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Strom-SUV Wellness auf Rädern – der Audi E-Tron Sportback im Handelsblatt-Autotest

Der Audi E-Tron verkauft sich momentan besser als das Tesla Model X. Im Handelsblatt-Autotest überrascht das Elektro-SUV als Sportback mit seiner Gelassenheit.
05.08.2020 - 04:26 Uhr 1 Kommentar
Elektrisch, groß und dank vieler Helfer trotzdem übersichtlich: Audis E-Flaggschiff im Handelsblatt-Test.
Der Audi e-tron Sportback

Elektrisch, groß und dank vieler Helfer trotzdem übersichtlich: Audis E-Flaggschiff im Handelsblatt-Test.

Düsseldorf Endlich Ruhe. Das Kind schläft, das Auto rollt, alles ist bereit für den Wochenendausflug, der mit Nachwuchs einem kleinen Umzug gleicht. Gut, dass der Audi E-Tron nicht nur viel Technik, sondern auch viel Platz hat. 615 Liter passen in den Kofferraum – oder in die Praxis übersetzt: zwei Koffer, zwei große Plastikkisten, eine Tasche und ein Buggy. Dieser beliebte Dienstwagen schlägt sich auch als Familienauto gut.

Dabei sind die Bedenken anfangs groß, ob ein so großes Auto im städtischen Wohngebiet nicht eher Belastung als Luxus ist. Doch im Handelsblatt-Autotest kann der E-Tron Sportback 55 quattro dieses Vorurteil widerlegen. Und ein paar andere gleich mit.

Nicht umsonst sind sie bei Audi sehr stolz auf das Strom-SUV. Weltweit hat der E-Tron vor wenigen Wochen Teslas Model X als meistverkauftes Elektro-SUV der Oberklasse abgelöst, was Audi gleich per Pressemitteilung verbreitete. Dem eigenen Anspruch „Vorsprung durch Technik“ will man in Ingolstadt wieder gerecht werden. Der E-Tron ist der erste Schritt, technologisch ist er das Flaggschiff der VW-Premiummarke.

Als Sportback ist der rein elektrisch fahrende Wagen auch optisch weit vorn. SUV-Coupés werden zwar gern als Stadtpanzer verspottet, das Äußere des E-Tron Sportbacks ist aber trotz seiner Größe mehr als stimmig. Hinter der wuchtigen Front mit großem Kühlergrill und Lufteinlässen geht es hinten dynamisch weiter – bis zur schicken LED-Linie am Heck. Immer wieder haben die Designer um Marc Lichte mit Details gearbeitet, die beim Fahrer das Gefühl hinterlassen, hier in einem Premium-Auto unterwegs zu sein.

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    In den Matrix-LED-Scheinwerfern ist etwa eine Million Mikrospiegel verbaut, mit denen nicht nur die eigene Fahrspur präzise ausgeleuchtet werden kann. Sogar kleine Projektionen wie das Audi-Logo kann der E-Tron auf den Asphalt oder das Garagentor werfen. In „Catalunyarot“ ist der Testwagen ein echter Hingucker. Auch wenn das Auto beim Heimatbesuch von der Verwandtschaft erst mal hämisch mit einem „Brennt es?“ quittiert wird.

    Der Audi E-Tron Sportback 55 quattro ist sehr stimmig gezeichnet.
    Auffällige Erscheinung

    Der Audi E-Tron Sportback 55 quattro ist sehr stimmig gezeichnet.

    Als SUV-Coupé kommt der E-Tron deutlich eleganter daher.
    Dynamischer als der Bruder

    Als SUV-Coupé kommt der E-Tron deutlich eleganter daher.

    Der E-Tron Sportback ist ein Auto, bei dem man zweimal hinguckt – bisweilen auch hingucken muss. Wo sonst Rückspiegel sind, schauen zwei Kameras nach hinten. Deren Aufnahmen werden direkt auf zwei 7-Zoll-OLED-Bildschirme übertragen, die in Fahrer und Beifahrertür eingelassen sind. Anfängliche Bedenken zerschlagen sich schnell: Es dauert genau zwei Tage, sich an die neue Blickrichtung zu gewöhnen.

    Bei Regen und nachts bietet der digitale Rückblick enorme Vorteile. Das Bild der Kameras ist auch bei regenbeschlagenem Fenster gestochen scharf. Darüber hinaus warnt der Bildschirm-Rückspiegel mit einem farblichen Rand vor möglichen Gefahren beim Spurwechsel – Grün: alles frei, Gelb: Vorsicht. Der tote Winkel ist gestorben.

    Das Einparken mit dem Riesenauto ist dank der 360-Grad-Kamera erstaunlich entspannt. Beim Rückwärtsausparken erkennt der E-Tron den Querverkehr und warnt. Aus der Vogelperspektive schaut man im zentralen 10-Zoll-Display auf den E-Tron und seine Umgebung und kann den SUV so punktgenau auch in etwas engere Lücken manövrieren – was angesichts der Länge von 4,92 Metern dann doch mal länger dauern kann.

    Die Fahrt mit dem E-Tron ist auch auf der Langstrecke angenehm unspektakulär. Denn in den dicken Ledersitzen kann man es sich bequem machen wie in einem Wohnzimmer. Die Vier-Zonen-Komfortklimaautomatik sorgt auch an heißeren und kalten Tagen schnell für angenehme Temperaturen. Und dank der vernetzten Musikdienste und einer Bang-&-Olufsen-Anlage, kann man zu klassischer Musik durch die Stadt gleiten.

    Der Rückblick mit der Kamera ist nicht nur intelligent, sondern auch wirklich übersichtlich.
    Kamera statt Rückspiegel

    Der Rückblick mit der Kamera ist nicht nur intelligent, sondern auch wirklich übersichtlich.

    Der E-Tron Sportback ist mit einer Länge von 4,92 Metern immer noch groß.
    Langer Kerl

    Der E-Tron Sportback ist mit einer Länge von 4,92 Metern immer noch groß.

    Der Innenraum ist Audi-typisch gut verarbeitet. Da scheppert nix. Schwarzes Leder, feinste Nähte, gebürstetes Aluminium und drei digitale Displays, die sich ganz organisch einfügen und nicht aussehen wie ein angeklebtes iPad. Und auch wenn Audi-Chef Markus Duesmann Tesla gern als Vorbild bezeichnet: Hier darf Audi so bleiben.

    Stressig wird es nur an einer Stelle. Auf dem Weg zu einer Schnellladestation in der Nähe von Köln schickt mich der E-Tron über die A3. Dort erwartet mich eine typische deutsche Autobahn-Baustelle. Auf der rechten Spur schleichen die Lkws im Schneckentempo. Die linke Spur ist freier, aber eng. So eng, dass mir die Schweißperlen auf der Stirn stehen, weil ich den zwei Meter breiten Testwagen und mich bereits von einem unaufmerksamen Lkw-Fahrer in die Leitplanke gedrückt sehe. Zum Glück geht alles gut.

    Den Rest der Fahrt auf der Autobahn sorgt der E-Tron wieder für Entspannung. Das Head-up-Display im E-Tron ist seinen Preis wert. Alle relevanten Informationen wie Geschwindigkeitsbegrenzungen, Routen und Kartenausschnitte überträgt das System direkt auf die Windschutzscheibe. Im Innenraum ist es dank des Elektroantriebs und der Akustikverglasung unglaublich leise – egal bei welcher Geschwindigkeit. Hier ist der E-Tron allen Autos, die ich kenne, überlegen.

    Die Lenkung ist sehr präzise, trotz der Größe schlingert der E-Tron nie. Dass er so satt auf der Straße liegt, hat er auch seinen 740-Kilo-Batterien im Unterboden zu verdanken, die insgesamt bis zu 95 kWh Energie aufnehmen können. Das reicht laut Herstellerangaben für bis zu 449 Kilometer. Eine Reichweite, die aber eher theoretischer Natur ist. Unter realen Bedingungen lag der Verbrauch in etwa bei 25,8 kWh und damit am oberen Ende der vom Hersteller angegebenen Werte. Damit schrumpft die Reichweite auf reale 370 Kilometer bei einer Autobahnfahrt.

    An der DC-Schnellladestation von Ionity hat der E-Tron innerhalb einer Kaffeepause von 30 Minuten satte 60 kWh geladen. Auch vor der Langstrecke muss sich kein E-Tron-Fahrer fürchten.

    Natürlich darf man über die Klimabilanz von so großen Elektroautos diskutieren – in den Testwochen tankt der E-Tron allerdings fast nur Sonnenenergie aus der PV-Anlage. Das hat allerdings einen Haken: Selbst mit den elf kW-Leistung der Wallbox dauert die Ladung fast acht Stunden. Und ein normaler Heimspeicher ist deutlich kleiner als die Batterie des E-Trons. Darum muss die Sonne schon stark scheinen, damit kein Strom aus dem Netz gezapft werden muss. An einer normalen Steckdose würde es sogar mehrere Tage dauern, den E-Tron voll zu laden.

    Der Innenraum im E-Tron Sportback ist hochwertig wie gewohnt.
    Sinn fürs Detail

    Der Innenraum im E-Tron Sportback ist hochwertig wie gewohnt.

    Der E-Tron Sportback hat zwar etwas weniger Stauraum als der SUV-Bruder aber schluckt doch einiges.
    Reichlich Stauraum

    Der E-Tron Sportback hat zwar etwas weniger Stauraum als der SUV-Bruder aber schluckt doch einiges.

    Anders als das Laden übernimmt der E-Tron das Fahren quasi selbst. Die Assistenzpakete Stadt (1050 Euro) und Tour (2040 Euro) sind zwar teuer, aber lohnen sich für Vielfahrer. Der adaptive Tempomat passt das Tempo dem Verkehr und den Geschwindigkeitsbeschränkungen an, der Spurhalteassistent macht, was er soll. Im innerstädtischen Verkehr vermeidet der Audi Auffahrunfälle und bremst automatisch ab.

    Damit das klappt, hat Audi fünf Radarsensoren, sechs Kameras, zwölf Ultraschallsensoren und einen Laserscanner verbaut. Im Grunde kann dieser Audi damit fast alles, was Tesla als Autopilot verkauft. Aber auch im E-Tron sollte man das Steuer lieber nicht loslassen. Bei einem Test ermahnt der E-Tron einen leise, dann laut, doch bitte selbst die Kontrolle zu übernehmen.

    Auch wenn der E-Tron dank seiner zwei Asynchronmotoren an den Achsen auf Wunsch beim Druck aufs Gaspedal losspurtet wie ein Sportler: Der Verbrauch steigt bei hohen Geschwindigkeiten so deutlich an, dass man lieber wieder gediegene 130 Stundenkilometer fährt. Hier machen sich die 2,5 Tonnen Leergewicht und der Rückstand beim Batteriemanagement im Vergleich mit Tesla bemerkbar.

    Beim Preis ist Audi allerdings selbstbewusst: Allein für die Basisversion des E-Tron Sportback 55 quattro werden 82.600 Euro fällig. Der Testwagen kommt mit allen Extras sogar auf 112.475 Euro. Dafür gibt es natürlich keine Umweltprämie vom Staat mehr, Audi zahlt aber aktuell eine Kaufprämie von 7500 Euro aus eigener Tasche.

    Für Dienstwagenfahrer lohnt sich das Modell ohnehin, weil beim E-Tron Sportback nur 0,5 Prozent des Kaufpreises als geldwerter Vorteil versteuert werden müssen. Und im Leasing kann der E-Tron auch preislich auf Augenhöhe mit Verbrennern der Premiumklasse mithalten. In den Dienstflotten, in denen der kalifornische Konkurrent Tesla traditionell schwach vertreten ist, wird dieser Sportback darum sicher weiter die Nase vorn haben.

    Technische Daten

    Businessklasse-SUV, Länge: 4,90 Meter, Breite: 1,94 Meter (ohne Außenspiegel), Höhe: 1,62 Meter, Radstand: 2,93 Meter, Kofferraumvolumen: 615 bis 1.655 Liter

    Zwei Elektromotoren, 300 kW/408 PS, maximales Drehmoment: 664 Nm, Allradantrieb, Einstufengetriebe, 0-100 km/h: 5,7 s, Vmax: 200 km/h, Durchschnittsverbrauch: 26,0 bis 21,9 kWh., CO2-Ausstoß: 0 g/km, Effizienzklasse: A+, Preise: ab 82.600 Euro

    Mehr: „Artemis“: Audi-Chef Duesmann startet das wohl ehrgeizigste Projekt in der deutschen Autoindustrie

    An den Schnellladestationen von Ionity tankt der E-Tron in 30 Minuten auf bis zu 80 Prozent.
    Schnell wieder voll

    An den Schnellladestationen von Ionity tankt der E-Tron in 30 Minuten auf bis zu 80 Prozent.

    Der E-Tron Sportback wurde für 14 Tage getestet.
    Handelsblatt-Redakteur Lukas Bay

    Der E-Tron Sportback wurde für 14 Tage getestet.


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    1 Kommentar zu "Strom-SUV: Wellness auf Rädern – der Audi E-Tron Sportback im Handelsblatt-Autotest"

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    • Toller Artikel, leider versucht Audi wieder mit der Oberklasse.... Erfolg hätte Audi, wenn die ne Alternative zum Model 3 hätten.

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