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ArbeitsmarktFriseure, Floristinnen, Köche – Für welche Fachkräfte ein Helferjob lukrativer sein könnte

Rund 15 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland arbeiten in einem Helfer- oder Anlernjob. Nicht wenige davon sind lukrativer als so manche Fachkrafttätigkeit, zeigt eine IAB-Studie.Frank Specht 20.07.2022 - 07:42 Uhr Artikel anhören

Die Entlohnung für gelernte Floristinnen und Floristen zählt zu den niedrigsten unter den Fachkraftberufen.

Foto: Imago

Berlin. Lerne einen anständigen Beruf, dann kannst du ordentlich verdienen und bist abgesichert. Diesen Ratschlag werden wohl viele Jugendliche von ihren Eltern hören. Aber ist er auch zutreffend?

Das hängt stark von der gewählten Profession ab, wie eine neue Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt. Denn für einige Fachkräfte wäre es lukrativer, in einen Helferjob in einem anderen Bereich zu wechseln, als im erlernten Beruf zu bleiben.

Dies gilt etwa für qualifizierte Beschäftigte aus den Bereichen Körperpflege, wozu das Friseurhandwerk gehört, Floristik, Land- und Forstwirtschaft oder der Gastronomie. So verdienen beispielsweise gelernte Floristinnen und Floristen im Mittel 1831 Euro brutto im Monat. In der Gastronomie liegt der Median für Fachkräfte bei 1849 Euro, das heißt, die eine Hälfte der Beschäftigten der Branche verdient weniger, die andere mehr.

Diese Verdienstmöglichkeiten werden von zahlreichen Helfertätigkeiten deutlich getoppt. So erhalten Beschäftigte in der Feinwerk- und Werkzeugtechnik oder der Krankenpflege auch ohne besondere Qualifikation im Mittel mehr als 2700 Euro im Monat.

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Viele gut entlohnte Helfertätigkeiten finden sich in der Industrie, wo generell meist besser bezahlt wird als in vielen Dienstleistungsberufen. Die bestbezahlten Helferjobs gibt es in der Ver- und Entsorgungsbranche, der chemischen Industrie oder dem Berg- und Tagebau, wo im Mittel zwischen rund 3100 und gut 3616 Euro gezahlt werden. Die Autoren führen dies auch darauf zurück, dass in den betreffenden Branchen die Tarifbindung hoch ist.

Einen Ausreißer nach oben gibt es mit mehr als 4000 Euro für Helfertätigkeiten in den Gesellschaftswissenschaften. Hier handelt es sich aber nur um rund 2000 Beschäftigte, die als Interviewer in der Markt- und Meinungsforschung arbeiten.

Über alle Wirtschaftszweige hinweg liegt das Medianentgelt für gelernte Fachkräfte im Vollzeitjob bei 3166 Euro im Monat, für Helferjobs bei 2357 Euro. Ein gelernter Buchhändler oder eine Arzt- und Praxishilfe mit mehrjähriger Ausbildung liegen mit 2341 Euro beziehungsweise 2355 Euro nur knapp darunter.

Von allen knapp 34 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland gehen nach der IAB-Auswertung 15 Prozent nur einer Helfer- oder Anlerntätigkeit nach. Von diesen verfügen aber zwei Drittel über eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einen höheren beruflichen Bildungsabschluss. Sie werden also unterhalb ihrer Qualifikation beschäftigt.

Zwischen 2015 und 2020 ist die Zahl der Beschäftigten auf Helferpositionen überdurchschnittlich auf mehr als fünf Millionen gestiegen. Drei von vier sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten in Helfertätigkeiten verdienten im Jahr 2020 höchstens 3000 Euro brutto im Monat. Von den Fachkräften befanden sich immerhin noch rund 44 Prozent in dieser Verdienstkategorie. Gut jede vierte Vollzeitfachkraft verdiente weniger als 2500 Euro im Monat und lag damit im typischen Lohnbereich der Helfertätigkeiten.

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In bestimmten Fällen könne der Wechsel von einer Fachkrafttätigkeit im erlernten Beruf zu einer anderen Tätigkeit auf Helferniveau zu höheren Löhnen führen, bilanzieren die IAB-Forscher. Aber nur für 15 Prozent der Beschäftigten, die gewechselt hätten, sei das mittlere Entgelt in der Helfertätigkeit höher als im Durchschnitt bei einem Verbleib im erlernten Fachkraftberuf.

Das niedrige Niveau der Fachkraftlöhne in einzelnen Bereichen könne zu Berufswechseln führen und den Fachkräftemangel in betroffenen Branchen verschärfen, heißt es in der Studie weiter. „Dies ist etwa im Gastgewerbe der Fall und wurde durch die Coronapandemie noch verstärkt.“

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