Verkehrspolitik: Verbrenner-Mopeds in Hanoi bald verboten
Hanoi. Vietnam verbannt Staatsmedien zufolge in einem Jahr Motorräder und Mopeds aus der Innenstadt von Hanoi, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden.
Das Verbot gelte ab Juli 2026 und sei Teil von landesweiten Bemühungen, die Luftverschmutzung zu reduzieren, heißt es. Die Anordnung von Ministerpräsident Pham Minh Chinh hat Folgen für eine Gegend innerhalb und entlang der Haupt-Ringstraße um das Zentrum der Hauptstadt.
Motorräder sind für die meisten Einwohnerinnen und Einwohner von Hanoi das wichtigste Verkehrsmittel, so wie in anderen Orten im Land. In der Hauptstadt mit rund acht Millionen Menschen gibt es knapp sieben Millionen Motorräder und nur etwas mehr als eine Million Autos.
Angesichts steigender Einkommen und des Umstiegs von mehr Fahrerinnen und Fahrern auf Privatfahrzeuge ist Luftverschmutzung zu einem größeren Problem geworden. Über Hanoi liegt häufig dichter Smog, die Metropole zählt zu den Städten mit der größten Luftverschmutzung weltweit.
Vietnam versucht, fossile Brennstoffe zu reduzieren und mehr Elektro-Fahrzeugen auf die Straßen zu bekommen, um die Luftverschmutzung einzudämmen und gegen den Klimawandel zu kämpfen. Der örtliche Elektro-Fahrzeug-Hersteller VinFast ist dabei marktführend - er hat einen Marktanteil von knapp einem Fünftel, wie die Europäische Handelskammer mitteilt.
„Wie können die Leute einfach ihre Fahrzeuge wegwerfen?“
Unter Vietnamesinnen und Vietnamesen gibt es Zweifel an dem geplanten Verbrennermopedverbot in Hanoi. Nguyen Van Hung arbeitet seit drei Jahrzehnten als Motorrad-Taxifahrer in der Hauptstadt. Inzwischen fährt er für Grab, eine App für das Buchen von Fahrten, die in Südostasien viel verwendet wird.
Der 62-Jährige macht sich Sorgen, dass das Verbot vor allem die Arbeiterklasse treffen werde. „Es wird Auswirkungen für Menschen haben, die auf Motorräder angewiesen sind, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen“, sagt er und verweist auf Lieferanten, Pendler und Fahrdienst-Anbieter. „Wie können die Leute einfach ihre Fahrzeuge wegwerfen?“
Andere halten den Zeitrahmen für das Verbot für unrealistisch. Er sei zwar für eine bessere Luftqualität, doch komme die Änderung zu früh, sagt Hoang Duy Dung, der im Stadtzentrum arbeitet. „Wir brauchen vor einer derart großen Veränderung einen besseren öffentlichen Nahverkehr und mehr Unterstützung“, sagt der 32-jährige Büroarbeiter.
In einer zweiten Phase soll das Verbot ab Januar 2028 auf ein größeres Gebiet ausgeweitet werden und auch für alle anderen Zweiräder gelten, die mit fossilem Brennstoff betrieben werden. Zudem soll es auch Einschränkungen für einige Verbrennerautos geben.
Zu den weiteren geplanten Maßnahmen gehört es, Abwasseranlagen zu modernisieren, die Luftverschmutzung mit Digitalgeräten zu überwachen und höhere Strafen für Verstöße einzuführen. Whistleblower könnten eine Belohnung bekommen, wenn sie Verstöße gegen die Umweltvorschriften melden.