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Corona Schlachthof in Coesfeld muss wegen Infektionen schließen – Lockerungen erst am 18. Mai

Wegen zu hoher Corona-Infektionszahlen schließt das Land NRW einen Schlachthof. Im dortigen Landkreis werden die Maßnahmen daher erst am 18. Mai gelockert.
08.05.2020 - 17:56 Uhr 2 Kommentare

NRW will alle Mitarbeiter von Schlachtbetrieben auf Coronavirus testen lassen

Coesfeld Nordrhein-Westfalen hat die für das Bundesland vorgesehenen Lockerungen der Corona-Auflagen im Landkreis Kreis Coesfeld vom 11. Mai auf den 18. Mai verschoben. Dies kündigte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann am Freitag in Düsseldorf an, nachdem zahlreiche Mitarbeiter eines Schlachthofes in dem Kreis sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben.

Bei 151 der rund 1200 Beschäftigten sei das Virus nachgewiesen worden. Der Kreis liege damit über der von Bund und Ländern vereinbarten Grenze von mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern. „Wir werden den Schlachthof in Coesfeld schließen, alle Mitarbeiter werden getestet“, sagte Laumann.

Auch Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) betonte, dass es beim Schutz der Menschen keine Kompromisse geben dürfe. „Die Regeln sind klar: Wenn wie in Coesfeld ein Kreis das gesetzte Limit bei den Infektionszahlen überschreitet, gehen wir schnell, zielgerichtet und konsequent dagegen vor“, sagte Laschet der „Rheinischen Post“ .Dieser vereinbarte Notfall-Mechanismus ist ein zentraler Baustein für den Weg in die verantwortungsvolle Normalität“, betonte der NRW-Regierungschef. Gesundheitsminister Jens Spahn nannte das Vorgehen „beispielhaft“

Agrarministerin Ursula Heinen-Esser sagte, man erlebe bundesweit, „dass sich gerade in Schlachtbetrieben Infektions-Hotspots bilden“. Die Landesregierung lässt nun alle Mitarbeiter von Schlachtbetrieben auf das Virus testen, ebenso Schleswig-Holstein. Auch in Niedersachsen wird ein flächendeckender Test geprüft.

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    In NRW gibt es 35 große Schlachthöfe. Auch in einem weiteren fleischverarbeitenden Betrieb gibt es eine hohe Zahl an Infizierten: In Oer-Erkenschwick (Kreis Recklinghausen) hätten sich in einem Schwesterbetrieb des Coesfelder Werks 150 von 1250 Mitarbeitern mit dem Virus angesteckt, erklärte Laumann. Außer dem Kreis Coesfeld liegen derzeit alle anderen Kreise und kreisfreien Städte in Nordrhein-Westfalen deutlich unter dem Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner.

    Laumann zufolge sind in den Schlachtbetrieben zwischen 17.000 und 20.000 Menschen beschäftigt. Viele davon - auch in Coesfeld - seien Werkvertragsarbeitnehmer etwa aus Rumänien oder Bulgarien. Vertreter der Gesundheitsämter sollen nun alle Sammelunterkünfte der Arbeiter auf den Infektionsschutz überprüfen.

    Dass die Fleischindustrie in diesem Umfang ins Visier der Behörden rückt, habe damit zu tun, „dass wir die Befürchtung haben, dass die Strukturen insbesondere bei der Unterbringung von Werkvertragsarbeitnehmern (..) nicht den Hygienebedingungen einer Pandemie-Entwicklung entsprechen könnten“, sagte Laumann Dies dürfe nicht sein.

    Mehr: Eine Branche am Boden: Coronakrise ordnet die Luftfahrt neu.

    • dpa
    • rtr
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    • Ergänzung: Auf die Frage, ob die Geschäftsführung angesichts von 270 Corona-Infizierten unter den 1100 Beschäftigten eine vorübergehende Schließung des Betriebs zur Eindämmung der Ausbreitung in Betracht gezogen habe, hieß es am 29.04.2019 seitens der Geschäftsführung: „Nein.“ Man habe als „systemrelevanter Betrieb“ eine Verantwortung gegenüber den Verbrauchern und Lieferanten. So, so die Fleischindustrie soll also auch schon systemrelevant sein. Ohne Fleisch überleben wir also nicht. Interessant! Es ist ja schon schlimm genug, dass die Arbeitsbedingungen in dieser Branche oft grenzwertig und angeblich sehr viele über Werkverträge "beschäftigt" sind, aber jetzt auch noch der Öffentlichkeit weiß machen zu wollen, man sei systemrelevant, setzt dem Ganzen die Krone auf. Ich vermute, es würde sich bei diesem Rechtsverständnis lohnen, seitens der Behörden mal etwas intensiver auf die Einhaltung von Recht und Gesetz zu achten.

    • Bereits Mitte April waren bei knapp 330 (!) Mitarbeitern der Firma Müller Fleisch in Pforzheim das neuartige Corona-Virus festgestellt worden. Daraufhin wurden diejenigen von ihnen, bei denen eine häusliche Isolation nicht möglich war, da sie in Sammelunterkünften wohnen, in drei vom Landratsamt Enzkreis und der Stadtverwaltung Pforzheim kurzfristig organisierten Quarantäne-Einrichtungen untergebracht. im Gegensatz zu NRW wurde der Betrieb jedoch nicht geschlossen, sondern nahezu unverändert fortgeführt. Stattdessen sollen die nicht infizierten Mitarbeiter den Ausfall der anderen durch Überstanden kompensiert haben. Vielleicht sollten wir als Konsumenten uns mal Gedanken machen, ob und ggf. wo wir weiter Fleisch einkaufen.

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