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Globale Gesundheitskrise Die Corona-Pandemie offenbart das Versagen der Weltgemeinschaft

Weil die USA als Krisenmanager ausfielen und China Fakten verschleierte, konnte sich das Coronavirus rasant ausbreiten. Deutschland will nun die Rolle der EU stärken.
17.05.2020 - 18:30 Uhr Kommentieren
Deutschland will die Europäische Union als globalen Gesundheitswächter stärken. Quelle: Reuters
Rettungsdienst

Deutschland will die Europäische Union als globalen Gesundheitswächter stärken.

(Foto: Reuters)

Berlin Als Donald Trump im Januar 2017 ins Weiße Haus einzieht, liegt für den neuen US-Präsidenten und seine Mitarbeiter ein Handbuch zur Bekämpfung von Gesundheitskrisen bereit. Das „Playbook For High-Consequence Emerging Infectious Disease Threats and Biological Incidents“, vom Nationalen Sicherheitsrat erstellt, beschreibt auf 69 Seiten, wie die USA mit Pandemien umgehen sollten – national wie international.

Doch Trumps Team zeigt kein Interesse, der multilaterale Ansatz passt nicht zur America-First-Ideologie. Das Dokument, das als Krisenplan für den Umgang mit dem Coronavirus hätte dienen können, wird bald vergessen.

Die Vereinigten Staaten hatten traditionell ein wachsames Auge auf weltweite Gesundheitsbedrohungen, unter Trump hat sich das geändert. Die aufstrebende Macht China scheint unterdessen eher damit beschäftigt zu sein, Versäumnisse in der Frühphase des Ausbruchs zu verschleiern. Die Welt rollte im Schlafwagen in die Pandemie.

Sie wachte erst auf, als es schon zu spät war. „Die USA haben in vergleichbaren Krisen eine Führungsrolle gespielt, unter Nutzung von internationalen Organisationen und der Schaffung von Ad-hoc-Koalitionen“, sagt der Diplomat Boris Ruge, Vizechef der Münchner Sicherheitskonferenz. „Dieses Mal sind die USA abwesend.“

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    Dabei hat die US-Regierung derzeit die G7-Präsidentschaft inne, sie hätte das Forum nutzen können, die Welt auf gemeinsames Handeln einzuschwören. Doch nach Handelsblatt-Informationen war es die Bundesregierung, die im G7-Kreis auf ein abgestimmtes Vorgehen drang.

    „Wir haben es mit einem perfekten Sturm zu tun“

    Anfang Februar organisierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ein Krisentelefonat mit den Kollegen aus Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und den USA. Um Washington nicht zu düpieren, erklärte man anschließend, die Beratungen seien „auf gemeinsame Initiative“ von Spahn und US-Gesundheitsminister Alex Azar zustande gekommen.

    Jeremy Farrar, Leiter des Wellcome Trusts, einer der finanzstärksten medizinischen Stiftungen der Welt, alarmiert das globale Führungsdefizit: „Wir haben es mit einem perfekten Sturm zu tun“, sagte er dem Handelsblatt: „Ein Virus, das unglaublich ansteckend ist und Menschen tötet, breitet sich vor dem Hintergrund einer brüchigen geopolitischen Ordnung aus.“

    Vor allem das Misstrauen zwischen China und den USA sei ein Problem. Globale Institutionen wie die Vereinten Nationen und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) seien zunehmend politisiert. „Die öffentliche Gesundheit darf aber kein politischer Spielball sein“, mahnt Farrar. „Wenn wir jetzt auf Nationalismus und Schuldzuweisungen setzen, werden wir in der Zukunft noch schlimmere Gesundheitskrisen als heute erleben.“

    An diesem Montag beginnt die Weltgesundheitsversammlung, das höchste Entscheidungsgremium der WHO. Wegen der Corona-Pandemie findet die Versammlung nur virtuell statt, doch die Spannungen zwischen Washington und Peking könnten sich hier auf offener Bühne entladen.

    Grafik

    Deutschland versucht sich seit einigen Jahren an einer Führungsrolle bei der internationalen Gesundheitskooperation. Doch die Möglichkeiten der Bundesrepublik sind begrenzt. Daher will Berlin nun die Europäische Union als globalen Gesundheitswächter stärken.

    Ein Schwerpunkt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr ist, das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) aufzuwerten. Die bislang weitgehend unbekannte Behörde soll einen größeren Etat und mehr Kompetenzen bekommen, um den Ausbruch von Seuchen frühzeitig zu erkennen und zu bekämpfen.

    Die diplomatischen Bemühungen der USA beschränken sich dagegen auf Versuche, Verbündete dazu zu bringen, das Coronavirus als „Wuhan-Virus“ zu bezeichnen – nach der chinesischen Stadt, in der es erstmals nachgewiesen wurde. Trump sucht den Konflikt mit China, auch weil er so von eigenen Fehlern ablenken kann.

    Als Reaktion auf den wachsenden Einfluss der Chinesen auf die WHO verhängten die USA inmitten der Pandemie einen Zahlungsstopp, obwohl viele Entwicklungsländer auf die Hilfen der Organisation dringend angewiesen sind – und der chinesische Einfluss durch Amerikas Rückzug nur noch größer wird.

    Das geopolitische Vakuum der USA

    China nutzt die Krise für eine Propagandaoffensive. Das Land inszeniert sich als Retter in der Not. Obwohl Missmanagement und Lügen der Regierung mit dafür verantwortlich sind, dass sich das Virus weltweit verbreiten konnte, gelingt es dem Regime, in das geopolitische Vakuum vorzustoßen, das die USA hinterlassen. Viele medizinische Schutzgüter werden in China gefertigt, das ist ein Machthebel. Wer weiterhin Atemmasken bekommen will, hat sich dankbar zu zeigen und die Lieferungen medienwirksam in Empfang zu nehmen.

    Auch die Bundesregierung macht bei diesem Spiel mit, obwohl sich die Chinesen gerade auf deutsche Kosten profilieren, etwa in Italien. Deutschland stellt 700 Millionen Euro für die Entwicklung eines Impfstoffes bereit, stockt die humanitäre Hilfe auf, nimmt Intensivpatienten anderer Länder auf – doch medial verblasst der deutsche Beitrag gegen Chinas Maskenshow.

    Nicht zuletzt aufgrund der Propagandamanöver Pekings wachsen Zweifel an der europäischen Solidarität. Die EU ist geschwächt. Für Julie Smith, die als Sicherheitsberaterin für den früheren US-Vizepräsidenten Joe Biden arbeitete, ist das Versagen der USA deshalb noch gravierender.

    „Amerika ist in der Lage, die Welt zusammenzubringen. Wir machen alle verrückt, aber wenn wir den Leuten sagen, sie sollen sich zusammensetzen, dann kommen sie auch“, sagte Smith dem Handelsblatt. Europa, zumal in seiner derzeitigen Verfassung, könne die Vereinigten Staaten nicht gleichwertig ersetzen.

    Normalerweise ist die US-Seuchenschutzbehörde CDC der Warnsensor bei Gesundheitskrisen. Sie ist noch immer in vielen Weltregionen präsent. Beim Coronavirus aber war sie blind: Trump hatte im Juli 2019 den letzten CDC-Spezialisten aus China abgezogen.

    Smith befürchtet, dass Amerikas Führungsversagen in der Coronakrise dem internationalen Einfluss der USA „bleibende Schäden“ zufügt. Die Berliner US-Botschaft stellt das zwar ganz anders dar: Die USA hätten bereits 775 Millionen Dollar für den internationalen Kampf gegen Covid-19 bereitgestellt.

    Doch zumindest die Bundesregierung hat kaum noch Erwartungen an Washington, solange Trump im Weißen Haus sitzt. Was bleibt, ist Wehmut. Ein Spitzenbeamter sagt: „Wenn der US-Präsident noch Barack Obama hieß, wäre die Krise völlig anders verlaufen.“

    Mehr: Die Coronakrise führt die Weltwirtschaft in ein Schuldenproblem historischen Ausmaßes.

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