Kapitalmarkt: Wirtschaftsweise wollen öffentlich finanziertes Kinder-Konto
Berlin. Die Wirtschaftsweisen sind für eine stärkere Beteiligung der Bürger an den Kapitalmärkten und bringen ein staatlich finanziertes Anlage-Konto für Kinder ins Spiel.
In einem am Donnerstag vom Sachverständigenrat Wirtschaft gemeinsam mit dem französischen Pendant CAE veröffentlichten „Policy Brief“ weisen sie daraufhin, dass die Privathaushalte in Europa ihre Ersparnisse überwiegend in „renditeschwache Anlageklassen“ wie Bankeinlagen steckten. Eine Einführung von individuellen, durch die öffentliche Hand finanzierten Anlagekonten für Kinder könnte demnach die Beteiligung an den Kapitalmärkten erhöhen. Durch die automatische Einzahlung „von zum Beispiel zehn Euro pro Monat und Kind im Alter von sechs bis 18 Jahren“ in Form eines Fondsanteils könnten Heranwachsende lernen, langfristig zu investieren.
Individuelle Anlagekonten tragen laut der Wirtschaftsweisen Ulrike Malmendier zur finanziellen Bildung von Kindern unabhängig von den Erfahrungen der Eltern bei: „Kinder lernen so verschiedene Finanzzyklen kennen und können die Vorteile einer Aktienanlage verstehen: niedrige Risiken und langfristig hohe Renditen.“ Dazu sei es notwendig, einen kostengünstigen und breit gestreuten Aktienfonds als Pflicht oder Standardanlageprodukt einzusetzen.
Zu den Anlageoptionen sollten den Experten zufolge keine Bankspar- oder Versicherungsprodukte gehören. Als Vorbild für die Auswahl geeigneter Fonds könnte demnach die schwedische Fund Selection Agency dienen, die für das schwedische Premium-Renten-System Investmentfonds mit sehr niedrigen Verwaltungsgebühren beschafft.
Die Kinder könnten dann auf die Fonds zugreifen, sobald sie 18 Jahre alt sind, oder das Anlagekonto weiterhin für langfristige Ersparnisse nutzen.
Ökonomen wollen „tieferen Kapitalmarkt“
Europa und die EU brauchen laut den Ökonomen grundsätzlich einen stärkeren, tieferen Kapitalmarkt, um die Chancen wie die grüne Transformation oder den Aufstieg der künstlichen Intelligenz zu finanzieren. Tiefe und liquide Kapitalmärkte könnten langfristig Wachstum schaffen, um den Rückgang des Wachstumspotenzials in den europäischen Volkswirtschaften zu überwinden.
„Die EU ist sehr bankenlastig, was grenzüberschreitende Aktivitäten einschränkt. Innovationsgetriebenes Wachstum braucht stärkere Kapitalmärkte und nicht eine Ausweitung des Bankensektors“, sagte Camille Landais, Vorsitzender des französischen Conseil d‘analyse économique (CAE).