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Interview Steuergewerkschaftschef Eigenthaler: „In fünf Jahren bekommen wir ein richtiges Problem“

Der Chef der Deutschen Steuer-Gewerkschaft fürchtet um die Arbeitsfähigkeit der Finanzämter. Der Wettbewerb mit anderen Arbeitgebern wird härter.
05.01.2020 - 08:23 Uhr Kommentieren
Die Pensionierungswelle wird in den kommenden Jahren auch die Finanzverwaltung treffen. Quelle: dpa
Finanzamt

Die Pensionierungswelle wird in den kommenden Jahren auch die Finanzverwaltung treffen.

(Foto: dpa)

Berlin Seit Jahren hört Steuergewerkschaftschef Thomas Eigenthaler, dass moderne IT die Bearbeitung von Steuererklärungen in den Finanzämtern beschleunigen werde. Inzwischen glaubt der 61-Jährige nicht mehr daran. Dazu fehle es an Pauschalen.

Sorgen bereiten Eigenthaler auch die vielen Pensionierungen in den Finanzämtern und der fehlende Nachwuchs. „Anders als früher lassen sich auch mehr frisch ausgebildete Finanzbeamte von Steuerberatungsgesellschaften abwerben“, erklärt der Chef der Steuergewerkschaft.

Herr Eigenthaler, wie hart trifft denn die Pensionierungswelle wirklich die Finanzämter? Kann es sein, dass bald nicht mehr alle Steuererklärungen bearbeitet werden können?
Ich erwarte, dass wir in fünf Jahren ein richtiges Problem bekommen. Bis dahin gehen 30 bis 35 Prozent der Finanzbeamten in Pension. Zwar werden inzwischen mehr Leute ausgebildet und auch angestellt, aber bei Weitem nicht so viele, wie die Verwaltung verlassen.

Wie ist es dazu gekommen?
Die Ursache für die Pensionierungswelle ist die Einstellungswelle in den 1970er-Jahren. Die Leute aus den geburtenstarken Jahrgängen, die damals im Alter zwischen 16 und 20 Jahren Finanzbeamte wurden, werden jetzt alle pensioniert.

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    Wieso stellen Sie dann jetzt nicht forciert neue Finanzbeamte ein?
    Beim Nachwuchs stehen wir in harter Konkurrenz zu anderen Arbeitgebern. Anders als früher lassen sich auch mehr frisch ausgebildete Finanzbeamte von Steuerberatungsgesellschaften abwerben. Und es geben auch viele während der Ausbildung auf, wenn sie feststellen: Das ist doch nichts für mich. Junge Leute heute können es sich ja aussuchen, was sie beruflich machen. Ich schätze, dass 20 bis 30 Prozent pro Ausbildungsjahrgang am Ende nicht in den Finanzämtern arbeiten werden.

    Der Bundesvorsitzende der Deutschen Steuer-Gewerkschaft fürchtet, dass die Finanzämter in fünf Jahren ein Personalproblem haben werden. Quelle: dpa
    Thomas Eigenthaler

    Der Bundesvorsitzende der Deutschen Steuer-Gewerkschaft fürchtet, dass die Finanzämter in fünf Jahren ein Personalproblem haben werden.

    (Foto: dpa)

    Warum wirbt der öffentliche Dienst nicht gemeinsam um Nachwuchs?
    Die Verwaltungen machen sich auch untereinander Konkurrenz. Und viele junge Leute gehen dann lieber zur Polizei oder in die Kommunalverwaltungen. In den Gemeinden ist die Arbeit ja auch weniger konfliktreich als bei uns. Und die Polizei hat ein besseres Image als Finanzbeamte.

    Ließe sich denn nicht ein Großteil des Mangels durch Modernisierung und mehr Einsatz von IT beheben?
    Es wird uns immer versprochen, dass mit neuer IT die Fallbearbeitung schneller wird. Bisher ist das aber nicht wirklich eingetreten. Ich bin allerdings auch deshalb skeptisch, weil ja das Steuerrecht eher komplizierter als einfacher wird. Ich sage nur: gestaffelte Entfernungspauschale. Wenn es nicht gelingt, bei den Arbeitnehmern viel stärker mit Pauschalen zu arbeiten, dann können wir die IT kaum so einsetzen, dass Steuererklärungen vollautomatisch durchlaufen.

    Mehr: Beim Staat rollt die Pensionierungswelle: Mindestens 200.000 Beamte fehlen schon jetzt. Um funktionsfähig zu bleiben, muss sich die Verwaltung dringend digitalisieren.

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