Interview: Finanzminister Lindner für mehr Gas- und Ölförderung in der Nordsee
Der Bundesfinanzminister will Erneuerbare Energien ausbauen, aber auf Öl und Gas vorerst nicht verzichten.
Foto: imago images/photothekBerlin. Um die Abhängigkeit von russischen Energieimporten zu reduzieren, schlägt Bundesfinanzminister und FDP-Chef Christian Lindner eine umgehende Überprüfung des Koalitionsvertrags vor, der bisher ein Verbot für neue Öl- und Gasbohrungen in Nord- und Ostsee vorsieht. „Wir müssen die Festlegung des Koalitionsvertrages, in der Nordsee den Abbau von Öl und Gas nicht fortsetzen zu wollen, hinterfragen“, sagte Lindner in einem Interview mit dem Tagesspiegel.
„Aufgrund der Entwicklung der Weltmarktpreise scheint dies wirtschaftlicher zu werden.“ Zumindest für eine Übergangszeit werde Deutschland noch Öl und Gas brauchen. „Ich halte es vor dem veränderten geopolitischen Hintergrund für ratsam, ohne Denkverbote die gesamte Energiestrategie unseres Landes zu prüfen“, appellierte er an die Grünen, sich einer Ausweitung der heimischen Öl- und Gasförderung zu öffnen und neue Bohrgenehmigungen mitzutragen.
Zugleich brauche es auch andere Energieimportquellen. „Deutschland wird ein Energieimportland bleiben. Autarkie bleibt Wunschdenken. Wir brauchen andere Quellen, also Wasserstoff aus Südeuropa oder Afrika, synthetische Kraftstoffe aus Südamerika, Flüssiggas über neue Terminals und bessere Verbindungen der Infrastrukturen innerhalb Europas“, betonte Lindner. „Das müssen wir mit Lichtgeschwindigkeit umsetzen. Die Energiepreise treiben uns.“