vorstandschef Gernot Döllner zusätzlich das Amt des Entwicklungschefs, wie das Handelsblatt aus Konzernkreisen erfahren hat. Der bisherige Entwicklungsvorstand Oliver Hoffmann soll künftig das Formel-1-Engagement von Audi verantworten.

Audi plagen seit Jahren Probleme in der technischen Entwicklung. Der Premiumhersteller musste deswegen mehrfach den Anlauf neuer Modelle verschieben. Im vergangenen Jahr kosteten die Probleme bereits den früheren Audi-Chef Markus Duesmann den Job

Die Gigafactory Berlin-Brandenburg von Tesla soll erweitert werden. Foto: dpa

Aber auch Technologieführerschaft schützt nicht vor Ärger: Die Erweiterungspläne für das Werk des US-Elektroautobauers Tesla in Grünheide bei Berlin stoßen bei einer Bürgerbefragung auf Ablehnung. Gegen das Vorhaben votierten 3499 Einwohner, 1882 dafür, wie der Bürgermeister von Grünheide am Dienstagabend mitteilte. Die Befragung ist allerdings nicht bindend. Tesla betreibt in Grünheide auf 300 Hektar eine E-Auto-Fabrik. Der Konzern will die Produktion erhöhen und sein Werksgelände erweitern. Rund 100 Hektar Wald müssten gerodet werden.

Oscar-Preisträger Sam Mendes („American Beauty“, „Skyfall“) will die Geschichte der Beatles mit vier Spielfilmen würdigen. Sony Pictures und die Produktionsfirma des britischen Regisseurs gaben das Projekt gestern bekannt. Der Kinostart ist für 2027 geplant. Mendes will die Filme jeweils aus der Sicht eines der vier Musiker erzählen.

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Anregung: Um das Projekt noch authentischer zu machen, sollten die Perspektiven von John Lennon und Paul McCartney unbedingt von zwei konkurrierenden Regisseuren inszeniert werden, die dann beide behaupten, den einzig wahren Beatles-Film gedreht zu haben.

Ich wünsche Ihnen einen Tag, an dem Liebe alles ist, was Sie brauchen.

Herzliche Grüße
Ihr
Christian Rickens
Textchef Handelsblatt

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