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Elektromobilität Das amerikanischste E-Auto der Welt – der Ford Explorer im Handelsblatt-Autotest

Der Ford Explorer ist groß, schwer und halbelektrisch. Kann der amerikanische Traum damit auch auf deutschen Straßen wahr werden? So schlägt sich der stärkste Hybrid von Ford im Test.
23.09.2020 - 09:34 Uhr 1 Kommentar
Der stärkste Hybrid von Ford ist eine imposante Erscheinung. Quelle: Ford
Ford Explorer

Der stärkste Hybrid von Ford ist eine imposante Erscheinung.

(Foto: Ford)

Düsseldorf „Arbeitest du jetzt beim Secret Service?“, werde ich von einer Freundin gefragt, als ich vor ihrer Haustür parke. „Bist du gerade in Brooklyn unterwegs?“, vermutet die nächste, nachdem ich ein Foto vom Auto verschickt habe. „Darfst du den überhaupt fahren, so ganz ohne Lkw-Führerschein?“, antwortet ein Freund und schickt einen Lachsmiley hinterher.

Ich kann sie alle beruhigen. Ich arbeite nicht für den Präsidenten, mache keinen Urlaub in Brooklyn und sitze mit dem richtigen Führerschein hinter dem Steuer. Ich teste lediglich eine Woche den neuen Ford Explorer, das amerikanischste Elektroauto der Welt.

Keine Automarke ist so typisch amerikanisch wie Ford. Mit dem F-150 baut die Marke seit Jahrzehnten das meistverkaufte Auto der USA. Auch der Explorer wird – anders als die Kleinwagen aus Köln – in Chicago gebaut. America first auf Rädern – ein Auto nach Donald Trumps Geschmack. Doch das höher, schneller, weiter scheint nicht nur mit den europäischen Straßenverhältnissen, sondern auch mit den Klimazielen hierzulande zu kollidieren. Kein Wunder also, dass der Ford Explorer auf deutschen Straßen Fragen aufwirft.

Abseits der langen amerikanischen Highways wirkt der Wagen wie ein Riese unter Zwergen und wird schnell zur Kostenfalle. Deshalb gibt es die sechste Explorer-Generation hierzulande nur als Plug-in-Hybrid. Rettet die Ökoversion des SUVs die dicken amerikanischen Schlitten in die Zukunft? Und lohnt sich so ein Auto in europäischen Städten überhaupt?

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    Der Elektrowagen ist vor allem eines: riesig. Mit einer Länge von 5,06 Metern, einer Breite von 2,29 Metern und einer Höhe von 1,78 Metern passt der SUV nirgendwo hin und fällt überall auf. Ich selbst bin in den ersten Tagen jedes Mal wieder überrascht von diesem Monstrum und hauptsächlich damit beschäftigt Vergleichsfotos via Handy zu verschicken: Der Ford in einer zu kleinen Parkbox, der Ford neben einem winzig wirkenden Transporter, ich im Kofferraum.

    Der breite Kühler und die wuchtige Erscheinung des Ford Explorer ist sehr amerikanisch.
    American Dream

    Der breite Kühler und die wuchtige Erscheinung des Ford Explorer ist sehr amerikanisch.

    Neben der schieren Größe lassen vor allem der Metalliclook und der verchromte Kühlergrill mich und meine Beifahrer regelmäßig an die USA denken. Meine Schwester klettert für die erste Probefahrt auf den Beifahrersitz, lehnt sich zurück und muss unwillkürlich grinsen. „Ich fühle mich echt wie ein Star hier drin“, sagt sie. Ich muss ihr recht geben, solche Autos kenne ich für gewöhnlich aus Hollywoodfilmen. Wir fahren das Schiebedach zurück: California, here we come.

    Während der äußere Eindruck mich vor allem erschlägt, ist der innere sehr luxuriös: Das gesamte Armaturenbrett ist mit Leder bezogen, zwischendrin ist dunkles Holz verbaut. Hinzu kommt ein Zehn-Zoll-Bildschirm, das Soundsystem von Bang und Olufsen, Massagesitze und vor allem viel Platz. Bis zu sieben Beifahrer können im SUV sitzen, was ich aufgrund der Corona-Pandemie allerdings nicht ausgetestet habe. Sind alle Sitze im Einsatz, bietet der Kofferraum noch immer ein Fassungsvolumen von 240 Litern, sind die Kofferraumsitze eingeklappt schon 635 Liter.

    Sind alle Sitze umgeklappt, wird aus dem SUV fast schon ein Nutzfahrzeug mit maximal 2274 Liter Fassungsvermögen. Damit kann ein Förster einen Hirsch nach Hause transportieren. Wem das nicht reicht, der kann mit einer Anhängerkupplung sogar noch einen Anhänger von bis zu 2,5-Tonnen-Gewicht ziehen. „Muss noch jemand zu Ikea in den nächsten Tagen?“, fragt eine Beifahrerin von der Rückbank. Ja, mit diesem Auto wird man schnell der Möbellieferant im Bekanntenkreis.

    Kaum zu glauben, dass dieser Riese trotzdem ein umweltfreundliches Auto sein soll. Ford kombiniert im Explorer einen drei Liter großen V6-Benziner von 363 PS mit einem 102 PS starken Elektromotor. Die gebündelte Kraft von 457 PS lässt den riesigen SUV innerhalb von sechs Sekunden Tempo 100 erreichen, bei 230 Stundenkilometern ist Schluss. Sieben verschiedene Fahrprogramme und vier E-Programme unterstützen den SUV je nach Wetterlage und Bodenbeschaffenheit dabei. Kostenpunkt: Mindestens 76.000 Euro.

    Der Ford Explorer ist wohl das einzige Elektroauto mit vier Auspuffrohren.
    Mächtig Kraft

    Der Ford Explorer ist wohl das einzige Elektroauto mit vier Auspuffrohren.

    Käufer können allerdings die staatliche Förderung für Elektroautos für den Ford Explorer in Anspruch nehmen. Der 13 kW große Akku mit einer elektrischen Reichweite von ungefähr 44 Kilometern macht das möglich. Allerdings nur, wenn der Fahrer regelmäßig lädt. Und dafür braucht es Disziplin oder zumindest eine eigene Garage, denn der Ladeaufwand steht in keinem Verhältnis zu der schmalen elektrischen Reichweite.

    Das Aufladen der Batterie an einer herkömmlichen 230-Volt-Haushaltssteckdose soll laut Ford fünf Stunden und 50 Minuten dauern. An einer öffentlichen Ladestation funktioniert das Ganze in vier Stunden und 20 Minuten. Ich brauche allein 60 Minuten, um eine passende Ladesäule zu finden.

    Über die Shell-App lasse ich mir die Ladesäulen in der näheren Umgebung anzeigen. Die DC-Schnelllade-Säule direkt um die Ecke scheidet leider aus, weil der Explorer natürlich keinen CCS-Anschluss hat. Stattdessen lädt er mit maximal 3,6 kW über einen Typ-2-Stecker. Ich lasse mir vom Bordcomputer eine passende Ladesäule anzeigen und fahre ins fünf Kilometer entfernte Industriegebiet.

    Dort werde ich leider nicht fündig. Ich fahre einige Hinterhöfe ab, bete, dass ich irgendwo genug Platz zum Drehen finde und bin froh, dass ich noch Benzin im Tank habe – denn nirgendwo ist eine Ladesäule zu sehen. In diesem Riesen-SUV wird die Suche nach Ladesäulen zu einem Roadtrip, den man sich lieber erspart. Entnervt wähle ich schließlich im Menu des Fords eine Ladesäule aus, die ich schon mal gesehen habe.

    Durch die Fahrerei habe ich allerdings nur noch 20 Minuten Zeit für den Ladeversuch. Ich schließe den Wagen an, setze mich in den Schatten und denke über die Umweltbilanz dieser Batterieladung nach: 15 Kilometer mit einem V6-Benziner durch die Gegend gefahren und eine Stunde unterwegs gewesen, nur um Strom zu laden, der für diese Strecke nicht mal reichen würde. Klimafreundlich ist das alles nicht. Nach 20 Minuten stöpsle ich den Wagen ab. An der Reichweite hat sich so gut wie nichts geändert. Die Batterie ist nach wie vor leer und ich fahre mit Benzin im Tank zu meiner Verabredung.

    Der Ford Explorer ist zwar groß, aber nicht grobschlächtig.
    Liebe zum Detail

    Der Ford Explorer ist zwar groß, aber nicht grobschlächtig.

    Für Amerikaner, die das Benzin in Gallonen in den Tank jagen, mag das egal sein. In Deutschland geht das ins Geld. Auf dem Papier kommt der Ford Explorer auf einen Verbrauch von 3,1 Litern Super auf 100 Kilometern. Das aber auch nur, wenn die Batterie voll geladen ist, was bei mir selten der Fall ist. Real zeigt der Wagen mir einen Verbrauch zwischen 10 und 13 Litern pro 100 Kilometer im Display an.

    Während ich den Riesen nass geschwitzt durch die Innenstadt manövriere und hoffe, nirgendwo gegenzufahren, schauen meine Mitfahrer begeistert aus dem Fenster auf die anderen Autos herab. „Wie im Reisebus“, erklärt eine Freundin von der Rückbank. Stimmt genau: Reisen kann man im Ford Explorer lange Strecken ganz entspannt. Im Berufsverkehr durch die Straßen zirkeln und einparken dagegen überhaupt nicht. Denn wenn es eines in der Innenstadt nicht gibt, dann sind es große Parkplätze.

    Mit meinem eigenen Kleinwagen kann ich mich immer mal irgendwo dazwischenquetschen. Mit dem Ford Explorer habe ich keine Chance. Quetschen funktioniert bei dem Wagen schon mal nicht, denn für die meisten Parkboxen ist er einfach viel zu breit: Die Pieper spielen an allen Seiten verrückt und weisen mich darauf hin, dass ich in den nächsten Sekunden wahrscheinlich dem Nebenmann den Spiegel abfahren werde.

    Rückwärts am Straßenrand einzuparken ist erstaunlicherweise leichter, aber nicht weniger schweißtreibend. Ich konzentriere mich auf die 360-Grad-Kamera und ignoriere die Autos im Rückspiegel, die darauf warten, dass ich die Straße endlich frei mache. Zwei Züge später stehe ich in der Lücke und atme erleichtert durch. Eine Fahrt im Ford Explorer ist wie eine kleine Lkw-Führerscheinprüfung.

    Trotz der Einpark-Strapazen bin ich gegen Ende der Testwoche dann doch ein bisschen traurig, den Wagen wieder abgeben zu müssen. Keine Frage, für die Stadt ist der Ford Explorer überhaupt nicht geeignet, aber das amerikanische Lebensgefühl werde ich vermissen. Sobald ich hinter dem Steuer sitze und mir die Sonne durch das Dachfenster ins Gesicht scheint, fühle ich mich bereit für einen langen Roadtrip über Highways mit dem Horizont als Ziel. Am Ende steht im Ruhrgebiet dann meist leider nur der nächste Stau auf der A40.

    Mehr: Der ECQ von Mercedes hatte einige Anlaufschwierigkeiten. Im Handelsblatt-Autotest zeigt der Tesla-Herausforderer aber auch einige Stärken.

    Wer den Ford Explorer laden will, braucht viel Geduld.
    Lange Leitung

    Wer den Ford Explorer laden will, braucht viel Geduld.

    Technische Daten

    Fünftüriges, siebensitziges SUV der Oberklasse

    • Länge: 5,06 Meter
    • Breite: 2,11 Meter (Breite mit Außenspiegeln: 2,29 Meter)
    • Höhe: 1,78 Meter
    • Radstand: 3,03 Meter
    • Kofferraumvolumen: 240 – 2.274 Liter
    • Antrieb: 3,0-Liter-V6-Benziner plus Elektromotor
    • Systemleistung 336 kW/457 PS bei 5.750 U/min
    • maximales Drehmoment: 825 Nm bei 2500 U/min
    • Allradantrieb
    • Zehngang-Automatik
    • 0-100 km/h: 6, s
    • V/max: 230 km/h
    • Normverbrauch: 3,1 Liter/100 Kilometer
    • CO2-Ausstoß: 71 g/km
    • Batteriekapazität: 13,6 kWh
    • elektrische Reichweite: 44 km
    • Preis: ab 76.000 Euro
    Unsere Testerin (1,78 Meter) findet problemlos Platz im Kofferraum.
    Genug Platz

    Unsere Testerin (1,78 Meter) findet problemlos Platz im Kofferraum.

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    1 Kommentar zu "Elektromobilität: Das amerikanischste E-Auto der Welt – der Ford Explorer im Handelsblatt-Autotest"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Warum brauchten Sie 60 Minuten um einen Ladepunkt zu finden? Jede Haushaltssteckdose funktioniert hier. Ich selber fahre einen Outlander PHEV (der einzige PHEV mit Schnelladefunktion) und höre immer die Frage und muss mich wundern weil fast jedes Haus eine Aussensteckdose hat.

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