John Boyd Dunlop: Der Vater des Autoreifens
John Boyd Dunlop (1840-1921)
Foto: dpaLondon. Der Doktor hatte dem kleinen Dunlop-Junior Radfahren verordnet. Der Junge sollte endlich seine Erkältung loswerden, so berichtet es die Firmenchronik des heutigen Autoreifenherstellers Dunlop. Doch das Kopfsteinpflaster im irischen Belfast schüttelte das schwächliche Schulkind auf seinem Fahrrad mit den harten Vollgummireifen so sehr durch, dass sein Vater John Boyd Dunlop im Jahr 1888 es nicht mit ansehen konnte.
Etwas Besseres musste her. Der gebürtige Schotte wurde so zum Pionier des Luftreifens - sein Name steht noch heute für eine der weltweit führenden Herstellerfirmen.
John Boyd Dunlop, dessen Geburtstag am heutigen Donnerstag 175 Jahre zurückliegt, experimentierte zuerst mit dünnen Gummimatten, die er einrollte und zusammenklebte. Dann pumpte er den Reifen mit einer Ballpumpe auf. Diesen Schlauch nahm er und stülpte ihn über den Fahrradreifen. Sein Sohn war begeistert.
Der Reifen von damals ist heute Teil des Fundus des schottischen Nationalmuseums und soll ab 2016 öffentlich ausgestellt werden, sagte Museumssprecher Bruce Blacklaw. „Wir bezeichnen die Erfindung als ersten aufblasbaren Fahrradreifen.“
Dunlop versuchte schnell, auf seinen pneumatischen Reifen ein Patent anzumelden. Er wusste nicht, dass das vier Jahrzehnte vor ihm auch ein anderer Schotte getan hatte. Robert Thomson hatte ein Patent auf ein Luftrad angemeldet und im Londoner Regent's Park bewiesen, dass eine Kutsche, ausgestattet mit seinen neuartigen Rädern, viel einfacher zu ziehen war.
Doch zu dieser Zeit hatte es noch keinen großen Markt für Pferdewagen gegeben – geschweige denn für Fahrräder. Thomsons Erfindung verschwand in der Versenkung.
Für den britischen Historiker Adam Hart-Davis kann beiden Erfindern der Erfolg für den aufblasbaren Reifen zugesprochen werden. „Thomson wurde nie berühmt, vielleicht auch, weil er seiner Zeit so weit voraus war“, urteilte Hart-Davis in der BBC.
Bei Dunlop in Hanau, 1893 als erstes Auslandswerk des Unternehmens gegründet, werden heute noch Reifen hergestellt.
Foto: dpaDunlop gründete seine Reifenfirma, auch wenn man ihm das eingereichte Patent absprach. „Dunlops Erfolg hatte viel mit Timing zu tun, die zunehmende Produktion von Fährrädern und Autos brachte ihm Massenabsatz“, sagte Blacklaw. Schon 1893 eröffnete Dunlop sein erstes Auslandswerk – in Hanau bei Frankfurt.
„Die kommerzielle Produktion begann Ende 1890. Seit 1895 wurden die Reifen auch in Frankreich und Kanada verkauft und in Australien und Amerika hergestellt“, so berichtet es die Firmenchronik. Zu der Zeit hatte Dunlop sein inzwischen modifiziertes Patent und die Firma an seinen Mitstreiter William Harvey Du Cros verkauft. Dafür bekam er Aktienanteile.
John Boyd Dunlops unternehmerische Leistung wirkt noch heute nach. Er wurde der Vater nicht nur von Autoreifen, sondern auch von Sportausrüstung. 1909 kam aus seinem Werk erstmals ein Golfball. Mit den Tennisschlägern der Marke gewannen Steffi Graf und John McEnroe Wimbledon-Titel.
Seit den 1970er Jahren begann jedoch eine Welle der Fragmentierung des Unternehmens, und die unterschiedlichen Dunlop-Sparten in unterschiedlichen Ländern gingen getrennte Wege. Heute gehört die Reifensparte zum Goodyear-Konzern, die Sportsparte gehört im Wesentlichen zu Sports Direct.