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Interview Bürgermeister von Grünheide: „Die Tesla-Ansiedlung ist wie ein Lottogewinn“

In Grünheide bei Berlin will Autobauer Tesla die erste Gigafactory in Europa errichten. Im Interview erklärt der Bürgermeister, warum er an das Projekt glaubt – und was es für seine Gemeinde bedeutet.
31.08.2020 Update: 31.08.2020 - 15:41 Uhr 1 Kommentar
Bürgermeister von Grünheide: „Die Tesla-Ansiedlung ist wie ein Lottogewinn“ Quelle: Bloomberg
Arne Christiani

„Tesla legt während der Bauphase ein großes Augenmerk auf die Schiene.“

(Foto: Bloomberg)

Berlin Elon Musk reist nach Deutschland. Er komme wegen eines Projekts mit der deutschen Biotech-Pharmafirma Curevac, das an einem Corona-Impfstoff arbeitet, und wegen des Baus der Elektroautofabrik in Grünheide bei Berlin, twitterte der Tesla-Chef am Sonntagabend. „Tesla baut als Nebenprojekt RNA-Mikrofabriken für Curevac und möglicherweise andere“, erklärte Musk. Deshalb und wegen der Fabrik „bin ich diese Woche auf dem Weg nach Deutschland“.

Weitere Details über Musks Reisepläne waren zunächst noch nicht publik, doch in einem Ort dürfte man sich ganz besonders über den Besuch aus den USA freuen: in Grünheide in Brandenburg, wo Tesla seine erste Gigafactory in Europa baut. Die Ansiedlung sei „wie ein Lottogewinn“, sagte der Bürgermeister der Gemeinde, Arne Christiani (parteilos), dem Handelsblatt.

Auch die Zusammenarbeit mit dem Autobauer laufe gut. „Die Tesla-Leute haben ganz klare Vorgaben und Ziele.“ Und der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) habe ihnen versprochen, dass das Vorhaben nicht an Brandenburgs Bürokratie scheitern werde. „Auf der Basis lässt es sich gut arbeiten.“

Laut Christiani soll es bis Ende des Jahres einen Plan geben, der die Potenziale der Region für weiteres Gewerbe und Wohnungsbau aufzeige. „Dann werden wir sehen, was machbar ist und wo planungsrechtlich nachgebessert werden muss.“ Der Bürgermeister geht allerdings jetzt schon davon aus, dass nicht alle Personen, die künftig bei Tesla arbeiten, in der Gemeinde wohnen werden. „Grünheide ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt ziemlich am Ende mit dem, was es kann“, sagte er. „Wir können Baulücken schließen und für eine behutsame Entwicklung sorgen – aber es wird hier keine großen neuen Wohn- oder Gewerbegebiete geben.“

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Standort erkennen

    Lesen Sie hier das komplette Interview:

    Herr Christiani, Sie sind der glückliche Bürgermeister, in dessen Gemeinde Tesla baut.
    So ist es. Jahrelang habe ich mich dafür entschuldigt, keine qualifizierten, hochwertigen Arbeitsplätze nach Grünheide gebracht zu haben. 2019 brauchte ich das zum ersten Mal nicht mehr – dank Tesla.

    Ein gutes Gefühl?
    Ja, darauf haben wir lange hingearbeitet. Auf der Fläche ist kein Saurierpark gebaut worden, wie es zwischenzeitlich angedacht war.

    Wie haben Sie von der Standortentscheidung erfahren?
    Ich wusste, wann und wo Elon Musk seine Entscheidung verkünden würde.

    Sie waren vorab informiert?
    Ja. Brandenburg hatte sich um das Vorhaben beworben, weil es in Grünheide diese 300 Hektar große Industriefläche gab. Mit eigener Autobahnabfahrt, eigenem Gleis und direkter Bahnverbindung nach Berlin.

    Hat sich Tesla deswegen für Grünheide entschieden?
    Es hat sich nach der Bewerbung jedenfalls verdichtet, dass Brandenburg in die engere Auswahl kommt. Im September, also vor knapp einem Jahr, kam dann die Information: Wir haben da was für euch, wir müssen reden. Hauptansprechpartner war aber das Land.

    Warum?
    Weil Brandenburg die Fläche gehörte, nicht der Gemeinde. Aber bei uns liegt die Hoheit über das Bebauungsplanverfahren.

    Somit mussten Sie sich nicht dafür ins Zeug legen, dass sich überhaupt ein Investor für die Fläche interessiert.
    Nein, das hatte das Land Brandenburg in der Hand.

    Tesla findet den Standort offenbar prima – im Gegensatz zu BMW. Der Autobauer hat sich am Ende für Leipzig entschieden.
    Die Absage von BMW ist 20 Jahre her. Ich glaube, Grünheide war damals als Standort schlicht nicht attraktiv genug. Seitdem haben wir viel gelernt, auch weil Interessenten danach ganz konkrete Anforderungen an die Region gestellt haben.

    Welche?
    Es braucht ein Angebot an Schulen, Kitas, Kultur, Sport, Freizeitmöglichkeiten. So weit waren wir 2001 noch nicht. Mittlerweile haben wir sogar Preise bekommen: als familienfreundlichste Gemeinde Brandenburgs, dann als sportlichste Gemeinde. Besonders stolz sind wir auf unseren Löcknitz-Campus.

    Warum?
    Hier wird Ihnen von der Kinderkrippe bis zum Abitur alles geboten. Ganztagsschulen, private Oberschulen – alles vorhanden. Und dann können Sie ringsherum in der Region eine hervorragende Berufsausbildung machen. Daneben gibt es jede Menge Möglichkeiten, um zu studieren.

    Trotzdem finden nicht alle in der Region die Ansiedlung gut.
    Die meiste Kritik ist verstummt.

    Außer der Kritik am hohen Wasserverbrauch und der Frage, ob die Region überhaupt genügend Wasser hat.
    Wo das Wasser für die Fabrik herkommt, ist eher eine technische Frage. München wird zum Beispiel von einer Wasserquelle versorgt, die 80 Kilometer entfernt ist. Was lernen wir daraus? Wasser ist ein Allgemeingut. Es muss von der Stelle, wo es vorhanden ist, zu der Stelle transportiert werden, wo es gebraucht wird. Das ist die Herausforderung – und die ist lösbar.

    Muss Tesla noch liefern?
    Nein. Diejenigen, die im Land Brandenburg die Wasserhoheit haben, müssen die Frage beantworten, wo das Wasser für Tesla herkommt – und zwar für den Fall, dass die gesamten 300 Hektar bebaut werden, nicht nur die 90 Hektar der ersten Ausbaustufe. Ansonsten kommen wir im Bebauungsplanverfahren nicht weiter.

    Im September wird es noch eine öffentliche Anhörung geben.
    Diese betrifft das Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Für den endgültigen Genehmigungsbescheid ist aber das abgeschlossene Bebauungsplanverfahren Voraussetzung.

    Was muss außer der Wasserfrage geklärt werden?
    Das gesamte Verkehrskonzept: Schienenverkehr, die anliegende Autobahn und Landesstraßen. Ziel muss sein, die nahe gelegenen Orte vom Verkehr zu entlasten.

    Mit welchen Verkehrsaufkommen rechnen Sie?
    Das hängt davon ab, wie leistungsfähig die Bahn ist. Tesla legt während der Bauphase schon ein großes Augenmerk auf die Schiene. Die meisten Baufertigteile werden im nahe gelegenen Freienbrink über die Schiene angeliefert. Deswegen ist Tesla auch so schnell. Elon Musk hat ja vor, in Grünheide die Bauzeit der Gigafactory in Schanghai zu unterbieten, das waren elf Monate.

    Hatten Sie selbst schon Kontakt mit Elon Musk?
    Nein, nur mit seinen Mitarbeitern.

    Wie läuft die Zusammenarbeit?
    Die Tesla-Leute haben ganz klare Vorgaben und Ziele. Und der Ministerpräsident hat ihnen versprochen, dass das Vorhaben nicht an Brandenburgs Bürokratie scheitern wird. Auf der Basis lässt es sich gut arbeiten.

    Was bedeutet die Ansiedlung für die kleine Gemeinde? Immerhin werden bei Tesla mehr Menschen arbeiten, als Grünheide überhaupt Einwohner hat.
    Na ja, nicht alle, die bei Tesla arbeiten, werden hier wohnen. Grünheide ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt ziemlich am Ende mit dem, was es kann. Wir können Baulücken schließen und für eine behutsame Entwicklung sorgen, aber es wird hier keine großen neuen Wohn- oder Gewerbegebiete geben.

    Wo werden die Leute wohnen?
    Bis Ende des Jahres wird es einen Plan geben, der die Potenziale der Region aufzeigt. Dann werden wir sehen, was machbar ist und wo planungsrechtlich nachgebessert werden muss.

    Sie haben nicht ein zweites Tesla-Gelände, wo sich beispielsweise Zulieferer ansiedeln könnten?
    Nein. Grünheide hat mit dem Güterverkehrszentrum Freienbrink unmittelbar gegenüber dem Tesla-Gelände ein großes Gewerbegebiet – aber das reicht dann auch. Weitere große Gewerbegebiete wird es in Grünheide nicht geben.

    Was sagen Sie potenziellen Tesla-Zulieferern, die an Sie herantreten?
    Wir vermitteln sie gemeinsam mit der Landesregierung bis nach Frankfurt an der Oder. Dort gibt es übrigens auch einiges an Wohnraum, nur 25 Minuten von Grünheide entfernt.

    Tesla darf kommen, aber ansonsten soll sich das Bild von Grünheide nicht ändern?
    Das ist das Ziel. Wir freuen uns auf die Ansiedlung, sie ist wie ein Lottogewinn. Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach hat es einmal so formuliert: Ihr habt den Jackpot gewonnen, ohne Lotto zu spielen. Trotzdem habe ich den Menschen hier versprochen, die Struktur der sechs Ortsteile zu erhalten.

    Grünheide hat heute 8.800 Einwohner. Wie viele Einwohner werden es in fünf Jahren sein?
    10.000 sind für uns mit den Möglichkeiten, die das Planungsrecht uns noch bietet, machbar. Ab 12.000 Einwohnern muss man aufpassen, dann würden wir Strukturen kaputtmachen.

    Vielen Dank für das Interview, Herr Christiani.

    Mehr: Der Tesla-Effekt: Experten erwarten von Gigafactory Signalwirkung für andere Projekte

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    1 Kommentar zu "Interview: Bürgermeister von Grünheide: „Die Tesla-Ansiedlung ist wie ein Lottogewinn“"

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    • Au weia, was sind das denn für Fragen? Die Frage, die die Meisten interessieren dürfte, ist nicht gestellt worden.
      Wieviele dauerhafte Arbeitsplätze werden für Menschen aus der Region neu geschaffen werden?
      Also nicht die Leute, die Tesla z.B. aus den USA rekrutiert.



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