Banken: Britische Geldhäuser melden gute Ergebnisse und steigende Kurse
London. Für die britischen Banken läuft es gerade gut. Zum einen profitieren sie davon, dass ihnen Finanzministerin Rachel Reeves (Labour) keine weiteren Steuererhöhungen auferlegt hat. Vergangene Woche hatte sie ihre Haushaltspläne für das nächste Finanzjahr vorgestellt.
Zum anderen können die Institute künftig höhere Dividenden ausschütten und eigene Aktien zurückkaufen, weil die britische Notenbank ihre Anforderungen für Kapitalpuffer erstmals seit der Finanzkrise gelockert hat. Am Dienstag hatte sie das nach einem erfolgreichen Stresstest bekannt gegeben.
Bankaktien sind wieder beliebt
Die Bewertungen für britische Banken seien jetzt „höher als jemals zuvor in der jüngeren Geschichte“, sagte Benjamin Toms, Analyst bei der Royal Bank of Canada (RBC). Trotzdem liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis der britischen Banken immer noch bis zu 17 Prozent unter dem europäischer und amerikanischer Institute.
„Wir sehen hier Chancen“, sagt Sharon Bell, Aktienanalystin bei Goldman Sachs, mit Blick auf die britischen Banken. Die Analysten der Schweizer Großbank UBS argumentieren in einer aktuellen Studie ähnlich.
Angetrieben wird der Bankenboom in Großbritannien von den kräftigen Zinsgewinnen der vergangenen Jahre, die wiederum den hohen Leitzinsen der Bank of England geschuldet sind. Dadurch stieg die Zinsmarge – die Differenz zwischen Kredit- und Guthabenzinsen – der britischen Großbanken spürbar an. Barclays UK etwa erwirtschaftete im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres eine Zinsmarge von 3,59 Prozent. Das ist ein voller Prozentpunkt mehr als noch vor fünf Jahren.
Weil die Inflationsraten auf einem hohen Niveau von zuletzt 3,6 Prozent liegen, lässt sich die britische Notenbank mehr Zeit mit der Senkung der Leitzinsen. Dadurch können die Finanzinstitute auf der Insel länger als ihre internationalen Konkurrenten von dem günstigen Zinsumfeld profitieren.
Zudem haben sich die britischen Banken mit Absicherungsgeschäften (Hedging) gegen die Auswirkungen der kommenden Niedrigzinsphase auf ihre Profitabilität gewappnet. Angesichts der starken Abhängigkeit vom Zinsgeschäft – bei Lloyds und Natwest stammen fast drei Viertel der Einnahmen aus diesem Bereich – ist das nach Meinung von Analysten der Ratingagentur Standard & Poor’s auch notwendig.
Gleichzeitig habe sich das zinsunabhängige Beratungsgeschäft positiv entwickelt. Insgesamt hätten die britischen Banken ein „glaubwürdiges Wachstumsprofil“ entwickelt, wodurch „die jüngste Neubewertung nicht nur zyklisch, sondern strukturell ist“, schreiben die S&P-Analysten.
Gute Zeugnisse beim Stresstest
Der Gesundheitsnachweis für die britischen Banken durch die Notenbank ist vor diesem Hintergrund eine willkommene Nachricht. In ihrem Stresstest hatte die Bank of England die Fähigkeit der Banken getestet, ein Krisenszenario zu überstehen, in dem sich die Arbeitslosigkeit verdoppelte, die Immobilienpreise einbrachen, Inflation und Zinssätze stiegen und das Bruttoinlandsprodukt um fünf Prozent schrumpfte.
In diesem Szenario würde der Kapitalpuffer der sieben untersuchten Institute immer noch 60 Milliarden Pfund (etwa 68,4 Milliarden Euro) über dem Minimum liegen, ergab die Untersuchung.
„Banken sollten mehr Sicherheit und Vertrauen haben, wenn sie ihre Kapitalressourcen für die Vergabe von Krediten an britische Haushalte und Unternehmen einsetzen“, schrieb die Bank of England am Dienstag in ihrem Stabilitätsbericht. Die Notenbanker senkten daher die vorgeschriebene Kapitalreserve (Tier 1), die Banken für risikogewichtete Vermögen vorhalten müssen, von 14 auf 13 Prozent.
Insbesondere kleine und mittelgroße Unternehmen in Großbritannien hatten in den vergangenen Jahren immer wieder geklagt, dass Banken nur eingeschränkt Kredite vergäben. Analysten machen dafür auch die im Vergleich zur EU und den USA strikteren Kapitalanforderungen an die britischen Banken verantwortlich.
„Wir müssen abwarten, wie die Banken auf die von der Aufsichtsbehörde eingesetzten Anreizmechanismen reagieren“, sagte RBC-Analyst Toms nach der Lockerung der Vorschriften am Dienstag.
Roter Teppich statt Banken-Bashing
Nicht mehr abwarten will Jamie Dimon, Chef der größten US-Investmentbank JP Morgan. Er sieht den Finanzplatz London neben New York als zweites Standbein und kündigte an, im Bankenviertel Canary Wharf einen neuen Wolkenkratzer mit rund 280.000 Quadratmetern zu bauen. „Dieses Gebäude wird unser dauerhaftes Engagement für London, das Vereinigte Königreich, unsere Kunden und unsere Mitarbeiter symbolisieren“, sagte Dimon.
Zuvor war der Finanzberater der britischen Regierung, Varun Chandra, nach New York gereist, um Dimon zu versichern, dass die Banken keine höheren Körperschaftsteuern erwarten müssten.
Canary Wharf, der Finanzdistrikt im ehemaligen Hafengebiet im Osten Londons, erlebt deshalb ebenso ein Comeback wie die britischen Banken. Nachdem HSBC im vergangenen Jahr den Umzug in die alte City of London angekündigt hatte, sah es zwischenzeitlich nach einem Exodus aus den Docklands aus.
Inzwischen will nicht nur JP Morgan dort neu bauen, auch die US-Großbank Citigroup renoviert ihren Büroturm gerade für eine Milliarde Pfund. Und Revolut, Europas wertvollstes Fintech-Unternehmen, hat in Canary Wharf seinen Hauptsitz angesiedelt.
Nach dem jahrelangen „Banken-Bashing“ durch Politiker nach der Finanzkrise herrscht eine grundsätzlich andere Stimmung in London.