Finanzstaatssekretär Werner Gatzer wechselt zur Bahn: Der rote Architekt der schwarzen Null
In den aktuellen Koalitionsverhandlungen spielt er nochmal Kassenwart und hat das Budget im Blick.
Foto: dpaBerlin. Wenn Kollegen im Bundesfinanzministerium Werner Gatzer dieser Tage fragen, welchen neuen Job er denn in Aussicht habe, erhalten sie meist diese Antwort: „Ich werde Sportdirektor beim 1. FC Köln.“ Der Haushaltsstaatssekretär ist Anhänger des Vereins, seinen Dienstwagen schmückt nicht nur ein Kölner Kennzeichen, sondern auch ein FC-Aufkleber.
Die Aussage ist der scherzhafte Versuch, sich vor einer Antwort zu drücken. Das Handelsblatt hatte bereits über seinen Abschied aus dem Ministerium berichtet. Seitdem gibt es viele Fragen. Doch Gatzer will dazu nichts sagen. Trotzdem ist nun bekannt geworden: Der Jurist soll Vorstand bei einem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn werden, wie es im Ministerium heißt.
Im Konzernvorstand der Deutschen Bahn sitzt wiederum Ronald Pofalla. Der frühere Kanzleramtschef und der Haushaltsstaatssekretär kennen sich gut aus Zeiten der schwarz-gelben Koalition.
Anders als in einem Medienbericht dargestellt, soll Gatzer aber künftig nicht für den Schienenbereich bei DB Netze zuständig sein. Hier steuert der Bund als Eigentümer regelmäßig Mittel zu. Für das Finanzministerium sitzt Gatzer derzeit im Aufsichtsrat der Post und des Flughafens BER. Bei der Bahn war er nie im Kontrollgremium.
Er war der Kassenwart im Hintergrund
Zwölf Jahre ist Gatzer nun Staatssekretär, diente erst Peer Steinbrück (SPD), dann Wolfgang Schäuble (CDU). Dass Schäuble 2009 an dem SPD-Beamten festhielt, war eine Überraschung. Zumal Gatzer damals schon einmal auf dem Sprung zur Bahn war. Schäuble wollte aber auf seine Erfahrung nicht verzichten, überredete ihn zu bleiben. Es zahlte sich für beide aus.
Zusammen schafften sie 2014 den ersten ausgeglichenen Bundeshaushalt seit mehr als vier Jahrzehnten. Die schwarze Null gilt als einer der größten Erfolge Schäubles. Der Kassenwart im Hintergrund, der jährlich in harten Verhandlungen mit den Ressorts Ausgabenwünsche abwehrte, war Gatzer.
Nun will der 58-jährige Vater von vier Kindern etwas Neues angehen. Eine Aufgabe muss zuvor aber noch erledigt werden: Dem Kanzleramt ist wichtig, dass Gatzer während der Koalitionsverhandlungen das Budget im Blick behält. Damit die schwarze Null des roten Staatssekretärs auch in Zukunft Bestand hat.