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Energiepolitik Studie: Wie ein Wegfall der EEG-Umlage Familien und Unternehmen entlasten würde

Deutsche Stromverbraucher haben sich an hohe Strompreise gewöhnt. Doch in den kommenden Jahren gibt es Aussicht auf Entlastung. Das IW Köln hat verschiedene Fallbeispiele berechnet.
28.01.2021 - 08:13 Uhr 2 Kommentare
Das verarbeitende Gewerbe würde vom Wegfall der Umlage profitieren. Quelle: dpa
Mitarbeiter eines Unternehmens im Maschinenbau

Das verarbeitende Gewerbe würde vom Wegfall der Umlage profitieren.

(Foto: dpa)

Berlin Beim Energie-Gipfel des Handelsblatts machte Bundeswirtschafsminister Peter Altmaier eine Ankündigung, die viele Zuhörer aufhorchen ließ: Sein Ziel sei es, die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) innerhalb von fünf Jahren abzuschaffen, sagte der CDU-Politiker.

Wenn die Ankündigung wahr werden sollte, würde dies für Stromverbraucher eine erhebliche Entlastung bedeuten. Denn Stromkunden haben sich in den vergangenen Jahren an eine stetig steigende EEG-Umlage gewöhnen müssen. Um die 25 Milliarden Euro kommen mittlerweile pro Jahr zusammen. Das Geld wird über die Stromrechnung eingezogen.

Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW Köln) hat beispielhaft mehrere Fälle berechnet, die auf folgender Annahme beruhen: Die EEG-Umlage, die im Jahr 2022 sechs Cent betragen soll, wird in den Jahren 2023, 2024, 2025 und 2026 um jeweils 1,5 Cent reduziert. 2026 würde sie damit komplett entfallen.

Eine vierköpfige Familie mit einem Stromverbrauch von 5000 Kilowattstunden hätte dann im Jahr 2026 eine Ersparnis von 412,94 Euro zu verzeichnen. Ein Singlehaushalt käme 2026 auf eine Ersparnis von 165,18 Euro.

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    Noch deutlicher fiele die Entlastung für ein Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes aus. Das IW unterstellt dabei einen jährlichen Stromverbrauch von 500 Megawattstunden, was dem Median der Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes entspricht. Die Entlastung beliefe sich im Jahr 2026 auf 41.294,18 Euro.

    Entlastungen nach der „Besonderen Ausgleichsregelung“ (BesAR) des EEG, die in energieintensiven Unternehmen schon heute zu einer starken Reduzierung der EEG-Umlage führen, gelten erst ab einem Mindestverbrauch von 1000 Megawattstunden. Von der BesAR profitieren rund 2200 Abnehmer aus der Industrie. Die von Altmaier in Aussicht gestellte Reduzierung der EEG-Umlage wäre somit für viele Unternehmen des industriellen Mittelstands eine echte Erleichterung.

    Reform wird seit Längerem gefordert

    Dass die Steuern und Abgaben auf den Strom ein Ausmaß angenommen haben, das der Energiewende im Weg steht und für Teile der Wirtschaft zu einer großen Belastung geworden ist, bestreitet niemand. Eine grundlegende Reform wird daher seit Langem angemahnt. Schließlich geht es darum, strombetriebene Anwendungen konkurrenzfähig zu machen gegenüber solchen Anwendungen, die auf dem Einsatz fossiler Energieträger basieren. Klassisches Anwendungsbeispiel für den privaten Bereich ist eine strombetriebene Wärmepumpe statt eines herkömmlichen Heizkessels.

    Die Strompreise für private Haushalte sind in Deutschland höher als in den meisten anderen EU-Staaten. Endkunden zahlen hierzulande um die 30 Cent für eine Kilowattstunde Strom.

    Im Stromgroßhandel ist eine Kilowattstunde Strom für fünf Cent zu haben, die restlichen Kosten von 25 Cent erklären sich durch Steuern, Abgaben und Umlagen. Die beiden größten Posten sind dabei die Netzentgelte und die EEG-Umlage. Die EEG-Umlage beträgt in diesem Jahr 6,5 Cent je Kilowattstunde Strom.

    Allen Prognosen zufolge hätte sie zum Jahreswechsel rein rechnerisch deutlich höher ausfallen müssen. Die Große Koalition hatte jedoch bereits im Juni vergangenen Jahres die Reißleine gezogen und mit ihrem Konjunkturpaket beschlossen, die Umlage im Jahr 2021 bei 6,5 Cent zu deckeln. Im nächsten erfolgt ein weiterer Schritt: Die EEG-Umlage soll 2022 auf sechs Cent abgesenkt werden.

    Da die tatsächlichen Kosten zur Förderung der Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen 2021 und 2022 mit einer EEG-Umlage von 6,5 beziehungsweise sechs Cent nicht finanziert werden können, schießt der Bund erstmals Geld aus Haushaltsmitteln zu. Im Konjunkturpaket wird der Finanzbedarf für diese Aktion auf elf Milliarden Euro beziffert. Doch das dürfte erst der Anfang sein.

    Der Zuschuss aus dem Bundeshaushalt stellt einen Paradigmenwechsel dar. Mit den elf Milliarden Euro, die für die Jahre 2021 und 2022 eingeplant sind, wird man aber nicht weit kommen. Auch die Einnahmen aus dem seit Januar geltenden CO2-Preis in den Sektoren Wärme und Verkehr reichen nicht aus, um die gesamten Kosten der Förderung der Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen zu stemmen. Außerdem sind die Begehrlichkeiten mit Blick auf die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung hoch.

    Verstetigung der Finanzierung der EEG-Kosten

    Spätestens in der kommenden Legislaturperiode wird man sich daher Gedanken über eine Verstetigung der Finanzierung der EEG-Kosten machen müssen. Das Beratungsunternehmen EE Energy Engineers, eine Tochter des Tüv Nord, hat dazu ein Konzept entwickelt, das dem Handelsblatt vorliegt.

    Das Konzept lässt sich so umreißen: Die EEG-Umlage wird deaktiviert, die Finanzierung der EEG-Bestandsanlagen erfolgt künftig über die Einnahmen aus der Stromsteuer von derzeit 2,05 Cent je Kilowattstunde. Die Stromsteuer wird künftig nicht mehr pauschal je Kilowattstunde erhoben, sondern energiequellenbezogen berechnet.

    EE Energy Engineers empfiehlt, dafür die Umweltfolgekostenanalyse des Umweltbundesamts heranzuziehen, die sowohl CO2-Emissionen als auch Luftschadstoffe berücksichtigt. Dadurch würden sich hohe Steuersätze für umweltbelastende und niedrige für umweltfreundliche Energiequellen ergeben. Aus dem Strommix des Einführungsjahres leitet sich dann der neue Stromsteuersatz ab.

    Grafik

    Stromvertriebe, die der Steuerbehörde einen umweltfreundlicheren Strommix als der Durchschnitt vorweisen können, erhalten einen Steuernachlass, sodass diese eine niedrigere Steuer an ihre Kunden weitergeben können und damit einen Wettbewerbsvorteil erlangen.

    Die unterschiedlichen Steuersätze schaffen für Stromvertriebe einen Anreiz, Strom aus erneuerbaren Quellen zu beziehen. „Diese Systematik würde die Umweltfolgekosten als neuen roten Faden in das Energiepreissystem weben: Der Strompreis, den ein Stromvertrieb seinen Kunden anbieten kann, wird durch die Auswahl der Energiequelle gelenkt, die nachhaltigste Energiequelle wird zur günstigsten“, heißt es in dem Konzept von EE Energy Engineers.

    Für Endverbraucher sei kein Strompreisanstieg zu erwarten, da sich die Effekte aus der Streichung der EEG-Umlage und der Veränderung der Stromsteuer ausgleichen. Auch werde der Börsenstrompreis nicht steigen, womit keine Belastung der energieintensiven Industrie zu erwarten sei.

    Mehr: Michael Vassiliadis: „Der Industriestandort Europa hat keine Chance, wenn er die höchsten Energiepreise hat“

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    2 Kommentare zu "Energiepolitik: Studie: Wie ein Wegfall der EEG-Umlage Familien und Unternehmen entlasten würde"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • An eine Sekung glaube ich nicht. Die Gelder, die jetzt in der Corona Pandemie mit der Scholz Corona-Schreck (Bazooka) verballert wurden, müssen ja irgendwie wieder herein geholt werden.
      Da der Trend zum E-Auto geht, wird der Strom garantiert nicht billiger, da die Steuereinnahme aus Kraftstoffen ja wegfallen und soviele Raucher haben wir auch nicht, die das mit einer erhöhten Tabaksteuer ausgleichen könnten.
      In meinen Augen, leere Versprechungen, denn, wir wissen ja alle: Es ist SUPERWAHLJAHR!
      My two cent.

    • grundsätzlich kann gesagt werden, dass wir uns nicht an die höchsten Strompreise in Europa gewöhnt habe. Ein Minister Altmaier behauptet, die Strompreise werden gesenkt; ist er dann noch in der Regierung???? Das IW kann Beispiele liefern, aber solange die Regierung weiterhin auf über 50 % Abgaben und Steuern besteht, ist das alle sehr fragwürdig. Auf der einen Seite geben wir jedes Jahr über 80 Milliarden für Asylanten aus,
      ohne Probleme zu haben und auf der anderen Seiten ist die Abschaffung des Solis sehr
      schwierig. Solange die Kommunen über 60% ihres Haushaltes für HartzIV und Asylanten ausgeben, ist eine Senkung Utopie.

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