Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Autoindustrie Sharing Mobility bringt BMW, Daimler und VW ins Schleudern

Mobilitätsdienstleister wachsen viel schneller als das klassische Geschäft mit Fahrzeugen. Aber die deutschen Autobauer sind unentschlossen.
01.10.2020 - 08:42 Uhr Kommentieren
VWs Vorzeigeprojekt: Die speziell ausgerüsteten Kleinbusse von Moia, die mehrere Fahrgäste einsammeln und zu gemeinsamen Zielen fahren, sind derzeit in Hamburg und Hannover unterwegs. Insgesamt tun sich die Autokonzerne mit Mobilitätsdiensten aber schwer. Quelle: dpa
VW-Fahrdienst Moia

VWs Vorzeigeprojekt: Die speziell ausgerüsteten Kleinbusse von Moia, die mehrere Fahrgäste einsammeln und zu gemeinsamen Zielen fahren, sind derzeit in Hamburg und Hannover unterwegs. Insgesamt tun sich die Autokonzerne mit Mobilitätsdiensten aber schwer.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Mobilitätsstrategie der Autobranche gleicht einer Achterbahnfahrt. Mal geht es mit aller Kraft und Millionen-Investitionen in neue Dienste, mal geht es mit hohem Tempo wieder raus. BMW und Autovermieter Sixt beispielsweise bauten mit Drive Now einen der führenden Carsharinganbieter in Deutschland auf. Dann stieg Sixt aus, angeblich auch aus Ärger über Autobauer BMW, der mit dem Konkurrenten Daimler und dessen Sharingtochter Car-to-go anbändelte.

Sixt versucht seitdem allein, neben dem klassischen Leasing- und Vermietungsgeschäft auch Sharingdienste aufzubauen. Nun kursieren Spekulationen, Volkswagen könnte als Partner neu einsteigen. Das hätte sich VW schenken können, denn die Wolfsburger waren schon mal Eigentümer eines großen Autovermieters. Doch VW trennte sich vor Jahren von Europcar.

Das zeigt, die Autokonzerne sind noch auf der Suche nach der richtigen Strategie für die Zukunft, um im Mobilitätsmarkt mitzumischen. Nur eines scheint derzeit sicher: BMW, Daimler und VW wollen sich erst mal auf den Bau von Autos konzentrieren. Zurück zu den Wurzeln, lautet die Devise in Coronazeiten. Der Umstieg auf die Elektromobilität fordert zusätzlich die Konzentration auf das Kerngeschäft. Konzepte und Investitionsmittel für den Mobilitätsmarkt von morgen stehen eher an zweiter Stelle.

Das könnte sich als ein Fehler herausstellen. Eine Studie der Unternehmensberatung Horváth & Partners zeigt, dass Mobilitätsdienstleistungen Wachstumsfelder der Zukunft sind und weniger die Produktion von Kraftfahrzeugen. „Der Kauf von Assets wird eine deutlich geringere Bedeutung haben als heute“, sagt Studienautorin Sylvie Römer. „Langfristig wird der Umsatz mit Mobilitätsservices größer sein als der mit Fahrzeugen.“

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Studie fasst an die 100 Untersuchungen und Expertenmeinungen aus aller Welt zusammen. Sie liegt dem Handelsblatt exklusiv vor und zeigt, dass die Wachstumsraten beispielsweise bei Mobility on Demand, also Diensten auf Abruf, mit 34 Prozent um ein Vielfaches höher liegen als etwa in der Produktion von Fahrzeugen.

    Die Coronakrise bremst den Trend lediglich

    Der gesamte Mobility-Markt soll laut der Studie zwischen 2018 und 2030 von 540 Milliarden auf 2350 Milliarden Euro wachsen. Das umfasst alle Formen der urbanen Fortbewegung - vom Stadtbus bis zu Fahrdienstleistungen jeder Art. Die Produktion von Fahrzeugen wächst dagegen deutlich langsamer und verdoppelt sich nur knapp von 1000 Milliarden auf 1900 Milliarden Euro.

    Der Zuwachs ist von Region zu Region allerdings sehr unterschiedlich. Je größer die Städte und je mehr Menschen täglich auf engstem Raum von A nach B transportiert werden müssen, desto wichtiger sind Massentransportmittel. In den Megacitys Asiens etwa werden Eisenbahnsysteme eine deutlich größere Rolle spielen als der Individualverkehr.

    Der oft schon abgeschriebene öffentliche Nahverkehr wird daher ebenfalls gefragt sein. Laut Studie wächst der weltweite Markt für Busse und Bahnen von 340 Milliarden Euro auf 550 Milliarden Euro bis 2030.

    Die deutschen Autohersteller experimentieren derzeit vor allem mit kleineren Fahrzeugen. Volkswagen steckt viel Geld in das Projekt Moia. Die speziell ausgerüsteten Kleinbusse, die ähnlich einem Großraumtaxi mehrere Fahrgäste einsammeln und zu gemeinsamen Zielen fahren, sind derzeit in Hamburg und Hannover unterwegs. Moia musste allerdings – wie alle Sharingdienste – wegen der Corona-Pandemie herbe Rückschläge einstecken.

    Die Coronakrise wird den Trend aber nicht umkehren, allenfalls aufhalten. Mobilitätsexpertin Römer rechnet beim Ridesharing wie Moia beispielsweise mit etwa drei Jahren Verzug im Vergleich zur ursprünglichen Expansionsplanung. Sie ist aber davon überzeugt, dass die Kunden zurückkommen werden. Die Frage sei allerdings: „Werden die deutschen Anbieter den langen Atem haben?“

    Zweifel sind angebracht. Daimler und BMW wollen sich von ihrem gemeinsam betriebenen Taxi-Vermittlungsdienst Free Now trennen. Damit würden sie sich von einem weiteren Baustein ihres bisherigen Mobility-Angebots verabschieden. Interessent soll der Fahrdienst Uber sein, der in den USA und anderen Weltregionen erfolgreich ist, in Deutschland bislang aber an rechtlichen Bedingungen scheiterte.

    Immerhin soll jetzt ein Komplettverkauf von Free Now nicht mehr zur Diskussion stehen, sondern nur noch eine Beteiligung. Daimler und Co. haben verstanden, dass der Ausstieg aus den Mobilitätsdienstleistungen vielleicht doch keine so gute Idee ist.

    Mehr: Uber erwägt offenbar Kauf des Fahrdiensts Free Now von BMW und Daimler.

    Startseite
    Mehr zu: Autoindustrie - Sharing Mobility bringt BMW, Daimler und VW ins Schleudern
    0 Kommentare zu "Autoindustrie : Sharing Mobility bringt BMW, Daimler und VW ins Schleudern"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%