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Coronavirus RKI: „Bleibt zu Hause, sonst haben wir in zwei Monaten zehn Millionen Erkrankte“

Das Robert Koch-Institut mahnt vor allem junge Leute, Kontakte zu reduzieren. Anonymisierte Bewegungsdaten der Telekom sollen helfen, das auch zu kontrollieren.
18.03.2020 - 13:10 Uhr 5 Kommentare

Exponentielles Wachstum: RKI warnt vor zehn Millionen Corona-Fällen

Berlin Der Präsident des Robert Koch-Instituts hat seine Warnung an die Bevölkerung am heutigen Mittwoch erneut verschärft: „Wenn wir es nicht schaffen, die Kontakte untereinander über einige Wochen nachhaltig zu reduzieren, haben wir in zwei Monaten bis zu zehn Millionen Erkrankte“, sagte Lothar Wieler.

Vor allem junge Leute zeigten nach wie vor eine „riesige Mobilität“, anstatt zu Hause zu bleiben. Er rief erneut eindringlich dazu auf, bei allen notwendigen Kontakten einen Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Metern einzuhalten. „Wir stehen am Anfang der Epidemie“, machte Wieler klar, und diese breite sich „exponentiell“ aus.

Deutschland „liegt nur ein bis zwei Wochen hinter Italien“. Stand heute morgen 10.30 Uhr hatte das RKI in Deutschland 8.198 positiv getestete Covid 19-Fälle registriert. Das waren 1.042 und damit etwa 15 Prozent mehr als am Vortag. Die Zahl der Toten lag unverändert bei zwölf. 

In Italien, wo seit einer Woche eine landesweite Ausgangssperre gilt, steigen die Fall- und Todeszahlen weiter, allerdings etwas langsamer. Bis Dienstag starben dort nach Angaben es Zivilschutzes in Rom 2503 Menschen.

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    Das waren 345 Tote mehr als am Vortag, am Montag war die Zahl noch um 349 gestiegen. Die Zahl der Infizierten stieg um rund 12,6 Prozent auf 31.506. Vergangene Woche war die Zahl der Infizierten pro Tag noch zwischen 17 und 21 Prozent gestiegen. Experten betonten, es sei aber noch zu früh, einen Trend daraus abzulesen, betonten Experten. 

    Bewegungs-Handydaten nutzen

    Wie sich die tatsächliche Mobilität der Bürger in Deutschland entwickelt, will das RKI nun mit Bewegungs-Handydaten der Deutschen Telekom herausfinden. „Diese aggregierten und anonymisierten Daten werden uns zeigen, wie sehr die Mobilität tatsächlich nachgelassen hat“, sagte Wieler. Wenn sich zeige, dass die Menschen in Deutschland die Maßnahmen und Appelle der Politik nicht umsetzten – „wissen wir den Grund, warum die Zahl der Fälle weiter steigt“. 

    Die Daten der Telekom habe das RKI kostenlos erhalten. Die Informationen ließen sich auf Bundesländer- wie auch Kreisebene herunterbrechen. Wie lange es dauere, sie auszuwerten, konnte Wieler noch nicht sagen. 

    Das Verfahren zur Datenübergabe wurde der Telekom zufolge zusammen mit den Datenschutzbehörden entwickelt und 2015 von der Bundesdatenschutzbeauftragten abgenommen. Es handelt sich nicht um individuelle Informationen, sondern um Massendaten, die keine Rückschlüsse auf den einzelnen Nutzer oder auch Infizierte ermöglichen.

    Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Ulrich Kelber, sagte dem Handelsblatt, er halte die Weitergabe anonymisierter Telekom-Mobilfunkdaten an das RKI für „datenschutzrechtlich unbedenklich“. „Vor allem unter den aktuellen Umständen spricht nichts gegen die Weitergabe dieser Daten zum Zweck des Gesundheitsschutzes, selbst wenn sich mit der europäischen Datenschutz-Grundverordnung die rechtlichen Voraussetzungen für den Anonymisierungsschritt selbst geändert haben“, sagte Kelber dem Handelsblatt. 

    Die Telekom habe am Dienstagabend einmalig Daten im Umfang von fünf Gigabyte an das RKI übermittelt. „Das ist eine Sondersituation. Wir helfen gern und unentgeltlich“, sagte eine Sprecherin. Ob es weitere Datenlieferungen geben werde, müsse sich noch zeigen.

    Mobilfunkdaten im Kampf gegen Corona: „Das könnte nur der erste Schritt sein“

    Auch in Österreich gibt der Branchenprimus A1, der zu Telekom Austria gehört, Daten weiter. A1 biete gemeinsam mit Invenium, einem Spin-off der TU Graz, Bewegungsanalysen an, die aus vollständig anonymisierten Daten mittels Algorithmen errechnet würden, teilte das Unternehmen mit. 

    Kritik an den Maßnahmen zur Kontakt-Reduzierung hatte Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery geäußert: „Wer so etwas verhängt, muss auch sagen, wann und wie er es wieder aufhebt“, sagte er der „Rheinischen Post“. „Da wir ja davon ausgehen müssen, dass uns das Virus noch lange begleiten wird, frage ich mich, wann wir zur Normalität zurückkehren?“

    Es sei ja nicht möglich, Schulen und Kitas bis Jahresende zu schließen. Denn so lange werde es mindestens dauern, bis es einen Impfstoff gebe.

    Handelsblatt Morning Briefing - Corona Spezial

    Als Negativbeispiel nannte der langjährige Präsident der deutschen Ärzte-Gewerkschaft Marburger Bund das Land Italien. „Die waren ganz schnell an ihren Kapazitätsgrenzen, haben aber die Virusausbreitung innerhalb des Lockdowns überhaupt nicht verlangsamt.“ Ein Lockdown sei eine politische Verzweiflungsmaßnahme, weil man mit Zwangsmaßnahmen meint weiterzukommen, als man mit der Erzeugung von Vernunft käme.

    Mehr: Das deutsche Gesundheitssystem stößt an seine Grenzen. Der Bund steuert mit einem Notfallplan gegen.

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    5 Kommentare zu "Coronavirus: RKI: „Bleibt zu Hause, sonst haben wir in zwei Monaten zehn Millionen Erkrankte“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Nach der Epidemie ist vor der Epidemie. Angeblich soll der Mensch aus Katastrophen lernen.


    • Wie viele Erkrankte gibt es eigentlich heute (und ich meine nicht die bislang positiv getesteten Fälle)...

    • Das RKI verstärkt die Krise! Ist die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen noch gegeben? Das RKI erzählt selber, dass im Rahmen der Pandemie 70% an dem Virus erkranken werden. Verlangsamung hin oder her! 80% davon würden dies kaum merken....Somit erkranken offenbar auf jeden Fall ca. 60 Millionen Bundesbürger an Covid-19! Und jetzt wird so getan als wären 10 Millionen in zwei Monaten viel?

    • Sehr geehrter Herr ax,

      VIELEN DANK - klar und fundiert sauber aufgearbeitet. Hauptsache ein Herr Scholz wird getestet - hatte der eigentlich Symptome? Warum wird der normalsterbliche mit Symptomen nicht getestet. Deutschland hat fertig - warum konnten nbis vor kurzen noch Flieger aus risikogebietenhier landen? Warum wurde nicht kontrolliert? Was soll die blöde fussballdiskussion - eine nebelkerze? Wie kann Herr spahn sich hinstellen und behaupten wir wären gut vorbereitet? Warum wurde unser gesundheitssystem bei den leistungserbringer - Krankenhaus personal pfleger kaputt gemacht - und die Krankenkassen mit uepigen verwaltungspost dürfen weiter sprießen... Was hat Herr spahn bzu Beginn eobachtet - wie kann Herr laschet in dieser Krise eine derart schlechte Figur abgeben- das wahlvolk wird das hoffentlich nicht vergessen

    • Sehr geehrte Frau Klöckner,

      1. Ihre Warnung vor Hamsterkäufen.
      Bei Hamsterkäufen geht es uns Menschen gerade eben nicht darum Lebensmittel zu beschaffen, weil wir glauben, dass die ausgehen. (...) Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

      Bei Hamsterkäufen geht ausschließlich darum, künftig keine Läden mehr aufsuchen zu müssen, weil in Läden, wie überall, Infizierte herumlungern, die ihr weder testet noch eindämmt. Das Meiden von Läden ist im Interesse aller!
      Daher sollten Sie dazu aufrufen zu hamstern und online zu bestellen.

      Wir haben im Februar gehamstert, was schon damals 4 Einkäufe benötig und jedes Mal bestimmte Artikel leergekauft. Es gab schon damals nicht genug haltbare Ware. Selbst die Süßigkeitenregale sind länger als die für haltbare Waren.

      2. Viel zu wenige Tests
      Wir waren schon seit 19 Tagen nicht mehr in einem Laden.
      Das ist auch gut so, den möglicherweise sind wir leicht infiziert, weil ein getesteter Südtirol-Heimkehrer in der Klasse meiner Tochter war. Meiner Tochter wurde ein Test trotz Symptomen verweigert.
      Weil die Regierung keine Tests beschafft hat. In China wurden allein in Guangdong 320.000 Test durchgeführt. Daher kannten die die Lage in ihrem Land und Sie weiter nicht.

      Wann wird bei uns großflächig getestet? Tests gibt es seit dem 7.1. Das ist ewig her!
      In China geht alles sofort und ruck zuck .
      Bei uns zicken die föderalen Bundesbedenkenträger.

      3.
      Noch schlimmer ist die Maskenlüge.

      Nur weil ihr nichts gebacken bekommt und keine Masken bestellt habt, sollen die Bürgern keine Masken tragen.
      Die Masken schützen sehr wohl: Denn es werden viele Menschen Masken tragen, die sich zwar selbst schützen wollen und ohne es zu wissen schon infiziert sind. Diese Infizierten schützen unwissentlich andere Menschen vor Infektion.

      Zumindest weiß jetzt jeder in Deutschland, was Ihr unter "gut vorbereitet versteht.

      LG cax

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