Inflation: Beschäftigten drohen 2024 Reallohnverluste – trotz hoher Tarifabschlüsse
Die Post-Beschäftigten profitieren zwar von einem starken Tarifabschluss, müssen 2024 aber wohl ein Reallohnminus hinnehmen.
Foto: IMAGO/Bernd FriedelBerlin. Die Gewerkschaften haben angesichts der stark gestiegenen Preise zuletzt viel beachtete Tarifabschlüsse durchgesetzt. Doch trotz kräftiger Zuwächse bei Löhnen und Gehältern drohen den Beschäftigten im kommenden Jahr erneut Reallohnverluste.
Das zeigt eine Untersuchung des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Dessen Vizepräsident Oliver Holtemöller hat für das Handelsblatt die Abschlüsse in der Chemiebranche, in der Metall- und Elektroindustrie, bei der Deutschen Post und im öffentlichen Dienst analysiert.
Legt man die Inflationsprognose des IWH zugrunde, werden in allen vier untersuchten Branchen die Löhne im kommenden Jahr nach Abzug der Preissteigerung sinken. Am stärksten fällt das Minus bei den Post-Beschäftigten aus, die dafür aber im laufenden Jahr mit real 7,2 Prozent auch das größte Einkommensplus verbuchen.
Tarifabschlüsse gleichen Inflation nicht aus
Holtemöller hat für seine Berechnungen jeweils eine mittlere Entgeltgruppe gewählt und für die Jahre 2022 bis 2024 die Tariflohnveränderung gegenüber dem Vorjahr berechnet. Dabei fließen sowohl tabellenwirksame Prozenterhöhungen als auch einmalig gezahlte Inflationsausgleichsprämien ein, die die Bundesregierung bis zur Höhe von 3000 Euro von Steuern und Abgaben befreit hat. Brutto ist bei den Inflationsprämien also gleich netto.