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Geschwindigkeitsbegrenzung Tempolimit: Versicherer schlagen einen Praxistest vor

Sinkt das Unfallrisiko mit einem allgemeinen Tempolimit? Diese Frage ist in Deutschland aus Sicht der Versicherer nicht ausreichend erforscht worden.
30.12.2019 - 08:55 Uhr 2 Kommentare
Tempolimit: Versicherer schlagen Praxistest vor Quelle: dpa
Tempolimit

Die SPD fordert eine allgemeine Höchstgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometern auf deutschen Autobahnen.

(Foto: dpa)

Berlin In der Debatte um ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen schlägt die deutsche Versicherungswirtschaft einen Praxistest vor. Dieser solle klären, „ob ein Tempolimit auf Autobahnen wirklich zu einem deutlichen Mehr an Sicherheit führt und, wenn ja, wie viel“, sagte Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Bisher sind die Wirkungen wissenschaftlich nicht umfassend untersucht worden. Da haben wir, was Deutschland angeht, eine Lücke.“

Auch die Gewerkschaft der Polizei fordert ein Gutachten über den Nutzen eines Tempolimits. „Die Bundesregierung sollte ein wissenschaftliches Gutachten in Auftrag geben, um valide Zahlen über den Nutzen eines Tempolimits zu bekommen“, sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende der GdP, Michael Mertens, dem Handelsblatt. „Mit einer solchen Grundlage kann man die aktuell sehr emotionsgeladene Diskussion sicher auf eine sachliche Ebene bringen.“

Die GdP befürwortet ein Tempolimit. Der Verkehrssicherheitsgedanke sei hierbei entscheidend. „Mit einer Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen verringert sich auch das Risiko schwerer Unfälle mit Schwerstverletzten“, sagte Mertens. Es gebe Schätzungen, die davon ausgehen, dass man mit einem Tempolimit bundesweit etwa 80 Verkehrstote pro Jahr vermeiden könne. „Schon allein deshalb macht eine Diskussion darüber Sinn, ob ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern angemessen ist“, betonte der GdP-Vize.

Die Diskussion um ein Tempolimit ist in den letzten Wochen neu entfacht worden. Die Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD ist sich in dieser Frage uneins. Svenja Schulze von der SPD ist mit CSU-Verkehrsminister Andreas Scheuer auf Konfrontationskurs gegangen, der ein Tempolimit strikt ablehnt.

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    Die Bundesregierung hat einem generellen Tempolimit auf Autobahnen trotz des fortdauernden Koalitionsstreits erneut eine Absage erteilt. „Die Bundesregierung plant kein allgemeines Tempolimit auf bundesdeutschen Autobahnen“, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Montag in Berlin. Das sei im Koalitionsvertrag von Union und SPD auch nicht vorgesehen. Darüber hinaus gebe es „keinen neuen Stand“.

    Ein Tempolimit verringere die Unfälle mit Todesfolge und spare jährlich ein bis zwei Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2), sagte die Umweltministerin. „Insofern spricht der gute Menschenverstand für die Einführung eines generellen Tempolimits, das es in fast allen EU-Ländern längst gibt.“

    Auch SPD-Chefin Saskia Esken legte nach: Es gebe nur wenige Länder ohne Tempolimit, etwa Nordkorea. Die SPD hatte auf einem Parteitag Anfang Dezember ein Tempolimit von 130 auf Autobahnen gefordert. Scheuer lehnt das ab: „Wir haben weit herausragendere Aufgaben, als dieses hochemotionale Thema immer wieder ins Schaufenster zu stellen – für das es gar keine Mehrheiten gibt.“

    Der CSU-Verkehrspolitiker Ulrich Lange übte scharfe Kritik an der Haltung der SPD: „Die neuen SPD-Vorsitzenden sind offensichtlich völlig von der Rolle“, sagte der stellvertretende Fraktionschef der Unionsfraktion im Bundestag der dpa. „Wer glaubt, ein generelles Tempolimit sei die dringendste Maßnahme, um die Abwanderung von SPD-Wählern zu stoppen, dem ist offensichtlich der politische Kompass verloren gegangen.“

    Deutschland habe „mit die sichersten Autobahnen der Welt“. Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Grosse-Brömer (CDU) sprach von „Symbolpolitik“. Die SPD solle lieber Vorschläge für eine bessere Lenkung der Verkehrsströme machen, statt „immer wieder alte Ladenhüter hervorzuholen“, sagte er der „Bild am Sonntag“.

    Mehr: Die SPD hat erneut die Debatte um ein Tempolimit angestoßen. So rational richtig die Forderung sein mag, so wenig wird sie aber der Partei politisch nutzen.

    • dpa
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    2 Kommentare zu "Geschwindigkeitsbegrenzung: Tempolimit: Versicherer schlagen einen Praxistest vor"

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    • Also ich bin, obwohl im Ruhestand, immer noch viel auf der Autobahn unterwegs. Ich stelle fest, dass selbst auf freien Abschnitten ohne Tempolimit nur sehr wenige schneller als 130-140 km/h unterwegs sind. Bei meinem früheren Arbeitgeber war es üblich, dass Kollegen, die weitere strecken, z.B. die "berühmte" Strecke Hamburg-München, diese in der Regel nicht mitihrem Firmenfahrzeug gefahren sind, sondern auf die Bahn ausgewichen sind, da sie unterwegs noch arbeiten konnten. Also ich persönlich komme mit 130 km/h zurecht. Problem habe ich eher mit Streckenabschnitten, wo aus unersichtlichen Gründen z.B. Tempo 100 vorgegeben ist. Ich finde nur, dass dieses Therma kürzlich im Bundestag abgehandelt wurde und nicht nach 4 Monaten wieder hervorgeholt und von wem. Frau Schulze z.B. springt auf alles, was den leichten Anschein von Umweltschutz hat. Außerdem wird sich mit zunehmender Zahl von E-Autos dieses Thema eh relativieren, da die Fahrer von E-Autos bei höheren Geschwindigkeiten ihre teorethische Reichweite in Wohlgefallen auflöst.

    • Den möglichen Nutzen/Vorteilen eines Tempolimits müssen mit der Methodik einer Folgeabschätzung, wie sie bei Gesetzentwürfen im Bundestag eigentlich verpflichtend ist, auch alle Nachteile bewertet werden - zum Beispiel durch zusätzlichen Zeitaufwand von Millionen von Verkehrsteilnehmern, um eine potentielle Reduktion von weniger als 3% bei Verkehrstoten zu erreichen. Ein Praxistest ist dafür bestens geeignet und kann durch den Vergleich von Autobahnstrecken mit und ohne Tempolimit, wie sie bereits heute existieren, schnell erfolgen.

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