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Ifo-Beraterklima Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sind die Gewinner der Coronakrise

Die Mehrzahl der Berater schaut zuversichtlich ins neue Jahr – trotz der Pandemie. Auch Skandalen wie Wirecard oder Cum-Ex ändern daran nichts.
05.01.2021 - 03:53 Uhr Kommentieren
Üblicherweise ist die Stimmung unter den Beratern merklich besser als in der Gesamtwirtschaft. Quelle: Bloomberg
Beraterbranche

Üblicherweise ist die Stimmung unter den Beratern merklich besser als in der Gesamtwirtschaft.

(Foto: Bloomberg)

Berlin Die Beraterbranche hat Corona abgehakt. Nachdem während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 die Stimmung bei Rechtsanwälten und Steuerberatern sowie Wirtschaftsprüfern ebenso wie im Rest der Wirtschaft in bislang ungekannte Tiefen rauschte, geht die große Mehrzahl der Berater jetzt mit Optimismus ins neue Jahr.

Das signalisiert das Ifo-Beraterklima, das das Münchener Wirtschaftsforschungsinstitut für das Handelsblatt berechnet hat. Zum Jahresausklang notierte das saisonbereinigte Beraterklima bei 31,1 Zählern und damit fast genau auf dem Niveau von Februar 2020, als noch nicht absehbar war, welch weitreichende Folgen die Pandemie für die deutsche Wirtschaft haben würde.

„Die Anwaltschaft geht optimistisch in das Jahr 2021“, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Anwaltvereins (DAV), Sylvia Ruge, dem Handelsblatt. Unternehmen und Verbraucher sähen sich zahlreichen, zum Teil neuen rechtlichen Herausforderungen gegenüber.

„Hier ist die Anwaltschaft gefragt, Orientierungshilfe im Allgemeinen zu bieten oder auch konkret Förderungen für die Mandantschaft zu beantragen“, erklärte Ruge.

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    Mehrzahl der Unternehmen zufrieden

    „Über mangelnde Auslastung kann der Berufsstand aktuell nicht klagen“, sagte auch Steuerberaterpräsident Harald Elster. „Ganz im Gegenteil: Die Flut an Zusatzaufgaben hat Kanzleien in diesem Jahr an die äußerste Belastungsgrenze, wenn nicht darüber hinaus, getrieben.“ Den Deutschen Steuerberaterverband (DStV) hätten „zahlreiche Verzweiflungsrufe“ aus der Praxis erreicht.

    „Solange die Krise anhält, wird es auch weiterhin zu extremen Belastungsspitzen in den Kanzleien kommen“, prophezeite Elster. Die Wirtschaftsprüfer blicken „bei allen Unsicherheiten“ ebenfalls „leicht optimistisch“ auf das Jahr 2021, „da mit dem Impfstoff gegen das Covid-19-Virus die Wirtschaftskrise sukzessive beendet werden wird“, wie Melanie Sack, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW), meint.

    Das Ifo-Beraterklima basiert auf einer repräsentativen Befragung von Unternehmen. Es ist Teil des Ifo-Geschäftsklimas, des wichtigsten Konjunkturindikators für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland.

    Die Corona-Pandemie hält die Branchen in Atem – und verschafft den Beratern Zusatzaufträge. Quelle: dpa
    Produktion in der Autoindustrie

    Die Corona-Pandemie hält die Branchen in Atem – und verschafft den Beratern Zusatzaufträge.

    (Foto: dpa)

    Üblicherweise ist die Stimmung unter den Beratern zwar merklich besser als in der Gesamtwirtschaft, gänzlich immun gegen Konjunkturschwankungen ist die Branche jedoch nicht. Im abgelaufenen Jahr dürfte die Wirtschaftsleistung in Deutschland um etwa fünf bis sechs Prozent geschrumpft sein und damit ähnlich stark wie im Jahr 2009, dem Jahr nach der globalen Finanzkrise.

    „Die Branche ist bisher relativ gut durch die Coronakrise gekommen“, erläuterte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Gegenwärtig seien 54 Prozent der Unternehmen mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden. Der Tiefpunkt war im April, als dies nur rund 30 Prozent waren.

    „Richtig unzufrieden mit den laufenden Geschäften ist derzeit nahezu kein Unternehmen der Beraterbranche.“ Der zweite Lockdown scheine keinen Einfluss auf die laufenden Geschäfte zu haben. Die vielen Hilfsaktionen der Regierung hätten offenbar einen erhöhten Bedarf an steuerlicher Beratung generiert, so Wohlrabe.

    Dabei kam es für große Teile der Branche dieses Jahr knüppeldick. Die Pleite des Skandalunternehmens Wirecard beschädigte das Image der Wirtschaftsprüfer nachhaltig. Als Folge aus dem Skandal verschärfte die Bundesregierung die Regulierung sowie die Sorgfaltspflichten und Haftungsregeln der Berater. Auch die Cum-Ex-Affäre um zu Unrecht erstattete Steuern ließ die Berater in keinem guten Licht erscheinen.

    Die Pleite des Zahlungsdienstleisters beschädigte auch die Branche der Wirtschaftsprüfer. Quelle: dpa
    Wirecard-Zentrale in Aschheim bei München

    Die Pleite des Zahlungsdienstleisters beschädigte auch die Branche der Wirtschaftsprüfer.

    (Foto: dpa)

    „Wirecard und der Cum-Ex Skandal haben einen unschönen Schatten, insbesondere auf die Wirtschaftsprüfungsbranche, geworfen“, gab Steuerberaterpräsident Elster zu. „Es ist natürlich unfair, ausgehend vom Fehlverhalten Einzelner, mit erhobenem Zeigefinger Anklage gegen den gesamten Berufsstand zu erheben.“

    Schärfere gesetzliche Regulierungen hätten trotzdem nicht lange auf sich warten lassen, etwa höhere Haftungsgrenzen, unbegrenzte Haftung bei grober Fahrlässigkeit und die Verschärfung des Bilanzstrafrechts bei falschem „Bilanzeid“. Elster meint: „Solche Maßnahmen können zum einen teuer werden und zum anderen natürlich einschüchtern.“ Es stehe daher zu befürchten, dass sich gerade kleine Wirtschaftsprüfungsgesellschaften weiter vom Markt zurückziehen.

    Umsatzerwartungen vermehrt wieder expansiv

    Auch laut IDW führen die schärferen Anforderungen zu einer weiter steigenden Konzentration im Berufsstand, sowie zu weniger Qualität in der Abschlussprüfung und zu Schwierigkeiten, Wirtschaftsprüfernachwuchs zu finden. Das durch den Wirecard-Skandal ausgelöste Finanzmarktintegritätsstärkungsgesetz „lehnt der Berufsstand ab“, erklärte IDW-Vorstandsmitglied Sack.

    „Die Regelungen zeugen von blindem Aktionismus, aber nicht von dem Willen, ähnliche Fälle von Bilanzbetrug in Zukunft zu verhindern oder zumindest zu erschweren.“ Dazu wären insbesondere Veränderungen im System der Corporate Governance erforderlich.

    DAV-Hauptgeschäftsführerin Ruge gibt sich gelassen: „Große Wirtschaftsskandale wie die um Wirecard oder die Cum-Ex-Geschäfte mögen eine Zeit lang die Schlagzeilen bestimmen.“ Was die fast 170.000 Anwälte Tag für Tag für den Rechtsstaat leisteten, bestimme „das Bild in den Köpfen der Menschen jedoch viel, viel mehr“.

    Zu Unmut mag indes die Tatsache geführt haben, dass Unternehmen in Corona-Not einen Steuerberater konsultieren mussten, um an staatliche Hilfen zu gelangen – und dessen Honorarnote weit schneller als die Staatshilfe ins Haus flatterte. Die Erhöhung der Anwaltsgebühren um rund zehn Prozent zum Jahresstart 2021 dürfte ebenfalls vielen Mandanten unangenehm aufstoßen – vor allem wenn sie selbst gerade in Existenznot stecken.

    „Nach dem Zwischentief im Frühjahr fallen die Umsatzerwartungen in der Brache vermehrt wieder expansiv aus“, analysiert Ifo-Experte Wohlrabe. Etwa 28 Prozent der Unternehmen rechneten in den kommenden Monaten mit steigenden Umsätzen; sinkende Umsätze erwarteten lediglich knapp sieben Prozent.

    Grund sei auch die große Zufriedenheit mit dem aktuellen Auftragsbestand, die gegenwärtig „deutlich über dem langfristigen Mittelwert liegt“. Nachdem im Frühjahr die Unternehmen eher Vorsicht bei der Preisgestaltung walten ließen, planten nun knapp 30 Prozent, an der Preisschraube zu drehen.

    Auch der Arbeitsmarkt für Berater hat sich wieder gefangen. In der ersten Jahreshälfte seien die Unternehmen eher zurückhaltend mit Neueinstellungen gewesen, so Ifo. Doch nun plant jedes fünfte Unternehmen der Branche, seinen Personalstamm zu vergrößern – vor genau einem Jahr planten dies lediglich rund zehn Prozent der Beraterfirmen.

    Mehr: Die Lehren aus dem Fall Wirecard

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