Deutschland: Was hinter der AfD-Begeisterung in Tuttlingen steckt
Tuttlingen. Hauptberuflich leitet Jens von Lackum das Medizintechnikunternehmen Aesculap. Manchmal schlüpft von Lackum aber auch in die Rolle eines Touristenführers. Dann nämlich, wenn er die Region rund um den Firmensitz Tuttlingen künftigen Führungskräften zeigt, um ihnen den Standort schmackhaft zu machen.
Vor einigen Jahren, erinnert sich von Lackum, mussten sie einen Kollegen aus Rio de Janeiro für Tuttlingen begeistern. Er sollte als Bereichsleiter das Amerika-Geschäft von Aesculap leiten. Vorstandsvorsitzender von Lackum und seine Frau halfen bei der Wohnungssuche, empfahlen Schulen und machten einen Familienausflug zur nahegelegenen Burg Honburg. Mit Erfolg: Der neue Bereichsleiter aus Rio de Janeiro fasste in Tuttlingen Fuß.
Selbstverständlich ist das nicht. Denn Tuttlingen – ein Landkreis, dessen gleichnamige größte Stadt kaum 40.000 Einwohner zählt, ist geprägt von teils winzigen Gemeinden und einer peripheren Lage. Die nächsten Großstädte – Freiburg, Zürich oder Stuttgart – liegen jeweils rund 100 Kilometer entfernt. Was als Standort auf den ersten Blick strukturschwach wirkt, erweist sich bei genauerem Hinsehen als wirtschaftlich hochdynamisch.